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Ärzteschaft

Anschluss an Telematik­infrastruktur: Zwei Drittel bestellen, ein Drittel wartet ab

Dienstag, 9. April 2019

/xiaoliangge, stockadobecom

Berlin – Immer mehr Ärzte bestellen die Komponenten für die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI). Allerdings wartet ein Drittel des Marktes nach Einschätzung des neuen Gesundheits­chefs der Telekom, Mark Düsener, nach wie vor weiter ab. „Wir rechnen mit vielen Nachzüglern“, sagte er gestern im Vorfeld der heute beginnen­den Medizinmesse DMEA in Berlin.

Die Anschlusszahlen für das „Medical Access Port Bundle“ bei der Telekom liegen nach eigenen Angaben inzwischen im fünfstelligen Bereich. Die gesetzliche Bestellfrist war am 31. März abgelaufen. Weil es noch viele Ärzte gibt, die nicht bestellt haben, hat die Tele­kom ihr bestehendes Angebot verlängert.

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Wer bis zum 15. Mai das TI-Paket des Unternehmens bestellt, wird bis spätestens 30. Juni 2019 angeschlossen. Die Verlängerung des Rabatts umfasst auch die Praxiskarte SMC-B. Arztpraxen benötigen die SMC-B spätestens zum Anschlusstermin, denn sie identifiziert und registriert die Praxis im Gesundheitsnetz.

Darüber hinaus können die Ärzte auch ihren elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) über die Telekom bestellen (eHBA). Ärzte unterschreiben damit digital rechtssicher Doku­mente wie den elektronischen Arztbrief. Die Telekom erwartet, dass erste Standesver­eini­gungen den eHBA während der Messe zulassen.

Konnektor für Ambulanzen

Inzwischen zeigen auch Ambulanzen Interesse an dem TI-Bundle der Telekom. Das Unter­nehmen ist Hersteller von dem Krankenhausinformationssystem (KIS) iMedOne. Mit dem KIS können Ärzte über iPad am Patientenbett mobil auf Gesundheitsdaten zugreifen. Die gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte hatte das KIS bereits 2017 für den Anschluss an das sichere Gesundheitsnetz zugelassen.

Auf der Medizinmesse stellt die Telekom zudem ihre Telemedizinplattform TH-Med vor. „Wir sehen uns als Vernetzer im Gesundheitsmarkt“, betonte Düsener. Mit dem offenen und überregionalen Telematik-Netzwerk könne die medizinische Versorgung in ländli­chen Gegenden verbessert werden. Geplant sei, TH-Med an die TI anzuschließen. Eine Zulassung durch die gematik stehe unmittelbar bevor, kündigte der Telekom-Experte an. TH-Med zähle damit zu den ersten freiwilligen Angeboten der Industrie für das bundes­weite Gesundheitsnetz.

Auf der DMEA demonstriert das Unternehmen auch eine Lösung für das elektronische Rezept. Dabei wird das E-Rezept über eine Patienten-App vom Arzt zur Apotheke oder zum Sanitätshaus übermittelt. Wichtig seien internationale Standards bei den Schnitt­stellen der verschiedenen beteiligten Systeme, erläuterte Düsener. Ziel sei ein E-Rezept, das über Ländergrenzen hinweg funktioniere. © KBr/aerzteblatt.de

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Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Dienstag, 9. April 2019, 23:32

Telematik-Desaster

Wenn Kassen, Politik und Gematik, die Nutznießer des Systems solchen Druck aufbauen, sollte dem intelligenten Arzt aufgehen, dass da etwas faul ist.
Tatsächlich ist die Telematik das Tor zu unseren Praxisdaten. Welcher Arzt hat wann und wie oft und lange Patienten behandelt? Wie lange war ein Urlaub? Wie effektiv ist seine Arbeitsleistung? Wie sein Verschteibungsverhalten?
All diese Fragen sind für die Nutznießer zu beantworten.
Es sind nicht "ein Drittel" der Ärzte, due das System ablehnen, es sind in manchen Regionen wie Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz bis zu 80 %
Regionen, in dem viele Ärzte Medi-Mitglieder sind. Medi, die Ärzte Vereinigung, wird gegen die TI klagen. Und viele machen gegen die Staatsmedizin Front.
Übrigens auch die Alternative für Deutschland steht gegen die TI.
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Dienstag, 9. April 2019, 23:31

Telematik-Desaster

Wenn Kassen, Politik und Gematik, die Nutznießer des Systems solchen Druck aufbauen, sollte dem intelligenten Arzt aufgehen, dass da etwas faul ist.
Tatsächlich ist die Telematik das Tor zu unseren Praxisdaten. Welcher Arzt hat wann und wie oft und lange Patienten behandelt? Wie lange war ein Urlaub? Wie effektiv ist seine Arbeitsleistung? Wie sein Verschteibungsverhalten?
All diese Fragen sind für die Nutznießer zu beantworten.
Es sind nicht "ein Drittel" der Ärzte, due das System ablehnen, es sind in manchen Regionen wie Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz bis zu 80 %
Regionen, in dem viele Ärzte Medi-Mitglieder sind. Medi, die Ärzte Vereinigung, wird gegen die TI klagen. Und viele machen gegen die Staatsmedizin Front.
Übrigens auch die Alternative für Deutschland steht gegen die TI.
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 9. April 2019, 17:03

Ärzteschaft ist wohl klüger als von der Industrie erhofft - gut so!

Trotz des Bohei, bestehend aus Fristverlängerungen, Last-minute-Angeboten, Drohschreiben der Industrie, Animationsschreiben der KVen, Lockangeboten von Konnektorlieferanten und sogar einer 1%-Strafandrohung auf den KV-Umsatz, haben sich viele Ärzte nicht überreden lassen. Genau wie man bei Haustürgeschäften mit äußerster Vorsicht prüfen sollte, wie seriös das Angebot, sollte man auch alle Angebote rund um die TI prüfen. Denn über die verborgenen Kosten, u. a. Ersatzbeschaffungen, langfristige Wartungs- und Serviceverträge, Mehraufwand in den Praxen, möglicher Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung, schweigen sich die Marktschreier der TI aus.

Dabei reicht schon ein einziges Argument aus, sich heute GEGEN die TI (in der angepriesenen Form) zu entscheiden. Denn wieso sollte sich ein Arzt eine sehr teure (viele sagen: völlig überteuerte) Infrastruktur zulegen, die ein ganzes Arsenal an Schwachstellen hat, wenn die Patienten nach dem Willen des Ministers mit der Smartphonetechnologie auf die von Ärzten gespeicherten Daten zugreifen können sollen.

Warum mit zweierlei Maß messen? Entweder wird die App ausreichend sicher, dann sollte sie auch der Arzt nutzen können. Oder die App wird nicht sicher sein - dann sollte der Arzt keinesfalls hochsensible Daten in ein System einspeisen, das datenschutztechnisch eine Katastrophe ist.

Und warum mehrere tausend Euro (plus langlaufende Wartungsverträge mit Kosten von mehreren tausend Euro) ausgeben, wenn er den Zugang genausogut "mit einer App" haben kann?

Arzt könnte sich auch mit der Frage befassen "Was bringt mir die TI? Habe ich davon unterm Strich einen Nettonutzengewinn?". Derzeit lautet die Antwort: Der Arzt hat davon keinerlei Vorteile. Nicht einen!

Sollte ein Arzt für sich mehr Vor- als Nachteile erkennen, wird er sich anschließen. Doch von dem Zeitpunkt sind wir in Sachen TI noch viele Jahre entfernt.
LNS

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