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Medizin

EEG: Mütterlicher Stress toxisch für die Hirnentwicklung des Säuglings

Dienstag, 9. April 2019

/dpa

Boston – Erhöhter Stress von jungen Müttern kann Spuren im Gehirn der Säuglinge hinterlassen, die in einer Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.0492) im Elektroenzephalogramm (EEG) erkennbar waren. Ein hoher Bildungsstand der Mutter erwies sich hingegen als Schutzfaktor.

Nicht alle Kinder wachsen in einer behüteten Umgebung auf. Vor allem in innerstädtischen Zonen gibt es (nicht nur in den USA) häufig Probleme. Viele junge Mütter sind dort von Arbeitslosigkeit, finanziellen Schwierigkeiten, Wohnunsicherheit, Gewaltanwendung, Krankheit, Tod und Partnerproblemen betroffen. Der damit verbundene Lebensstress wirkt sich auch auf die Säuglinge aus. Epidemiologische Studien zeigen, dass einige Kinder später unter Lernstörungen leiden und verhaltensauffällig sind. Bei anderen Kindern kommt es dagegen zu keinen Entwicklungsstörungen.

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Eine Möglichkeit, die frühe Hirnentwicklung zu beobachten, ist ein EGG. Bei Säuglingen sind die Signale noch relativ schwach, da die Verbindungen zwischen den einzelnen Nerven im ersten Lebensjahr erst noch geknüpft werden müssen. Die Gesamtaktivität („Power“) ist deshalb ein Marker für den Entwicklungsstand des Gehirns. Die „Power“ war in einer Studie, die ein Team um Charles Nelson vom Boston Children’s Hospital an 2 Innenstadtregionen durchführen ließ, im Alter von 2 Monaten vermindert, wenn die Mütter vermehrt Stress ausgesetzt waren.

EEG-Aktivität des Säuglings sinkt mit zunehmenden Stress der Mutter

An der Studien nahmen 113 Säuglinge teil, deren Mütter meist aus ärmeren Stadtteilen von Boston und Los Angeles kamen. Die Mütter füllten 2 Fragebögen aus, einen zu ihrer Lebenssituation und einen zum gefühlten Lebensstress. Die Antworten wurden dann mit den Ergebnissen einer EEG-Untersuchung in Beziehung gesetzt. Die Untersuchungen fanden in einem dunklen Raum statt. Die 128 Elektroden wurden auf dem Kopf des Säuglings befestigt, während dieser durch den Blick auf einen Computerbildschirm abgelenkt wurde. Bei 70 Säuglingen konnte ein verwertbares EEG abgeleitet werden.

Die Analysen ergaben, dass die „Power“ der EEG-Signale umso geringer war, je stärker die Mütter ihren persönlichen Stress eingeschätzt hatten. Eine Korrelation mit der objektiven Misere bestand dagegen nicht.  

Bildungsstand der Mutter schützt vor verminderter Gamma-Frequenzaktivität 

Besonders deutlich waren die Unterschiede in den hochfrequenten Gamma-Wellen, die laut Nelson ein besonders guter Marker für die Hirnentwicklung sind. Ein erhöhter mütterlicher Stress war mit einer deutlich verminderten Gamma-Frequenzaktivität verbunden.

Ein hoher Bildungsstand der Mütter scheint die Kinder vor den Folgen des Stresses zu schützen: Säuglinge, deren Mütter unter Stress standen, die aber die Highschool absolviert hatten oder ein College besucht hatten, zeigten eine Gamma-Aktivität, die sich nicht von der von Säuglingen unterschied, deren Mütter keinen vermehrten Stress angegeben hatten.

Auf welche Weise sich der Stress der Mütter auf die Hirnentwicklung der Säuglinge auswirkt, konnte die Studie nicht klären. Denkbar ist, dass sich Mütter in emotionalen Stresssituationen ihren Kindern weniger zuwenden oder ihnen sogar Leid zufügen, was Mütter mit einem bestimmten Bildungsniveau vermeiden.

Die Forscher wollen die Studie fortsetzen. Geplant sind weitere Untersuchungen der Kinder im Alter von 9, 12 und 24 Monaten. © rme/aerzteblatt.de

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