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Medizin

Narzisstische Persönlichkeits­störung: Großstädte bieten Sofortbehandlung für Selfie-Touristen an

Montag, 1. April 2019

/dpa

Berlin – Touristen, die sich vor dem Eiffelturm, der Tower Bridge oder dem Brandenburger Tor selbst ablichten, kann es seit dem Vormittag passieren, dass sie von freundlichen Personen in Uniform angesprochen und nach einer kurzen Befragung zu einer „Beratung“ eingeladen werden, hinter der sich in Wirklichkeit eine Psychotherapie verbirgt. Die 3 Metropolen reagieren damit auf eine Änderung der Krankheitsklassifikation ICD 10, die Selfies als Symptom für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung einstufen. 

Ein Team von Psychiatern hatte sich am Wochenende auf eine erweiterte Definition der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (F 60.8) verständigt. Die Diagnosekriterien, zu denen ein überzogenes Selbstwertgefühl, der Glaube an uneingeschränkten Erfolg, Kraft, Brillanz oder Schönheit gehören sowie das Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung, wurden um die Neigung erweitert, sich regelmäßig vor Sehenswürdigkeiten oder zusammen mit Prominenten zu fotografieren. 

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Wer mehrmals pro Woche ein Bild von sich auf Instagram, Facebook oder Twitter postet, gilt als gefährdet. Eine genaue Einstufung ist mit der „Self imaging rating Scale“ (SIRS) möglich. Der einseitige Fragebogen erkundigt sich nach der Häufigkeit von Selbstportraits und den damit verbundenen Gefühlen. Der SIRS-Fragebogen orientiert sich am AUDIT-Fragebogen für die Alkoholsucht, da Selfies auch ein hohes Abhängigkeitspotenzial haben.

Der Fragebogen, der innerhalb von 3 Minuten absolviert werden kann, ergibt einen Wert von 0 bis 10 Punkten. Ab 8 Punkten besteht die Indikation für eine Therapie. Die Teilnahme ist derzeit noch freiwillig. Personen mit einem SIRS von 10 Punkten sind jedoch akut gefährdet, sodass eine Zwangstherapie eigentlich notwendig wäre. Die Tourismusbehörden der Städte haben dies jedoch vehement abgelehnt. Szenen, in denen Personen vor den Sehenswürdigkeiten gegen ihren Willen abtransportiert werden, sollen vermieden werden.

Die Notwendigkeit zur Behandlung ergibt sich aus der steigenden Zahl von Selfie-Touristen, die sich in lebensgefährliche Situationen begeben, um später Freunde und Follower in den sozialen Medien zu beeindrucken. Nicht wenige haben in den letzten Jahren ihre Eitelkeit mit dem Leben bezahlt. Nach einer kürzlich publizierten Studie sind zwischen Oktober 2011 und November 2017 weltweit 259 jüngere Menschen tödlich verunglückt, weil sie sich auf Bergen, Hochhäusern oder Klippen für ein Porträt zu weit hinausgelehnt hatten (J Family Med Prim Care 2018; 7: 828-831). Betroffen waren vor allem junge Männer, weshalb männliches Geschlecht und ein Alter unter 25 Jahren im SIRS mit jeweils einem halben Punkt bewertet werden.

Die Behandlung basiert auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie. Ihr Ziel ist es, den Betroffenen das Problem bewusst zu machen, die Ursachen zu klären, die Einstellungen zu ändern und die korrigierte Einstellung in konkretes Verhalten umzusetzen. Die Behand­lungen finden in den Touristeninformationen statt. Am Wochenende wurden hierfür eigens Räume für Gruppentherapien geschaffen. Die Behandlung erfolgt durch geschulte Reiseleiter. Die Kurztherapie dauert etwa eine halbe Stunde. Wer danach den SIRS-Test besteht, darf seine Stadtreise fortsetzen. Die Handys werden jedoch zur Sicherheit einbehalten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #105910
pagode60
am Montag, 1. April 2019, 20:05

April, April

Der Text hat sicherlich auch einen ernstzunehmenden Hintergrund, aber es dürfte sich um einen Aprilscherz handeln.
Avatar #107994
Adolar
am Montag, 1. April 2019, 19:31

Bin ich seeeehr dafür!

Leider dürfte nach dem 1. April nicht mehr genügend psychotherapeutisches Smart-Personal verfügbar sein, was ich sehr bedauere, auch im Interesse der schon und zukünftig verunfallten Protagonisten.
Avatar #698455
Stockley
am Montag, 1. April 2019, 16:33

AFH-Score im rotem Bereich!

Sind Akronymologen anwesend?
LNS

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