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Medizin

Epilepsie­medikament Lacosamid mögliche Therapieoption bei Polyneuropathie

Montag, 8. April 2019

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Maastricht – Das Epilepsiemedikament Lacosamid kann die brennenden Schmerzen lindern, an denen Patienten mit einer Small-Fiber-Neuropathie (SFN) leiden. Auf eine entsprechende Studie von Neurologen der Universität Maastricht hat jetzt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Brain erschienen (2019; doi: 10.1093/brain/awy329). 

Polyneuropathien sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems, bei denen es zu Schäden und Funktionsstörungen sensibler, motorischer und/oder vegetativer Nervenbahnen kommt. Eine spezielle Form der sensiblen Polyneuropathien ist die SFN. Die häufigste Ursache dafür ist ein Diabetes mellitus, sie kann aber auch im Rahmen einer Fibromyalgie, rheumatischen Erkrankungen oder bei Virusinfektionen wie Hepatitis C und HIV auftreten.

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Die Patienten leiden unter brennenden Schmerzen der Extremitäten, vor allem in den Beinen und Füßen. Nachts nehmen die Schmerzen oft zu, sodass viele Patienten unter Schlafstörungen leiden. Hinzu kommen Missempfindungen, beispielsweise werden Berührungsreize als schmerzhaft wahrgenommen. Auch vegetative Funktionsstörungen können auftreten, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt oder als Kreislaufdysregulation.

„Therapeutisch ist die SFN nicht einfach anzugehen“, erklärt die DGN-Expertin Claudia Sommer vom Universitätsklinikum Würzburg. „Natürlich müssen mögliche Krankheits­ursachen behandelt werden. Oft bleibt aber nur eine symptomatische Therapie der Schmerzen – und selbst das gelingt oft nicht zufriedenstellend.“

Seit einiger Zeit ist laut Sommer bekannt, dass bei der SFN bestimmte spannungsab­hängige Natriumkanäle in den Zellmembranen der Nervenbahnen eine wichtige Rolle spielen. Das Antiepileptikum Lacosamid wirkt, indem es bestimmte Natriumkanäle blockiert.

Die Maastrichter Neurologen untersuchten daher die Substanz hinsichtlich der Schmerz­behandlung sowie Sicherheit und Verträglichkeit bei Patienten mit einer bestimmten SFN. Die 24 Studienteilnehmer erhielten doppelblind, randomisiert für 8 Wochen entweder 2-mal 200 mg Lacosamid (n=12), gefolgt von 8 Wochen Placebo (n=12) oder umgekehrt (erst Placebo, dann Lacosamid). Die Schmerzmessung erfolgte anhand einer Schmerzskala („Pain Intensity Numerical Rating Scale“). 

Im Ergebnis kam es unter Lacosamid bei 58,3 % der Patienten zu einer Schmerzabnahme um mindestens einen Punkt – gegenüber 21,7 % unter Placebo. Unter Lacosamid gaben 33,3 % der Patienten eine Besserung ihres allgemeinen Wohlbefindens an, unter Placebo nur 4,3 %. Außerdem besserte Lacosamid signifikant vorhandene Schlafstörungen. Keinen Effekt hatte die Substanz allerdings hinsichtlich vegetativer Symptome und der Lebens­qualität, was die Studienautoren mit einer zu kurzen Studiendauer und der kleinen Patientenzahl erklären.

„Lacosamid ist derzeit nur in speziellen Fällen als Antiepileptikum zugelassen, nicht für die Behandlung neuropathischer Schmerzen“, berichtet Sommer. Nötig seien jetzt weitere Studien mit Lacosamid – vielleicht haben wir mit der Substanz dann eine vielver­sprechende Option in Aussicht“, so die Neurologin. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #760811
krueppel66
am Freitag, 3. Mai 2019, 15:14

Ach ja.....die gute alte Hoffnung

Ich wünschte ich hätte einen richtig guten Neurologen, der sichvon oben auf ich schaut mit all den mittlerweie fiesen Komorbiditäten. Kann den Satz : Da ist was in der pipeline niht mehr hören. Wenn man Allein ist, ist das Schutz und Fluch zugleich.Mittlerweile sind die mer belastender als die MS selbst. Und wenn mann dann noch die falsche KK hat.....bist du echt verloren.
lg aus Steinhude
Ralf Zioerjen
Avatar #709704
davinci97
am Montag, 8. April 2019, 21:45

Epilepsiemedikament Lacosamid mögliche Therapieoption bei Polineuropathie

woher kommt die bei Neurologen offenbar verbreitete Präferenz für Antiepileptika zur Behandlung sog. "neuropathischer" Schmerzen,
obwohl die (industriefinanzierten) Studienergebnisse unzureichende Effekte zeigen und das Neuroleptika-Nebernwirkungspotential (bekanntermaßen?) gravierend ist.
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