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Medizin

Ungesunde Ernährung ist weltweit für jeden fünften vorzeitigen Todesfall verantwortlich

Donnerstag, 4. April 2019

/anaumenko, stockadobecom

Seattle/Washington – Zu viel Zucker, Wurstwaren und Salz, zu wenig Nüsse/Samen, Obst, Gemüse, Milch und Vollkornprodukte. Die Weltbevölkerung ernährt sich laut einer Studie im Lancet (2019; doi: 10.1016/ S0140-6736(19)30041-8) zu ungesund, was bei jedem fünften Menschen zum frühzeitigen Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes beiträgt.

Der Einfluss der Ernährung auf Erkrankungen und das Sterberisiko ist in zahlreichen epidemiologischen Studien untersucht worden. Ein Team um Christopher Murray, dem Leiter des Institute for Health Metrics und Evaluation (IHME) in Seattle, hat hieraus die optimale Zufuhr von 15 Bestandteilen ermittelt und dann mit den Verzehrdaten in 195 Ländern in Beziehung gesetzt.

Es gibt große internationale Unterschiede in der Ernährung. Ausreichend Obst wird in der Karibik und Mittelamerika verzehrt, das meiste Gemüse kommt in Zentralasien auf den Tisch, Hülsenfrüchte sind eine Spezialität in Afrika und Südasien, Vollkornprodukte sind in Lateinamerika und Südostasien ein fester Bestandteil der Küche. Milch wird häufig in den USA, Australien und Westeuropa getrunken. Dort ist auch die Kalziumzufuhr hoch. Auch Nüsse und Samen werden in diesen Ländern häufiger verzehrt als anderswo.

Der Anteil an Ballaststoffen ist in ganz Afrika und in Ozeanien hoch. Omega-3-Fettsäuren sind reichlich in den Fischen vorhanden, die in der asiatischen Pazifikregion zur täglichen Nahrung gehören. Die ungesünderen ungesättigten Fettsäuren und die Transfette sind vor allem in Nordamerika ein problematischer Bestandteil der Ernährung. Dort werden auch zu viele Süßgetränke konsumiert und zu viel verarbeitetes Fleisch verzehrt. Beim Salzkonsum werden westliche Länder jedoch noch von den reicheren Pazifikanrainern in Ostasien übertroffen.

Am gesündesten ernähren sich nach den Ergebnissen der Studie die Menschen in Israel. Der Anteil der Todesfälle, die auf eine ungesunde Ernährung zurückzuführen sind, beträgt hier laut den Berechnungen des IHME nur 7,0 %. In Usbekistan, dem Land mit der ungesündesten Ernährung, könnte fast ein Drittel (31,0 %) der vorzeitigen Todesfälle vermieden werden, wenn sich die Bevölkerung gesünder ernähren würde. In China sind es 21,3 % (Platz 140) und in Indien 14,0 % (Platz 118). Großbritannien belegt den 23. Platz (8,8 %), die USA Platz 43 (11,1 %). In Deutschland wären den Berechnungen zufolge genau 10,0 % aller vorzeitigen Todesfälle durch eine gesündere Ernährung vermeidbar.

Weltweit liegt der Anteil bei 22 % oder 11 Millionen Todesfällen. Von diesen 11 Millionen vorzeitigen Todesfällen sind der Studie zufolge allein 3 Millionen auf den zu hohen Konsum von Kochsalz zurückzuführen. Weitere 3 Millionen sind einem zu geringen Verzehr von Vollkornprodukten zuzuschreiben und 2 Millionen dem fehlenden Obst.

Zu den 11 Millionen Todesfällen kommen den Forschern zufolge noch einmal 255 Millionen Lebensjahre, in denen die Lebensqualität krankheitsbedingt vermindert ist (DALY). Auch hier entfallen die größten Anteile auf den zu hohen Salzkonsum (70 Millionen), den Mangel an Vollkornprodukten (82 Millionen) und dem zu geringen Verzehr an Obst (65 Millionen).

Die häufigsten ernährungsbedingten Todesursachen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen (10 Millionen). Hinzu kommen 913.000 Krebstodesfälle und fast 339.000 Todesfälle durch Typ-2-Diabetes.

Die Zahl der ernährungsbedingten Todesfälle betrug im Jahr 1990 bei 8 Millionen. Der Anstieg ist laut Murray jedoch in erster Linie auf den Anstieg des Bevölkerungswachstums und die zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #715180
DrSchnitzler
am Freitag, 21. Juni 2019, 14:54

... das ist SO nicht richtig!

Oben ist die Rede von »11 Millionen vorzeitigen Todesfällen« (usw.).

Richtig (Original!) muss es heißen: "11 Millionen ATTRIBUTABLE vorzeitige Todesfälle". Das ist aber etwas VÖLLIG ANDERES.

Die "Burden of Disease"-Methode ("Studie" ist mMn doch recht hoch gegriffen, da es sich lediglich um eine spezielle RECHENMETHODE handelt) berechnet in einem ersten Schritt, wie lange ein Mensch (bzw. alle) noch zu leben gehabt HÄTTE, WENN er nicht gestorben wäre ("Restlebenserwartung"), vergleicht also Tatsachen mit einer VIRTUELLEN REALITÄT.

Und wenn sie nicht gestorben wären...

Was immer das beweisen soll.

FALLS man die genannten Zahlen jedoch "als bare Münze verkauft", möge man bitte nachvollziehbar erläutern,
- aus welchem rationalen Grund „alle“ Menschen ggf. jeden noch so hohen Alters (!) auch bei noch so niedriger Dosis bzw. Exposition irgendeines beliebigen "Faktors" Lebenszeit verlieren (müssen), und
- woher man bitte die GEWISSHEIT nimmt, dass dieser (beliebige) Faktor ein "tödliches Risiko" sein muss.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 5. April 2019, 08:12

Aprilscherz nicht verstanden?

Plakative Titel wie "Ungesunde Ernährung ist weltweit für jeden fünften vorzeitigen Todesfall verantwortlich" darf man durchaus kritisch und überspitzt sehen. MFG
Avatar #735828
FAOrtho/UCH
am Freitag, 5. April 2019, 00:18

DR.MED.THOMAS.G.SCHAETZLER 0:1 durch Eigentor!

Ist ja nicht schlimm, als niedergelassener Allgemeinmediziner mit fancy Kopfschmuck und Schnauzer sieht man zwar wie ein cleverer Detektiv aus, ist aber wahrscheinlich wenig an der echten Forschung dran und bring mal schnell was durcheinander ;-)
Reverse causality bias lässt grüßen!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 4. April 2019, 18:00

Unlogische Schlussfolgerungen!

Dann müsste gesunde Ernährung weltweit für vier Fünftel der rechtzeitigen Todesfälle verantwortlich sein.

Wie will man das denn verifizieren?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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