NewsMedizinPlGF-Test beschleunigt Diagnose der Präeklampsie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

PlGF-Test beschleunigt Diagnose der Präeklampsie

Donnerstag, 4. April 2019

/StudioLaMagica, stockadobecom

London – Die Bestimmung der Serumkonzentration von PlGF, dessen Abfall eine Störung der Plazentafunktion anzeigt, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)33212-4) die Diagnose einer Präeklampsie beschleunigt und einige Mütter vor lebensgefährlichen Komplikationen der Erkrankung geschützt, während ein Vorteil für den Feten nicht nachweisbar war.

Über ein Jahrhundert wurde die Präeklampsie durch Messen des Blutdrucks und den Nachweis einer erhöhten Proteinausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin bestimmt. Die Aussagekraft der beiden Parameter ist jedoch begrenzt und häufig vergehen mehrere Tage, bis die notwendige Therapie ergriffen wird.

Seit einigen Jahren gibt einen Labortest, mit dem sich die Störung der Plazenta, die für die Erkrankung verantwortlich gemacht wird, direkt messen lässt. In dem Test wird die Konzentration von PlGF im Blut der Mutter bestimmt. PlGF ist ein Schlüsselfaktor für die Bildung von Blutgefäßen in der Plazenta, die für die Versorgung des Feten mit Nährstoffen und Atemgasen benötigt werden. Ein Abfall von PlGF zeigt eine Störung der Plazenta­funktion an, die für die Präeklampsie verantwortlich gemacht wird. Gleichzeitig gibt die Plazenta Moleküle wie sFlt („soluble fms-like tyrosine kinase-1“) ab, die vermutlich für die Symptome der Mutter verantwortlich sind. In Deutschland wird deshalb meistens der Quotient von sFlt1/PlGF bestimmt. In England wird die alleinige Bestimmung des PlGF für ausreichend erachtet.

Das britische National Institute for Health Research wollte sich bei der Einführung des Tests nicht einfach auf Plausibilitätsüberlegungen verlassen und hat den Wert des PlGF-Tests an 11 Entbindungsstationen in einer pragmatischen Studie prüfen lassen. In einem sogenannten „Stepped Wedge“-Design wechselten die einzelnen Kliniken nacheinander von der früheren Diagnostik auf den PlGF-Test. Der Test wurde dabei an allen Kliniken durchgeführt, um bei einem bedrohlichen Abfall, der eine sofortige Intervention erfordert, die Ärzte warnen zu können. In den meisten Fällen wurden die Testergebnisse in der Kontrollgruppe jedoch zunächst zurückgehalten.

An der Studie nahmen zwischen Juni 2016 und Oktober 2017 insgesamt 1.035 Frauen teil, bei denen wegen klinischer Symptome der Verdacht auf eine Präeklampsie bestand.

Wie ein Team um Lucy Chappell vom King's College London jetzt berichtet, hat die Bestimmung des PlGF-Werts die mediane Zeit bis zur Diagnose der Präeklampsie von 4,1 Tagen in der Kontrollgruppe auf 1,9 Tage verkürzt. Das Zeitverhältnis von 0,63 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,87 hochsignifikant.

Der Zeitvorteil von mehr als 2 Tagen wirkte sich vor allem für die Schwangeren positiv aus: Während es in der Kontrollgruppe bei 24 von 447 Frauen (5 %) zu Komplikationen kam, war dies in der Testgruppe nur bei 22 von 573 Frauen (4 %) der Fall. Die adjustierte Odds Ratio von 0,32 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,11 bis 0,96 erneut statistisch signifikant.

Der klinische Nutzen war größer, als diese Zahlen vermuten lassen. In der Kontrollgruppe kam es zu 5 schweren Komplikationen: 2 Frauen entwickelten eine Eklampsie mit Krampfanfällen, bei 2 Frauen kam es zu Schlaganfällen und bei einer Frau zu einem Herzstillstand (sie wurde erfolgreich reanimiert). In der Testgruppe gab es keine einzige derartige schwere Komplikation.

Für die Kinder hatte die Verzögerung der Diagnose dagegen keine negativen Auswirkungen. Der Anteil der Kinder mit perinatalen Problemen lag in der Kontrollgruppe bei 15 % und in der Testgruppe bei 14 % (Odds Ratio 1,45; 0,73-2,90). Auch der Unterschied im Geburtstermin (36,6 versus 36,8 Wochen) war unbedeutend (mittlere Differenz 0,52 Tage; minus 0,63 bis 0,73 Tage).

Der National Health Service will aufgrund der Ergebnisse der Studie den Test einführen.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Parchim – Bei einer möglichen Übernahme des Krankenhauses Crivitz durch den Landkreis Ludwigslust-Parchim ist noch unklar, ob die Geburtenstation erhalten bleibt. Ein medizinisches Konzept, wie das
Erhalt der Geburtenstation bei Übernahme des Krankenhauses Crivitz unklar
19. Mai 2020
Berlin – Gravierende wissenschaftlich-fachliche und inhaltliche Mängel bescheinigt der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Pränataldiagnostiker kritisieren Versicherteninformation zum NIPT-Bluttest
14. Mai 2020
Berlin – Die Impfung von Frauen in der Schwangerschaft gegen Pertussis ist künftig Regelleistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) entschieden.
Pertussis-Impfung wird Regelleistung in der Schwangerschaft
29. April 2020
Berlin – Vor dem Hintergrund des Coronavirus SARS-CoV-2 stellen sich Schwangeren und Stillenden aber auch Fachkräften vermehrt Fragen zum Mutterschutz, Arbeitsschutz und zur Gesundheit junger und
SARS-CoV-2: Arbeitskreis beantwortet Fragen zum Mutterschutz
27. April 2020
München/Berlin – Deutscher Hebammenverband und Deutscher Ärztinnenbund haben erneut örtliche Kreißsaalverbote für werdende Väter zur Bekämpfung der Coronaepidemie vehement kritisiert. „Eine Geburt ist
Erneut vehemente Kritik am Kreißsaalverbot für Väter
23. April 2020
Berlin – Auch während der Coronapandemie sollten Schwangere die Versorgung rund um ihre Geburt in einer Klinik in Anspruch nehmen. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und
Gynäkologen: Geburt in der Klinik trotz Coronapandemie sicher
21. April 2020
Helsinki − Eine hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft könnte der psychischen Gesundheit der Kinder schaden. Zu diesem Ergebnis kommt eine prospektive Beobachtungsstudie in Hypertension
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER