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Politik

Tweet der FDP zu Trisomie-Bluttests sorgt für Protest

Dienstag, 2. April 2019

/benjaminnolte, stockadobecom

Berlin/Nordwalde – Ein inzwischen zurückgezogener Tweet der FDP-Bundestagsfraktion zu geplanten Anwendungsmöglichkeiten nichtinvasiver molekularge­netischer Tests zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 bei Risikoschwangerschaf­ten sorgt weiter für Proteste. Die Christdemokraten für das Leben (CDL) erklärten heute in Nordwalde bei Münster, der Tweet sei „eiskalt und menschenverachtend“.

Die FDP scheue nicht davor zurück, mit dem Bild eines Kleinkinds mit Downsyndrom „für die Finanzierung einer Selektionsmethode“ zu werben, die „gerade dazu führt, dass viele dieser Kinder nicht geboren werden“, erklärte der stellvertretende CDL-Bundesvorsit­zen­de Hubert Hüppe. „Das ist an Zynismus nicht zu überbieten“.

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Die FDP-Fraktion hatte zuvor ein Foto von einem Klein­kind mit Downsyndrom gepostet, das sich an eine Frau kuschelt. In das Foto hinein schrieben die Libera­len die Forderung: „Trisomie-21-Test muss Kassenleis­tung werden!“

Gestern zog die Fraktion den Tweet zurück und schrieb: „Unser Posting zu #Trisomie21 war missverständlich – das tut uns sehr leid. Wir wollen, dass nicht Geldbeutel entscheidet, ob Schwangere Klarheit bekommen. Für uns ist Perspektive eines Kind mit Trisomie 21 nichts Negatives. Da Fehleindruck entstand, haben wir sofort gelöscht.“

Zuvor hatte auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Post heftig kritisiert: „Ich kann gar nicht glauben, dass dieser FDP-Post echt sein soll! Mit diesem Kind im Bild zu verdeutlichen, bei einem Trisomie-21-Test wäre es vielleicht nicht auf der Welt, wenn der Test Kassenleistung wäre ...“, twitterte sie.

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hatte Ende März ein Stellungnahmeverfahren zu NIPT eingeleitet. Bei der geplanten Änderung geht es um die Untersuchung fetaler DNA im Blut der Schwangeren auf ein Vorliegen einer Trisomie 13, 18 und 21. Der G-BA hat geprüft, ob und wie NIPT – im Vergleich zu bisher im Rahmen der GKV erbringbaren Untersuchungen wie der invasiven Chorionzottenbiopsie und Amniozentese – eingesetzt werden können.

„Angesichts der Risiken invasiver Untersuchungen sowie der belegten hohen Testgüte der geprüften NIPT-Verfahren sieht der G-BA im Ergebnis der Studienauswertungen eine Anerkennung der NIPT als im Einzelfall mögliche Leistung im Rahmen der Schwangeren­betreuung als medizinisch begründet an“, sagte Hecken Ende März in Berlin.

Er betonte, dass es ausdrücklich „um die Anwendung des Tests bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken“ gehe. Damit sollen die aktuell verfügbaren Testverfahren – das seien Eingriffe, die mit großen Risiken für das ungeborene Kind verbunden seien – so weit wie möglich ersetzt werden.

„Es geht nicht etwa um eine Reihenuntersuchung aller Schwangeren“, erklärte Hecken weiter. Das war in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder falsch dargestellt worden. „Daher nutze ich inzwischen auch den Begriff ,Massenscrening', das hier aber ausdrücklich nicht angewendet werden soll“, sagte er im Plenum.

In der kommenden Woche will der Bundestag eine Orientierungsdebatte über die Blut­tests führen. © kna/may/aerzteblatt.de

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