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Medizin

Kaiserschnitt führt bei älteren Frauen häufiger zu akuten Komplikationen

Dienstag, 2. April 2019

/dpa

Paris – Nach einem Kaiserschnitt kommt es häufiger zu akuten Komplikationen als nach einer vaginalen Entbindung, wobei das Risiko mit dem Alter der Frau ansteigt. Dies ist das Ergebnis einer Fall-Kontroll-Studie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2019; 191: E352-E360).

Akute Geburtskomplikationen sind in Ländern mit einem hoch entwickelten Gesundheits­wesen insgesamt selten. Unter den 182.300 Entbindungen, deren Folgen in der EPIMOMS-Studie in Frankreich näher untersucht wurden, kam es bei 2.540 Frauen oder knapp 1,4 % zu einer schweren Komplikation. Sie war in mehr als der Hälfte der Fälle auf eine Uterusatonie zurückzuführen, die eine wichtige Ursache für postpartale Blutungen ist.

Eine erste Analyse von Diane Korb vom Forschungsinstitut INSERM in Paris und Mitarbeitern ergab, dass der Anteil der Kaiserschnitt-Entbindungen unter den Frauen mit akuten Komplikationen mit 36,0 % deutlich höher war als in einer Kontrollgruppe von Frauen ohne akute Geburtskomplikationen (18,2 %).  Das galt sowohl für geplante Schnittentbindungen (14,5 versus 8,5 %) als auch für Kaiserschnitte, die nach Einsetzen der Wehen durchgeführt wurden (21,5 versus 9,5 %).

Um andere Ursachen nach Möglichkeit auszuschließen, führte Korb eine sogenannte Propensity-Analyse durch. Dort wurden 917 Frauen nach einer Kaiserschnitt-Entbindung mit der gleichen Zahl von Frauen mit einer vaginalen Geburt gegenübergestellt. Dabei wurde darauf geachtet, dass beide Gruppen in möglichst vielen Eigenschaften ähnelten.
 
Korb ermittelt hier eine adjustierte Odds Ratio von 1,8, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 1,5 bis 2,2 signifikant war. Eine Schnittentbindung erhöhte demnach das Risiko auf akute Komplikationen, die insgesamt selten auftreten, um etwa 80 %. Das Risiko stieg mit dem Alter der Frau. Für die Altersgruppe der über 35-Jährigen ermittelte Korb eine adjustierte Odds Ratio von 2,9 (1,9-4,4).

Ein Anstieg des Risikos mit dem Alter ist relevant, weil in den entwickelten Ländern das Alter der Schwangeren deutlich gestiegen ist. In Frankreich ist bereits mehr als jede fünfte Schwangere über 35 Jahre alt. Bei den älteren Frauen entscheiden sich die Geburtshelfer auch häufiger zu einer Sectio caesarea. In Frankreich liegt der Anteil bei über 30 %.

Korb vermutet, dass die Entscheidung zum Kaiserschnitt im höheren Alter häufiger aus nichtmedizinischen Gründen getroffen wir, vielleicht aus der Vorstellung heraus, dass es wahrscheinlich keine zukünftigen Schwangerschaften geben werde. Diese Praxis sollte geändert werden, um zu vermeiden, dass Frauen, die älter als 35 Jahre sind, unnötig dem Risiko schwerer akuter Komplikationen ausgesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #702827
Ingrid Mühlhauser
am Dienstag, 2. April 2019, 13:57

Fall-Kontroll Studien lassen keine Kausalitätsaussagen zu

Die Formulierung des Titels impliziert Kausalität. Das ist irreführend. Kausalität kann aus Fall-Kontroll Studien nicht abgeleitet werden. Sie haben ein hohes Verzerrungspotenzial, das auch durch Propensity Analysen nicht verhindert werden kann.
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