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Ärzteschaft

Krankenkassen sollten Ultraschall der Eierstöcke bezahlen

Donnerstag, 4. April 2019

/dpa

Berlin – Die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) sollten die sonografische Unter­su­chung der Eierstöcke übernehmen, auch wenn kein akuter Verdacht auf Eierstockkrebs besteht. Dafür hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) augesprochen.

Zystische Veränderungen der Ovarien als auch Eierstockkrebs machen sich erst ab einer gewissen Größe bemerkbar, zum Beispiel durch Schmerzen oder Blutungen. Ovarialkarzi­nome haben laut DEGUM auch deshalb eine ungünstige Prognose: Nach fünf Jahren leben nach Angabe des Robert Koch-Instituts (RKI) nur noch etwa 41 Prozent der Patientinnen.

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„Wichtig für das Überleben der Betroffenen ist eine möglichst frühe Diagnose. Eine gute Möglichkeit hierzu bietet das Ultraschallverfahren, denn bestimmte Muster im Ultra­schall­bild lassen eine Krebsgeschwulst ziemlich eindeutig erkennen. So wird eine deut­liche Unterscheidung von harmloseren Erkrankungen wie Eierstockzysten möglich“, er­klärte der DEGUM-Experte Eberhard Merz. 

Ohne akuten Verdacht auf die Erkrankung müssen Frauen im Augenblick den Ultraschall der Eierstöcke als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlen. Der von den gesetzlichen Krankenkassen unterhaltene Monitor für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL-Monitor) bewertet den Nutzen der Leistung als „negativ“.

Für Merz, Leiter des Zentrums für Ultraschalldiagnostik und Pränatalmedizin Frankfurt, ist das nicht nachvollziehbar, schließlich könne das Screening die Überlebensrate der Patientinnen deutlich verbessern, betont der DEGUM-Experte. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #2443
Weymayr
am Montag, 8. April 2019, 16:22

Wider die Leitlinien-Empfehlung

Die Forderung der DEGUM überrascht – sofern sie sich als eine der Wissenschaft verpflichtete Fachgesellschaft versteht.

1. Die Aussage, dass „das Screening die Überlebensrate der Patientinnen deutlich verbessern“ könne, ist nicht durch Studien gedeckt. Im Gegenteil: Große Studien zeigen keinen Überlebensvorteil, dafür aber ein massives Schadenspotenzial.
2. Entsprechend rät die „S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“ vom November 2017 vom Screening ab: „Ein generelles Screening soll nicht durchgeführt werden.“ (Empfehlungsgrad A, Level of Evidenz 1++)
3. Die DEGUM war als Fachgesellschaft an der Erstellung der Leitlinie beteiligt. Dennoch stellt sie jetzt eine der Leitlinien-Empfehlung diametral entgegengesetzte Forderung auf.

Wie verheerend sich die Forderung der DEGUM auf den Praxisalltag auswirken könnte, legt eine Untersuchung des IGeL-Monitors nahe: Der „IGeL-Report 2018“ ermittelte den Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung als die IGeL, die Frauen am häufigsten angeboten wird. Statt im Sinne der Leitlinien-Empfehlung von dieser IGeL abzuraten, stärkt die DEGUM nun diese Frauenärztinnen und -ärzte noch. Sie nimmt damit billigend in Kauf, dass jährlich tausende Frauen durch invasive Abklärungen und unnötige Therapie geschädigt werden.

Dr. Christian Weymayr, Dr. Michaela Eikermann
IGeL-Monitor
Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 5. April 2019, 11:16

Zu welchem Preis sollen Frauenärzte den Ultraschall erbringen?

Ach so, um Geld geht es nicht. Schließlich gilt es, Leben zu retten. Und da darf doch ein Arzt kein Geld mit verdienen, schließlich wird er für seine Arbeit doch bestens bezahlt.

Satire off.

Die EBM-Ziffer 018311 Ultraschallkontrolle nach IUP-Applikation wird mit sagenhaften 149 Punkten, gleich 16,31€ bewertet. Das wird dann die Größenordnung sein, mit der auch ein Ultraschall der Eierstöcke bewertet werden würde.

Derzeit bieten Ärzte den vaginalen Ultraschall als Selbstzahlerleistung für rund 40€ an. Wird das zur Regelleistung verlieren die Ärzte im ersten Schritt schon über 20€ pro Ultraschall. Aber das ist noch nicht genug. Denn da die Kassen "eine Gesamtvergütung mit befreiender Wirkung" gezahlt haben, wird kompensatorisch für die Mehrausgaben für den Ultraschall der Eierstöcke die Ordinationsziffer abgewertet.

Für alle niedergelassenen Frauenärzte wäre das ein großes Verlustgeschäft.

Einen Pränataldiagnostiker im Fast-Ruhestand braucht das natürlicht nicht zu interessieren. Denn auf ihn und sein Einkommen hätten solche Maßnahmen keinerlei Auswirkungen. Ist es nicht schön, wenn man den lieben, langen Tag Vorschläge machen kann, deren Umsetzung immer andere zu bezahlen haben?
Avatar #4642
Klemperer
am Freitag, 5. April 2019, 09:31

Bitte Studien nennen

Sehr geehrter Herr Kollege Merz,
bitte nennen Sie doch die Studie(n), mit denen Sie Ihre Aussage belegen dass Screening auf Ovarial-Ca zu deutlich verbesserten Überlebensraten führt. Gehen Sie bitte auch auf das Problem der Überdiagnosen ein.

Prof. Dr. med. David Klemperer
Berlin
LNS

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