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Medizin

Neuer Angriffspunkt für Arzneistoffe gegen Hepatitis C

Dienstag, 2. April 2019

Hepatitis-C-Virus /dpa

Hannover/Braunschweig – Einen neuen Angriffspunkte für künftige Wirkstoffe gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) haben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektions­for­schung (HZI) und dem Twincore zusammen mit Forschern der Leibniz-Universität Hanno­ver beschrieben. Die Arbeit ist im Journal of Hepatology erschienen (2019; doi: 10.1016/j.jhep.2019.01.033).

Weltweit leiden mehr als 70 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis-C-Infek­tion. „Die Behandlung mit antiviral wirkenden Medikamenten funktioniert gut, ist aber erst seit wenigen Jahren möglich. In welchem Ausmaß sich in Zukunft Resistenzen ent­wickeln, können wir bisher noch nicht gut abschätzen“, erläuterte Thomas Pietschmann, Leiter der experimentellen Virologie am HZI und am Twincore. Daher sei es wichtig, alternative Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Das Ziel eines Virus ist es bekanntlich, sein Erbgut ins Innere einer Wirtszelle zu schleu­sen, um sich vermehren zu können. Der erste Schritt erfolgt durch einen natürlichen Auf­nahme­prozess der Zellen, der sogenannten Endozytose: Tritt ein Virus über einen Rezep­tor mit der Zellmembran in Kontakt, stülpt sie sich an dieser Stelle nach innen ein und schnürt eine kleine Blase ins Zellinnere ab.

Das Virus befindet sich dann innerhalb dieser als Vesikel bezeichneten Blase. Die umge­bende Zellmembran trennt das Virus noch von seinem eigentlichen Zielort, dem Zell­innern. Mit der Zeit sinkt der pH-Wert innerhalb des Vesikels ab. Das saure Milieu bewirkt eine Strukturänderung in der Virushülle, wodurch sie nun in der Lage ist, mit der umge­benden Zellmembran zu verschmelzen. So kann das Virus seine genetische Information ins Zellinnere injizieren.

In ihrer Studie haben die Forscher vielversprechende Zelleintritts-Inhibitoren und ihre Wirkung auf Hepatitis-C-Viren analysiert. Hintergrund ist, dass sich in verschiedenen Studien Wirkstoffe, die für die Behandlung von Migräne (Flunarizin) beziehungsweise Allergien (Chlorzyklizin) bereits zugelassen sind, als wirksam gegenüber Hepatitis-C-Viren gezeigt. Sie verhindern, dass das Erbgut der Viren in die Körperzellen eindringen kann, und werden daher als Zelleintritts-Inhibitoren bezeichnet.

Die Forscher veränderten die HCV schrittweise und schauten, ob sie jeweils noch auf den getesteten Wirkstoff ansprechen. „So konnten wir eine kleine spezifische Region in der Virushülle ausmachen, mit der der Wirkstoff offenbar interagiert. Wie ein Keil im Getriebe verhindert er die Fusion der Virushülle mit der Zellmembran“, erklärte Dominic Banda, Erstautor der Studie, mittlerweile tätig in der Abteilung für klinische Biologie, Mikrobio­logie und Immunologie der Universität Ghent.

Es sei wichtig zu wissen, wo genau die Interaktion stattfindet, um Vorhersagen machen zu können, welche Virusvarianten auf welchen Wirkstoff ansprechen. Denn nicht jedes HCV gleicht dem anderen. Insbesondere Viren des Genotyps 2 können laut den Forschern durch Zelleintritts-Inhibitoren aufgehalten werden.

Weiterhin konnten die Forscher zeigen, dass die gefundene Region auf der Virushülle auch darüber bestimmt, bei welchem pH-Wert das Virus zur Membranfusion angeregt wird. „Manche Virustypen benötigen einen niedrigeren pH-Wert als andere, das kann ganz unterschiedlich sein“, erläutert Pietschmann.

Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Andreas Kirschning vom Institut für Organische Chemie und dem Biomolekularen Wirkstoffzentrum (BMWZ) an der Leibniz Universität Hannover haben die Forscher strukturell verwandte Verbindungen des Wirkstoffes Flunarizin entwickelt, synthetisiert und auf ihre Wirksamkeit gegenüber Hepatitis-C-Viren getestet. „Dabei stellte sich eine Substanz – genauer p-Methoxy-Flunarizin – als besonders wirksam heraus“, so Kirschning. © hil/aerzteblatt.de

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