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Medizin

Asthmaantikörper Benralizumab bei Hyper­eosinophilie-Syndrom wirksam

Dienstag, 9. April 2019

/fotoliaxrender, stockadobecom

Bethesda/Maryland – Der monoklonale Antikörper Benralizumab, der im letzten Jahr zur Behandlung des schweren eosinophilen Asthmas zugelassen wurde, hat sich in einer klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1812185) auch bei Patienten mit Hypereosinophilie-Syndrom als wirksam erwiesen.

Bei Patienten mit Hypereosinophilie-Syndrom ist aus unterschiedlichen (erst ansatzweise verstandenen Gründen) die Zahl der eosinophilen Granulozyten deutlich erhöht. Während im Blut von gesunden Menschen weniger als 500 Eosinophile pro Mikroliter gezählt werden, haben Menschen mit Hypereosinophilie-Syndrom mindestes 1.500/µl (Definition der Erkrankung), es können aber auch weit über 10.000/µl sein.

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Die Zellen sind nicht nur im Blut vorhanden. Sie infiltrieren auch das Gewebe, was zu unterschiedlichen Erkrankungen führt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten sind Haut, Herz, Lunge und das Nervensystem beteiligt. Es kommt zu unerträglichem Juckreiz, Herzinsuffizienz, Vergrößerung von Leber und Milz und Entzündungen im Verdauungstrakt. Gerinnungsstörungen haben Thromboembolien zur Folge. Die Lebenserwartung von Menschen mit Hypereosinophilie-Syndrom ist vermindert.

Bei einigen Patienten wird die Erkrankung durch das Fusionsgen FIP1L1-PDGFRA ausgelöst. Es handelt sich dann um eine Leukämie der Eosinophilen. Bei diesen Patienten hat sich das Leukämiemedikament Imatinib als wirksam erwiesen. Der Kinaseinhibitor blockiert die Auswirkungen des Fusionsgens und stoppt damit häufig die unkontrollierte Bildung von Eosinophilen im Blut.

Andere Patienten müssen teilweise hochdosiert mit Glukokortikoiden behandelt werden. Viele erhalten zusätzlich Hydroxycarbamid, Interferon alpha oder Cyclophosphamid, um die Produktion der Eosinophilen zu stoppen. Alle diese Behandlungen haben beträchtliche Nebenwirkungen.

Eine wesentlich schonendere Behandlung der nicht durch das Fusionsgen FIP1L1-PDGFRA ausgelösten Form des Hypereosinophilie-Syndroms könnte mit Benralizumab möglich sein. Der Antikörper bindet am Interleukin-5-Rezeptor, der sich auf der Oberfläche der Eosinophilen befindet. Die Bindung löst einen Angriff des Immunsystems auf die Eosinophilen aus. Benralizumab hat sich bereits in der Behandlung des eosinophilen Asthmas bewährt, bei der die Eosinophile durch eine allergische Reaktion in die Schleimhaut gelockt werden.

Vom Wirkungsmechanismus lag es nahe, Benralizumab auch bei Patienten mit Hypereosinophilie-Syndrom auszuprobieren. Fei Li Kuang vom Clinical Center des National Institute of Health in Bethesda/Maryland und Mitarbeiter haben hierzu eine klinische Studie an 20 Patienten durchgeführt, die mehr als 1.000/µl Eosinophile im Blut hatten. Alle Patienten wurden mit Steroiden oder Immunsuppressiva behandelt.

In einer ersten Phase wurden die Patienten über 12 Wochen auf eine Behandlung mit Benralizumab oder Placebo randomisiert. In der Benralizumab-Gruppe verschwanden die Eosinophilen fast vollständig aus dem Blut. In der zweiten Phase wurden alle Patienten über weitere 12 Wochen mit Benralizumab behandelt. Bei 17 von 19 Patienten kam es zu einem deutlichen Rückgang der Eosinophilen (der 20. Patient hatte die Therapie abgebrochen). In der dritten Phase konnte der Therapieerfolg bei 14 der 17 Patienten aufrechterhalten werden.

Bei allen 17 Patienten ging der Rückgang der Eosinophilie mit einer Verbesserung der klinischen Symptome einher. Nach den Beschreibungen von Kuang ging es allen Patienten deutlich besser. Bei neun der 14 Patienten konnte die Dosis der Hintergrundmedikamente gesenkt werden. Die Verträglichkeit von Benralizumab war, wie bereits in den Studien zum eosinophilen Asthma, gut. Bei einem Drittel kam es nach der ersten subkutanen Injektion zu Kopfschmerzen und einem Anstieg der Laktatdehydrogenase. Die folgenden Injektionen wurden dann besser vertragen.

In der ersten Phase war bei den Patienten eine Knochenmarkbiopsie durchgeführt worden. Bei den 9 Patienten, die auf Benralizumab angesprochen hatten, waren die Eosinophilen vollständig aus dem Knochenmark verschwunden. Am Ende der zweiten Phase wurde bei 8 Patienten mit Beteiligung der Haut eine Biopsie entnommen. Bei allen 8 waren keine Eosinophilen mehr in der Haut vorhanden.

Die Behandlungsergebnisse müssen jetzt noch in weiteren Studien überprüft werden. Sollten sie sich bestätigen und sollte die Wirkung von Benralizumab anhalten, dann könnte sich die Situation für die wenigen Patienten mit Hypereosinophilie-Syndrom deutlich verbessern. Die Inzidenz der Erkrankung wird auf 1 bis 2 pro 200.000 geschätzt. 9 von 10 Patienten sind männlich. © rme/aerzteblatt.de

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