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Medizin

Massenbehandlung mit Ivermectin beseitigt Skabies auf Südseeinsel

Montag, 8. April 2019

/dpa

Melbourne – Die Austeilung von Tabletten mit dem Wirkstoff Ivermectin an die gesamte Bevölkerung hat in einer Provinz der Salomonen die Zahl der Erkrankungen an Skabies und Impetigo deutlich gesenkt, wie die jetzt in Lancet Infectious Diseases (2019; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30790-4) veröffentlichten Studienergebnisse zeigen.

Die Krätzmilbe Sarcoptes scabiei, die hierzulande gelegentlich in Schulen, Kindergärten und Wohnheimen auftritt, ist auf den Salomonen, einem armen Inselstaat in der Südsee, endemisch. In der Choiseul-Provinz leidet fast jeder fünfte Einwohner an einer Skabies. Jeder vierte hat dort eine Impetigo, bei der Staphylokokken oder Streptokokken die aufgekratzte Haut infizieren. Zu den Komplikationen der Impetigo gehören Glomeru­lonephritiden, ein rheumatisches Fieber und rheumatische Herzerkrankungen. Wegen dieser Risiken hat die Welt­gesund­heits­organi­sation die Skabies zu einer vernachlässigten Tropenerkrankung erklärt.

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Die Behandlung der Skabies erfolgt normalerweise topisch. Mittel der Wahl ist Permethrin. Das Insektizid tötet die Milben, die kleine Gänge in der Epidermis bilden, zuverlässig ab. Die Anwendung ist jedoch umständlich und muss nach einer Woche wiederholt werden. Wesentlich einfacher ist die 2-malige Einnahme von Ivermectin. Das in der Human- und Tiermedizin zur Behandlung von Parasiten eingesetzte Mittel ist auch gegen Milben wirksam.

Dass das Mittel zur Massenbehandlung geeignet ist, konnten Wissenschaftler vom Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne vor einigen Jahren in der SHIFT-Studie („Skin Health Intervention Fiji Trial“) zeigen. Damals konnte die Zahl der Skabies-Infestationen um 94 % und der Impetigo um 67 % gesenkt werden. Die Studie hatte gezeigt, dass Ivermectin der lokalen Behandlung mit Permethrin oder einer Standardversorgung (von Patienten, die sich spontan wegen Symptome an einen Arzt wenden) deutlich überlegen war. An der SHIFT-Studie hatten jedoch nur etwa 2.000 Einwohner dreier kleinerer Inseln des Fiji-Archipels teilgenommen.

In der AIM-Studie („Azithromycin ivermectin mass drug administration“) wurde die gesamte Bevölkerung von Choiseul, einer von 9 Provinzen des Südsee-Inselstaates der Salomonen, behandelt. Die Behandlung fand während einer Kampagne zur Prävention des Trachoms statt. Die durch Chlamydien verursachte Augeninfektion kann durch das Antibiotika Azithromycin kuriert werden.

Von den 26.372 Einwohnern der Choiseul-Provinz beteiligten sich 26.188 an der Studie. Sie erhielten im Abstand von sieben bis 14 Tagen 2-mal eine Tablette mit Ivermectin (oder eine Creme mit 5 % Permethrin, wenn Ivermectin kontraindiziert war).

Das Team um Andrew Steer vom Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne hatte vor Beginn der Studie 1.399 Einwohner in zehn Dörfern genau untersucht: 261 (18,7 %) waren mit der Skabiesmilbe infestiert und 347 (24,8 %) litten an einer Impetigo. 12 Monate nach der Massenbehandlung waren nur noch 29 (2,3 %) von der Skabiesmilbe befallen und 81 (6,4 %) litten weiter an einer Impetigo.

Dies ergibt für die Skabies eine relative Reduktion um 88 (95-%-Konfidenzintervall 76,5 bis 99,3 %). Die Impetigo ging um 74 (63,4 bis 84,7 %) zurück.

In den ersten 3 Monaten nach der Behandlung ging auch die Zahl der Menschen, die aus irgendeinem Grund an ambulanten Kliniken behandelt wurden, von 36,1 (34,7 bis 37,6 %) zurück. Die Zahl der Hautwunden, Furunkeln und Abszesse nahm um 50,9 (48,6 bis 53,1 %) ab.

Im letzten Jahr hatten die Forscher bereits die Daten zur Sicherheit der Doppelbehandlung von Trachom und Skabies veröffentlicht. Unerwünschte Wirkungen, die alle mild waren und nur von kurzer Dauer waren, wurden bei 2,6 der Teilnehmer festgestellt. In den 10 Sentinel-Dörfern betrug die Rate 4,1 %. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle blieb nach der Massenbehandlung gleich, sodass es unwahrscheinlich ist, dass schwere Komplikationen übersehen wurden (Lancet Global Health 2018; 6: e1132-e1138). © rme/aerzteblatt.de

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