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Medizin

Verzicht auf Atemspende erhöht Bereitschaft zur Laienreanimation

Dienstag, 2. April 2019

/pixelaway, stock.adobe.com

Stockholm – In Schweden wird derzeit bei 2 Dritteln aller Menschen, die außerhalb der Klinik einen Herzstillstand erleiden, eine Laienreanimation durchgeführt. Dies ist laut einer Registeranalyse in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179) vor allem auf einen Verzicht auf die Atemspende bei der Wiederbelegung zurückzuführen, nach der die Patienten fast die gleichen Überlebenschancen haben wie nach der Standard­reanimation.

Die Laienreanimation leidet seit ihrer Einführung in den 1960er-Jahren darunter, dass sich die meisten Menschen die Durchführung nicht zutrauen, auch wenn die meisten irgendwann einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben. Problematisch ist vor allem die Atemspende, die viele Menschen als unangenehm oder unhygienisch empfinden, wenn sie nicht (in der Regel unberechtigterweise) Angst vor einer Infektion haben. Dies hat dazu geführt, dass zunächst das Verhältnis von Brustkompression zur Atemspende von 15 zu 2 auf 30 zu 2 verändert wurde. Heute können Laien, wenn sie sich nicht trauen, auch ganz auf die Atemspende verzichten.

In Schweden wurden die beiden Veränderungen in den Jahren 2006 und 2010 in die Leitlinien aufgenommen. Ein Team um Jacob Hollenberg vom Karolinska-Institut in Stockholm hat jetzt untersucht, wie sich die „Reformen“ auf die Bereitschaft zur Laienreanimation und deren Ergebnisse ausgewirkt haben. Dies ist in Schweden relativ einfach möglich, weil alle Laienreanimationen in einem Nationalen Qualitätsregister erfasst werden. Durch einen Abgleich mit dem Sterberegister konnte Hollenberg ermitteln, wie viele Patienten den Herzstillstand überlebt haben.

Die Entwicklung in Schweden ist günstig. Der Anteil der Menschen, die bei einem Herzstillstand außerhalb der Klinik vor Eintreffen einer Ambulanz von einem Laien reanimiert werden, ist von 40,8 % in der Zeit vor 2006 auf 58,8 % im Zeitraum zwischen 2006 und 2010 und danach auf 68,2 % gestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland erhalten nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung nur etwa 30 % eine Laienreanimation.

Die Zunahme der Laienreanimation in Schweden ist vor allem auf die Rücknahme und den Verzicht auf die Atemspende zurückzuführen. Eine alleinige Brustkompression wurde in den 3 Zeiträumen bei 5,4 %, 14,0 % und 30,1 % der Betroffenen durchgeführt. Zuletzt entfiel demnach fast jede zweite Reanimation auf die Minimalvariante mit reiner Brustkompression.

Die 30-Tage-Überlebensrate lag nach alleiniger Thoraxkompression zuletzt bei 14,3 %. Nach einer Standardreanimation mit Atemspende und Thoraxkompression überlebten 16,2 %. Hollenberg ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,2, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 bis 1,4 signifikant war. Die Standardreanimation erzielt demnach etwas bessere Ergebnisse und sie sollte nach Ansicht von Hollenberg von allen Laien, die darin ausgebildet sind und sie sich zutrauen, der alleinigen Thoraxkompression vorgezogen werden.

Die reine Thoraxkompression ist aber immer besser als der völlige Verzicht auf eine Laienreanimation. In dieser Gruppe überlebten nur 7,1 % der Patienten, also nur halb so viele wie nach der alleinigen Thoraxkompression. Der Vorteil der Laienreanimation war mit einer Odds Ratio von 2,0 und einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,8 bis 2,3 hochsignifikant. Die Botschaft an die Bevölkerung musst deshalb lauten, dass es besser ist, auf die Atemspende zu verzichten, als gar nichts zu tun. Wer allerdings die Atemspende beherrscht, sollte sie auf jeden Fall durchführen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #736590
xxhfa
am Mittwoch, 3. April 2019, 10:24

(Über)lebensqualität

Die Frage ist doch, wie viele Patienten ohne gravierende Hirnschäden überleben. Ich vermuter, mancher Reanimateur wäre deutlich weniger enthusiastisch, wenn er im Pflegeheim errnsthaft mit den Folgen seines Handelns konfrontiert würde.
LNS

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