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Medizin

Paracetamol könnte Schlaganfallrisiko bei älteren Diabetikern erhöhen

Donnerstag, 4. April 2019

/bilderstoeckchen, stockadobecom

Toulouse – Ältere Bewohner von Pflegeheimen in Frankreich, die an einem Typ-2-Diabe­tes litten, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of American Geriatrics Society (2019; doi: 10.1111/jgs.15861) etwa 3-fach häufiger an einem Schlag­anfall, wenn sie regelmäßig Paracetamol einnahmen.

Paracetamol gehört zu den bewährten Schmerzmitteln, die bei älteren Menschen häufig bedenkenlos eingesetzt werden. So erhielten 2.239 von 5.429 Bewohnern von 175 Pflegeheimen in Frankreich, die im Durchschnitt 86,1 Jahre alt waren, regelmäßig Paracetamol.

Philippe Gerard vom Centre Hospitalier Universitaire in Toulouse und Mitarbeiter haben im Rahmen der IQUARE-Studie, einer Qualitätssicherungsstudie, untersucht, ob sich die Einnahme auf die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt. Zunächst wurde weder für einen Herzinfarkt noch für einen Schlaganfall ein erhöhtes Risiko gefunden.

Eine Subgruppenanalyse ergab jedoch, dass Senioren mit einen Typ-2-Diabetes ein mehr als 3-fach erhöhtes Risiko hatten, innerhalb der Beobachtungszeit von 18 Monaten einen Schlaganfall zu erleiden. Die Hazard Ratio von 3,19 war signifikant, wenn auch mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,25 bis 8,18. Für Senioren ohne Diabetes war kein erhöhtes Schlaganfallrisiko (Hazard Ratio 0,93; 0,61-1,40) nachweisbar.

Beobachtungsstudien können einen Zusammenhang nicht beweisen und Subgruppen­analysen sind anfällig für statistische Zufallsbefunde (Motto: Wer lange genug im Heuhaufen sucht, findet auch eine Nadel). Gerard hält einen Zusammenhang jedoch für möglich. Er führt Überlegungen zum noch immer nicht genau bekannten Wirkungs­mechanismus von Paracetamol an.

Eine Theorie geht dahin, dass Paracetamol ähnlich wie nichtsteroidale Antiphlogistika die Cyclooxygenasen hemmt. Die Folge wäre eine verminderte Synthese von Prostaglan­dinen, was die Fähigkeit der atherosklerotisch vorgeschädigten Blutgefäße zur Vasodi­latation behindern und die Neigung zur Thrombozytenaggregation verstärken könnte. Am Ende könnte dann ein Schlaganfall stehen, schreibt der Gerontologe. © rme/aerzteblatt.de

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