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Medizin

Das tägliche Glas Wein schützt nicht vor Schlaganfall

Montag, 8. April 2019

stock.adobe.com by Torsten Schon

Oxford – Ein moderater Alkoholgenuss von 1 bis 2 Getränken pro Tag senkt entgegen früheren Behauptungen das Risiko für einen Schlaganfall nicht. Das berichten Wissenschaftler der Universität Oxford im Fachmagazin Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31772-0). In ihre Auswertung bezogen sie Daten von 160.000 Erwachsenen ein.

Die Forscher verwendeten für ihre Studie einen genetischen Forschungsansatz: In ostasiatischen Populationen gibt es gemeinsame genetische Varianten, die die Alkohol­verträglichkeit stark einschränken, weil sie nach dem Alkoholkonsum eine extrem unan­genehme Spülreaktion hervorrufen. Obwohl diese genetischen Varianten die Menge an Getränken stark reduzieren, stehen sie laut den Forschern in keinem Zusammenhang mit anderen Lebensstilfaktoren wie dem Rauchen. Daher können sie verwendet werden, um die kausalen Auswirkungen des Alkoholkonsums zu untersuchen. 

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„Da die genetischen Faktoren, die das Trinkmuster stark beeinflussen, bei der Empfängnis zufällig zugeordnet werden und lebenslang bestehen, ist diese Studie das genetische Äquivalent zu einer großen randomisierten Studie und kann daher Ursache-Wirkungs-Beziehungen zuverlässig aussortieren – eine Methode namens Mendel'sche Rando­misie­rung“, erläutern die Wissenschaftler um Iona Millwood vom Medical Research Council Population Health Research Unit an der University of Oxford.

Zusammen mit Forschern der der Peking University und der Chinese Academy of Medical Sciences führten sie eine große gemeinsame Studie mit über 500.000 Männern und Frauen in China durch, die nach ihrem Alkoholkonsum gefragt und 10 Jahre lang verfolgt wurden. Bei über 160.000 dieser Erwachsenen haben die Forscher 2 genetische Varianten (rs671 und rs1229984) gemessen, die den Alkoholkonsum erheblich reduzieren. 

Bei Männern verursachten diese genetischen Varianten einen 50-fachen Unterschied im durchschnittlichen Alkoholkonsum, von nahezu 0 auf etwa 4 Getränke pro Tag. Die gene­tischen Varianten, die den Alkoholkonsum verringerten, reduzierten auch das Blutdruck- und Schlaganfallrisiko. Aus diesen Erkenntnissen schließen die Autoren, dass Alkohol das Risiko eines Schlaganfalls um etwa ein Drittel (35 %) für jeweils 4 zusätzliche Getränke pro Tag (280 g Alkohol pro Woche) erhöht, ohne dass es zu einer schützenden Wirkung durch leichten oder mäßigen Alkoholkonsum kommt.

Co-Autor Liming Li von der Peking-Universität sagt: „Schlaganfall ist eine der Hauptur­sachen für Tod und Behinderung. Diese große gemeinsame Studie hat gezeigt, dass die Schlaganfallrate durch Alkohol erhöht wird. Dies sollte dazu beitragen, persönliche Entscheidungen zu treffen und Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu entwickeln.“

Die Finanzierung dieser Studie wurde laut den Autoren vom chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie, der Kadoorie Charitable Foundation, der National Natural Science Foundation of China, der British Heart Foundation, Cancer Research UK, GlaxoSmithKline, dem Medical Research Council und dem Wellcome Trust bereitgestellt. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 9. April 2019, 09:37

"Kein Alkohol ist auch keine Lösung"

Ich übersetze die "Interpretation" des Abstracts von "Conventional and genetic evidence on alcohol and vascular disease aetiology: a prospective study of 500 000 men and women in China" von Iona Y Millwood et al.
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31772-0/fulltext
denn zu wissenschaftlich belastbareren Schlussfolgerungen ("Conclusions") hat die Datenbasis des Autoren-Teams wohl nicht gereicht.

Interpretation: Genetische Epidemiologie zeigt, dass scheinbar schützende Effekte moderater Alkoholaufnahme gegen Schlaganfälle weitgehend nicht kausal sind. Alkoholkonsum erhöht gleichförmig den Blutdruck und das Schlaganfall-Risiko und es schein in dieser Studie einen geringen Netto-Effekt für das Risiko eines Myokardinfarktes zu haben ["Interpretation - Genetic epidemiology shows that the apparently protective effects of moderate alcohol intake against stroke are largely non-causal. Alcohol consumption uniformly increases blood pressure and stroke risk, and appears in this one study to have little net effect on the risk of myocardial infarction."]

Die essenzielle, idiopathische Hypertonie bzw. Schlaganfallursachen, ob hämorrhagisch oder ischämisch, sind und bleiben multikausal. Die wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Ursachenforschungen sind trotz weltweiter Forschungsanstrengungen nach wie vor lückenhaft.

Im Zusammenhang mit geringem, moderatem, hohem und exzessivem Alkoholkonsums bis zur Abhängigkeitserkrankung sind die essenzielle Hypertonie, der Myokardinfarkt und der Schlaganfall Surrogat-Parameter für ein offenkundig Lebensstil-abhängiges, Demografie-, Ernährungs- und Verhaltens-bedingtes Krankheitsgeschehen u. a. mit Auswirkungen im Herz-Kreislauf-Bereich.

Für den Alkoholabbau in der Leber ist die Acetaldehyddehydrogenase (ALDH) erforderlich. Etwa 50 Prozent der Menschen aus dem pazifischen Raum, aus Japan oder China, haben dieses Enzym aufgrund ihrer genetischen Veranlagung nicht. Die Publikation "Conventional and genetic evidence on alcohol and vascular disease aetiology: a prospective study of 500 000 men and women in China"
Published:April 04, 2019DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31772-0
entführt uns damit ins "Land der Mitte".

Doch von "Conventional and genetic evidence" im Titel kann bei gut 500.000 Männern und Frauen, die nach ihrem Alkoholkonsum gefragt und 10 Jahre lang verfolgt wurden nur in China die Rede sein. Denn nur dort haben bei über 160.000 dieser Erwachsenen die Forscher 2 genetische Varianten (rs671 und rs1229984) gemessen, die Alkohol-Aufnahme, -Verträglichkeit, -Toleranz und -Konsum erheblich reduzieren. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht auf die weltweite Bevölkerung insbesondere in westlichen Industriestaaten übertragbar.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 8. April 2019, 19:31

Gefäße werden mit Cholesterin geflickt

Alkoholgenuss ist vermutlich wegen des im Rotwein enthaltenen Antioxidans Resveratrol ins positive Gerede gekommen. — Aber muss man Wein trinken, um dem Körper antioxidativ Wirksames einzuverleiben? Die Gefäß schützende Wirkung von Antioxidantien beruht darauf, dass hierdurch weniger Vitamin C zur Beseitigung freier Radikale erforderlich ist. So steht mehr Vitamin C für die Kollagenerneuerung der Gefäßgewebe zur Verfügung, sodass nicht so leicht Aneurysmen entstehen. Zum anderen wird vermieden, dass der Organismus infolge mangelnder Gewebsfestigkeit ansonsten entstehende Gefäßwandblessuren mit Cholesterin zu flicken beginnt.
LNS

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