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Medizin

In-situ Vakzination: Neue Immuntherapie wirkt bei indolenten Lymphomen

Mittwoch, 10. April 2019

Dendritic cell, antigen-presenting immune cell, 3D illustration  / Kateryna_Kon stock.adobe.com
Dendritische Zellen präsentieren T-Lym­pho­zyten Antigen­e und in­iti­ie­ren die Im­munantwort. / Kateryna_Kon stock.adobe.com

New York – US-Forscher haben eine neue Variante der Krebs-Immuntherapie entwickelt, die in einer ersten klinischen Studie in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0410-x) bei indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen eine Wirkung zeigte. Weitere klinische Studien wurden bereits veranlasst.

Die Krebs-Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren erzielt nur bei einer begrenzten Zahl von Patienten eine Wirkung. Bei vielen Tumoren fehlen die Neoantigene, an denen die T-Zellen, die für die Krebsabwehr zuständig sind, die Krebszellen identifizieren können. Ein Team um Joshua Brody von der Icahn School of Medicine in New York möchte dies durch ein neues Behandlungskonzept ändern, das es als In-situ Vakzination bezeichnet.

Der Grundgedanke der Therapie besteht darin, dass die T-Zellen im Tumor auf die Krebszellen aufmerksam gemacht werden. Diese Aufgabe sollen die dendritischen Zellen (DC) übernehmen. Die dendritischen Zellen sind der Vorposten des Immunsystems. Sie nehmen mit ihren langen Armen (Dendriten) Antigene auf und präsentieren sie den T-Zellen, die dadurch auf ein neues Ziel aufmerksam gemacht werden.

Der zweite Teil der Therapie besteht in einer lokalen Bestrahlung des Tumors. Durch die Strahlung werden einzelne Tumorzellen zerstört, was zur Exposition von Neoantigenen führt, die dann von den dendritischen Zellen aufgenommen und den T-Zellen als Ziel präsentiert werden. Die dritte Komponente der Behandlung ist ein Adjuvans, das die Wirkung der In-situ Vakzination verbessern soll. 

Zwei Vollremissionen durch In-situ Vakzination

Nach dem erfolgreichen Abschluss der präklinischen Studien wurden 11 Patienten behandelt, die an indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen litten. Diese Lymphome wachsen sehr langsam, sprechen am Ende jedoch auf keine Therapie an, so dass sie meist tödliche verlaufen. Alle 11 Patienten befanden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Wie Brody berichtet, kam es unter der neuen In-situ Vakzination bei 9 der 11 Patienten zu einer Verkleinerung des Tumors. Darunter waren 2 Vollremissionen.

Bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom sind in der Regel viele Lymphknoten befallen, von denen in der Studie immer nur einer behandelt wurde. Interessanterweise zeigte diese lokale Therapie des Lymphoms bei 7 der 11 Patienten eine Fernwirkung. Laut Brody haben sich bei einem der beiden Patienten mit einer Vollremission die Tumoren auch in allen nicht-behandelten Lymphknoten vollständig zurückgebildet.

Die guten Ergebnisse haben die Forscher motiviert, die In-situ Vakzination bei weiteren Lymphom-Patienten sowie bei Patienten mit Brustkrebs und Kopf-Hals-Tumoren einzusetzen und hier mit Checkpoint-Inhibitoren zu kombinieren. Die Studie wurde im März begonnen. Ergebnisse liegen noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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