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Chirurgen warnen vor Burnout bei Ärzten

Dienstag, 2. April 2019

/Tyler Olson, stockadobecom

Berlin – Immer mehr Krankenhausärzte resignierten vor überbordender Bürokratie, öko­nomischem Druck und zunehmender Arbeitsverdichtung. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) aufmerksam. Sie mahnt, Ärzte von Verwaltungsarbeiten zu entlasten und Beruf und Familie besser mit­einander vereinbar zu machen.

Dass die Burnout-Raten bei den Medizinern zunehmen, ist laut DGCH unter Experten unstrittig. „Alle Studien, ob national oder international, belegen einen Anstieg“, berichtet Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit am Asklepios-Klini­kum Harburg, für die Fachgesellschaft. Gründe dafür seien ein Übermaß an Bürokratie, Arbeitsverdichtung, Multitasking, häufige Unterbrechungen sowie fachfremde ökonomi­sche und politische Zwänge. „Hinzu kommen Patienten, die informierter und kritischer geworden sind“, ergänzte Unger.

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Die DGCH weist auf eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Kassenärztlichen Bundes­ver­ei­nigung (KBV) in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundes­vereinigung der Medizinstudierenden unter knapp 14.000 Medizinstudierenden hin, dem „Berufsmonitoring Medizinstudierende“. Danach streben rund 70 Prozent der Studieren­den eine Tätigkeit in der ambulanten Medizin an, vor allem in angestellter Position in einer Gemeinschaftspraxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Matthias Anthuber, for­dert daher ein Umsteuern. „Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn würde dem Medizin­standort Deutschland einen großen Dienst erweisen, wenn er sich dafür einsetzte, die überbordende bürokratische Tätigkeit, die Klinikärzten inzwischen zugemutet wird, zurückzuführen“, sagte Anthuber.

Im Augenblick müssten sich deutsche Ärzte viel zu sehr mit arztfremden und patienten­fernen Tätigkeiten beschäftigen. Zudem sollten Kliniken sich mehr in der Kinderbetreu­ung engagieren. „Wir brauchen Klinik-Kitas mit angemessenen Öffnungszeiten, um dem chirurgischen Nachwuchs im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten“, so der DGCH-Präsident.

Das Ende Januar erschienene „Berufsmonitoring Medizinstudierende“ signalisiert, dass das Interesse der Medizinstudierenden an der Chirurgie sinkt. Bei der Befragung konnten sich 24,3 Prozent der befragten Medizinstudierenden eine Weiterbildung in der Chirurgie vorstellen. 2010 waren es noch 29,3 Prozent der Befragten.

Offenbar sinkt die Attraktivität auch während des Studiums: Während in der Vorklinik noch 32,4 Prozent der Studierenden für die Chirurgie als Berufsziel votierten, gaben in den klinischen Semestern nur noch 21,3 Prozent und im Praktischen Jahr nur noch 18,1 Prozent die Chirurgie als ein Wunschfach an. © hil/aerzteblatt.de

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benyc@web.de
am Dienstag, 2. April 2019, 20:22

Einziger Ausweg: Wahl des Arbeitgebers

Das Problem mit den Arbeitsbedingungen und der Unzufriedenheit ist nicht fachspezifisch. Die jüngere Generation gibt sich nicht mehr mit den althergebrachten Argumenten zufrieden und strebt nach Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, fairen Arbeitsbedingungen und Erfüllung in der Tätigkeit. Durch Wahl des Krankenhauses bzw. der Abteilung können Mediziner/innen aktiv beeinflussen, ob sie unter schlechten oder fairen Arbeitsbedingungen arbeiten möchten. Bald wird es ein Ranking der Abteilungen mit attraktiven Arbeitsbedingungen geben (das Treatfair Ranking), an dem sich alle orientieren können. Es zeigt die 100 attraktivsten Abteilungen in Deutschland auf. Ich bin gespannt. Den Ansatz finde ich sehr gut. (Mehr Infos unter www.treatfair.org)
LNS

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