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Hebammenstudium an Universität Lübeck gefragt

Montag, 8. April 2019

/dpa

Lübeck – Was Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ab Ende 2020 plant, ist an der Lübecker Universität schon seit fast zwei Jahren Wirklichkeit. Seit 2017 gibt es ein duales Studium der Hebammenwissenschaft. Das wird gut angenommen.

Neben der praktischen Ausbildung gehörten zum Studium auch Bereiche wie Allgemein­medizin, Pflege, Kommunikation und Gesundheitsökonomie, sagte die Leiterin des Stu­dienganges, Christiane Schwarz. Dadurch würden die Hebammen befähigt, nicht nur praktische Geburtshilfe zu leisten, sondern auch zu Themen rund um die Geburt zu for­schen.

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„Deutschland ist das letzte Land in der EU, in dem Hebammen noch nicht akademisch ausgebildet werden“, sagte Schwarz. Hier führte der Weg in den Beruf bislang über eine dreijährige Fachschulausbildung. Seit 2009 gibt es einige Modellstudiengänge, die aber bislang ausschließlich an Fachhochschulen angesiedelt waren. „Die Universität Lübeck hat als bundesweit erste Universität einen Studiengang Hebammenwissenschaften ein­geführt“, sagte Schwarz.

Das Studium dauert sechs Semester, Zugangsvoraussetzung ist mindestens das Fachabi­tur. Den Abschluss bildet die Bachelor-Arbeit. Ab Herbst dieses Jahres ist auch ein Mas­terstudiengang geplant. Die praktische Ausbildung erfolgt über die UKSH-Akademie an Partnerkrankenhäusern, die theoretische in den Hörsälen der Uni Lübeck.

Erstmals ein Mann unter den Bewerbern

„Die Nachfrage ist groß. Wir haben aktuell 40 Studierende, also zwei komplette Kohorten. Ab Herbst haben wir erstmals 35 Studienplätze zur Verfügung, die schon fast alle verge­ben sind“, sagte der Uni-Sprecher Rüdiger Labahn. Unter den Bewerbern ist nach Angaben der Studiengangsleiterin auch erstmals ein Mann.

Schwarz ist überzeugt, dass die universitäre Ausbildung von Hebammen nicht nur den Beruf attraktiver machen wird. „Es eröffnet den Hebammen auch den Weg in die For­schung oder in die Qualitätssicherung“, sagte Schwarz. Forschungsthemen rund um Schwangerschaft und Geburt gebe es jedenfalls reichlich, sagte die bundesweit erste Lehrstuhlinhaberin für Hebammenwissenschaft.

Der Hebammenverband Schleswig-Holstein begrüßt den Vorstoß von Bundesgesund­heits­­­minister Jens Spahn, den Hebammenberuf künftig studieren zu müssen. „Der Stan­dard der deutschen Hebammenausbildng ist zwar sehr gut, was auch Ärzte bescheini­gen“, sagte die Landesvorsitzende Anke Bertram. „Aber ich glaube, wir bekommen noch einmal ein anderes Ansehen und können auch noch einmal ganz anders arbeiten, wenn wir akademisiert sind.“

„Unserer Ansicht nach sind wir in den letzten Jahren ein bisschen an die Wand gespielt worden durch diese medizinisch-technische Geburtshilfe, die in die Kreißsäle Einzug ge­halten hat“, sagte Bertram, die als niedergelassene Hebamme auf Sylt arbeitet. Sie ist der Überzeugung, dass studierte Hebammen dem mehr entgegensetzen können und die physiologische Geburt wieder mehr fördern. „Der Beruf bekommt durch ein Studium wieder eine andere Akzeptanz“, sagte Bertram.

Weniger begeistert von der geplanten Neuregelung, ist die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die Umsetzung der Reform werde die bestehenden ekla­tanten Versorgungsdefizite im Kreißsaal weiter verschärfen und den hohen Standard der Hebammenausbildung in Deutschland gefährden, erklärte der Verband kürzlich. © dpa/may/aerzteblatt.de

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