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Medizin

Luftverschmutzung könnte Psychoserisiko in den Städten erhöhen

Mittwoch, 3. April 2019

/dpa

London – Sind Psychosen in Großstädten häufiger, weil dort die Luft schlechter ist? Eine epidemiologische Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0056) findet eine Assoziation mit den Stickoxidkonzentrationen, die für 60 % der Stadt-Land-Unterschiede in der Prävalenz psychotischer Störungen verantwortlich sein könnte.

Die „Environmental Risk (E-Risk) Longitudinal Twin Study“ hat eine Gruppe von 2.232 (ein- und zweieiigen) Zwillingen der Jahrgänge 1994/95 aus England und Wales begleitet. Im Alter von 18 Jahren wurden die Teilnehmer intensiv nach möglichen psychotischen Erfahrungen befragt. Dabei ging es nicht nur um die kardinalen Positivsymptome Halluzination und Verfolgungswahn, sondern auch um latente Prodromalsymptome wie Entfremdungsgefühle, die im Jugendalter häufiger auftreten und nicht notwendigerweise zur Psychose fortschreiten. Insgesamt 30 % der Kinder gaben an, seit dem 12. Lebensjahr wenigstens eine psychotische Erfahrung gemacht zu haben.

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Ein Team um Helen Fisher vom Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience in London hat die Antworten mit der Luftverschmutzung am Wohnort der Teilnehmer und 3 häufig von ihnen aufgesuchten Orten (etwa der Schule) in Beziehung gesetzt. Gemessen wurden Stickstoffdioxid (NO2), Stickoxide (NOx) sowie Feinstaub (PM2,5 und PM10).

Ergebnis: Für alle Luftschadstoffe wurde eine Assoziation mit psychotischen Erfahrungen gefunden. Die Odds Ratios für das Quartal mit der höchsten Schadstoffbelastung lagen zwischen 1,39 für PM10 und 1,83 für NO2. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wie familiäre Häufung, psychotische Symptome in der Kindheit, Drogenkonsum in der Jugend und Nachbarschaftsverhältnisse (sozioökonomischer Status, Kriminalität, sozialer Zusammenhalt oder andere Störungen in der Nachbarschaft) „schmolzen“ die Odds Ratios auf 1,71 für NO2, 1,71 für NOx und 1,45 für PM2,5. Die Assoziation mit PM10 war nicht mehr signifikant. Eine weitere Analyse, die den Einfluss von PM2,5 und NOx direkt gegenüber­stellte, eliminierte auch PM2,5 als Risikofaktor.

Falls die Assoziation mit NO2 und NOx kausal sein sollte, was die Studie nicht beweisen kann, dann wäre die Luftverschmutzung nach Berechnungen von Fisher für 60 % der Stadt-Land-Unterschiede in der Prävalenz von Psychosen verantwortlich. Als mögliche Mechanismen nennt die Psychiaterin „neuroinflammatorische“ Wirkungen der Stickoxide. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass andere Faktoren der Urbanität, die mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen (der Hauptquelle der Stickoxidbelastung in Wohngebieten) verbunden sind, die Assoziation erklären. Dies könnte beispielsweise die vermehrte Lärmbelastung oder andere Stressfolgen eines erhöhten Verkehrsaufkommens sein. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #26589
nordman
am Mittwoch, 3. April 2019, 21:33

"Psychoserisiko" oder "psychotische Erfahrung"? Assoziation impliziert keine Kausalität

Bitte mal den ganzen Artikel lesen mit all seinen Supplements und dann (wenn das Schwirren im Kopf aufgehört hat) mal in Ruhe nachdenken, ob man die Überlegungen als "Kausalität" nachvollziehen kann ...
Es gelten weiterhin die bekannten Überlegungen wie z.B. hier https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1397754
LNS

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