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Medizin

Naproxen kann Morbus Alzheimer nicht aufhalten

Montag, 8. April 2019

/Schlierner, stockadobecom

Montreal – Der Versuch, die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz durch die Einnahme des nichtsteroidalen Antiphlogistikums (NSAID) Naproxen zu verhindern, ist in einer randomisierten kontrollierten Studie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000007232) gescheitert. Das NSAID hat lediglich zur Zunahme von Nebenwirkungen geführt, darunter auch einigen schweren Komplikationen.

Die Ablagerung von Betaamyloiden im Gehirn wird von Entzündungsreaktionen begleitet, die möglicherweise die Entwicklung der Demenz beschleunigen. Beobachtungsstudien haben zudem gezeigt, dass Patienten, die aus anderen Gründen mit NSAID behandelt werden, seltener an einem Morbus Alzheimer erkranken.

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Forscher der McGill Universität in Montreal haben deshalb in einer klinischen Studie untersucht, ob die Behandlung mit einem NSAID sich günstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirkt. Da dies am ehesten in der Frühphase zu erwarten ist, haben die Forscher für die Studie Personen ausgewählt, die noch asymptomatisch waren, bei denen aber eine erbliche Vorbelastung – mindestens ein Elternteil oder zwei Geschwister erkrankt –  und leichte kognitive Einschränkungen (MCI) eine Erkrankung wahrscheinlich machten. Als NSAID wurde Naproxen ausgewählt, da es zu den sichersten, aber nicht unbedingt am besten verträglichen NSAID gehört.

In der INTREPAD-Studie („Investigation of Naproxen Treatment Effects in Pre-symptomatic Alzheimer’s Disease“) wurden 195 Patienten mit möglicher Früherkrankung über 2 Jahre entweder mit Naproxen oder Placebo behandelt. Der primäre Endpunkt war die Veränderung im präklinischen „Alzheimer Progression Score“ (APS). Der Score umfasst ausführliche kognitive Tests, eine Reihe von Veränderungen in der Magnetresonanz­tomografie (MRT) und die Ergebnisse einer Liquoruntersuchung. Im MRT kommt es in der Frühphase des Morbus Alzheimers zu subtilen Veränderungen in Dicke und Volumen des Cortex und in der Durchblutung einiger Hirnregionen, die im MRT dargestellt werden können. Im Liquor weist ein Anstieg von Tauproteinen und Betaamyloiden auch eine beginnende neurodegenerative Erkrankungen hin.

Die Hoffnung, dass die 2-jährige Naproxenbehandlung den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst, erfüllte sich jedoch nicht. In beiden Gruppen kam es zu einer leichten Verschlechterung im APS, wobei keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bestanden. Die behandlungsbedingte Rate Ratio von 1,16 war nach Berechnungen von Studienleiter John Breitner, McGill Universität, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,64 bis 1,96 nicht signifikant. Im günstigsten Fall könnte dies eine relative Verbesserung um 36 % bedeuten, ebenso wahrscheinlich ist jedoch eine Verschlechterung um 96 %.

Auch in den Einzelkomponenten des APS war kein Vorteil für die Naproxen-Behandlung erkennbar. Es gab sogar mehr Probanden, die unter der Therapie mit dem NSAID eine MCI entwickelten (3 versus 1 Teilnehmer in der Placebogruppe).

Hinzu kommt, dass die langfristige Einnahme von Naproxen nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen ist. 9 Teilnehmer der Naproxengruppe (gegenüber 3 in der Placebogruppe) brachen die Therapie vorzeitig ab. Obstipation, Dyspnoe, Hypertonie und Petechien traten ebenfalls häufiger auf. Es kam zu 8 schweren Komplikationen (gegenüber 2 in der Placebogruppe). Nur die Schmerzen der Patienten, soweit vorhanden, gingen in der Naproxengruppe zurück.

Breitner hält aufgrund der Studienergebnisse das Konzept einer Frühtherapie des Morbus Alzheimer mit NSAID für gescheitert. Da in den letzten Jahren auch alle Versuche, den Erkrankungsverlauf durch monoklonale Antikörper zu beeinflussen, nicht die erhofften Ergebnisse gebracht haben, bleibt der Morbus Alzheimer eine Erkrankung, für den derzeit eine Heilung nicht erkennbar ist.

© rme/aerzteblatt.de

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