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Medizin

Lärm ist ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Freitag, 5. April 2019

/dpa

Köln – Zu viel Lärm schädigt nicht nur das Gehör, sondern ist auch ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies zeigen zwei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Heft 14), die sich mit den Auswirkungen von Verkehrs- und Fluglärm befasst.

In einem systematischen Review gehen Verena Maria Weihofen et al. (Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 237­–44) der Frage nach, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Fluglärm und dem Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Auf der Grundlage der in die Analyse einbezogenen Studien kommen sie zu dem Ergebnis, dass bei einem Anstieg des durch­schnittlichen Lärmpegels um 10 Dezibel das Schlaganfallrisiko um 1,3 % erhöht ist.

Dies erscheint zwar zunächst gering im Vergleich zum Schlaganfallrisiko als Folge eines ungünstigen Lebensstils (Hypertonie, Übergewicht); die Autoren weisen aber darauf hin, dass der Einzelne anders als bei Lebensstileinflüssen die Exposition gegenüber Verkehrs­lärm kaum verändern könne, eine wirksame Lärmminderung also als eine gesellschaft­liche Aufgabe angesehen werden müsse.

Auch das Herz-Kreislauf-System ist von den Folgen der Lärmexposition betroffen. Omar Hahad et al. (Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 245–50) werten in ihrer Übersichtsarbeit epidemiologische Studien aus, die einen Zusammenhang von Verkehrslärm und erhöhter kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität gefunden haben.

So steigt nach einer aktuellen WHO-Studie das Risiko einer koronaren Herzerkrankung um 8 % pro Zunahme des Straßenverkehrslärms um 10 Dezibel. Die Autoren weisen auf die Notwendigkeit weiterer Studien hin, sehen aber die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Verkehrslärm als hinlänglich belegt an, um wirksame präventive Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu fordern.

Im einleitenden Editorial (Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 235–6) geht Mathias Basner der Frage nach, warum trotz vorliegender Evidenz für durch Lärm verursachte Gesundheits­schäden das Streben nach Lärmvermeidung nicht allzu weit oben auf der politischen Agenda stehe.

Ein Grund dafür sei, dass es zu gesundheitlichen Schädigungen infolge von Lärm erst nach langen Zeiträumen mit relevanter Exposition komme. Der direkte Zusammenhang werde nicht offensichtlich, der Leidensdruck in der Bevölkerung überschreite nicht das erforderliche kritische Maß. © DS/aerzteblatt.de

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