NewsMedizinSchädel-Hirn-Trauma: Therapie mit Tieren verbessert das Sozialverhalten der Patienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schädel-Hirn-Trauma: Therapie mit Tieren verbessert das Sozialverhalten der Patienten

Donnerstag, 11. April 2019

/elena_hramowa, stockadobecom

Basel – Eine tiergestützte Therapie hat sich in einer randomisierten Studie positiv auf das Sozialverhalten von Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma ausgewirkt, wie die in Scientific Reports (2019; doi: 10.1038/s41598-019-42280-0) publizierten Ergebnisse zeigen.

In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 260.000 Kopfverletzungen. Zu den Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas gehören häufig Störungen im Sozialverhalten: Viele Patienten meiden Unterhaltungen, zeigen eine verminderte emotionale Empathie und haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu äußern.

Eine tiergestützte Therapie ist ein relativ neuer Ansatz in der Rehabehandlung. Das Ziel ist die Verbesserung der psychosozialen Fähigkeiten und der sozioemotionalen Funktionen der Patienten, denen die Kommunikation mit Tieren häufig leichter fällt als mit Menschen.

Psychologen und Rehamediziner der Universität Basel haben die tiergestützte Therapie an der dortigen Klinik für Neurorehabilitation und Paraplegiologie in einer kontrollierten Studie untersucht.

Insgesamt 19 erwachsene Patienten mit unterschiedlichen motorischen und kognitiven Einschränkungen (Functional Independence Measure FIM 31 bis 116 von maximal/besten 126 Punkten; kognitiver FIM 8 bis 30 von maximal/besten 35 Punkten) wurden über 6 Wochen insgesamt 24 Therapiesitzungen angeboten. Vor der jeweiligen Sitzung entschied das Los, ob ein Tier einbezogen wird oder nicht.

Eine tiergestützte Therapie konnte so beispielsweise darin bestehen, dass die Patienten Gemüse schnitten und es an ein Meerschweinchen verfütterten. In der Kontrolltherapie wurde das geschnittene Gemüse stattdessen für die Zubereitung eines Salats verwendet. In einer anderen Sitzung wurden die Patienten gebeten, einen Parcours aufzubauen und ihn danach mit einem Minischwein (oder mit dem Therapeuten) zu  durchlaufen. Oder Patienten wurden gebeten einen Kaninchenkäfig in Anwesenheit des Tieres zu säubern oder Möbel zu reinigen und so weiter.

Alle Sitzungen wurden per Video aufgezeichnet und dann von den Psychologen bewertet. Primärer Endpunkt war die Zeitdauer, in der die Patienten mit dem Tier oder dem Therapeuten kommunizierten.

Wie Karin Hediger, Universität Basel, und Mitarbeiter berichten, kommunizierten die Patienten deutlich länger mit den Tieren als mit den Menschen. Der Unterschied war vor allem auf eine aktive vom Patienten ausgehende Kommunikation zurückzuführen, die eines der Ziele der Therapie ist. Die Tiere veranlassten die Patient auch häufiger zu einer nonverbalen Kommunikation und zu Berührungen. Am Ende der Therapiesitzungen gaben sie im mehrdimensionalen Befindlichkeitsfragebogen (MDBF) eine Verbesserung der positiven Gefühle an.

Tiere können nach Einschätzung von Hediger zu relevanten Therapiepartnern für Patienten werden, die diese dazu motivieren, sich um sie zu kümmern. Zugleich würden die Tiere die Patienten dazu anregen, sich aktiv an therapeutischen Aktivitäten zu beteiligen. Die Psychologin hält die tiergestützte Therapie deshalb für eine erfolgversprechende Ergänzung der Neurorehabilitation von Schädel-Hirn-Patienten. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. März 2020
Bonn – Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung fordert Verbesserungen in der Nachsorge von Patienten mit einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT). „Nach einem Schädel-Hirn-Trauma ist meistens nichts mehr wie früher.
Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma benötigen lebenslange Unterstützung
13. Januar 2020
San Francisco – Die Zahl der Verletzungen und Krankenhauseinweisungen nach Unfällen mit E-Scootern habe dramatisch zugenommen. Das berichten US-Mediziner im Fachblatt Jama Surgery. Besonders
Unfälle mit E-Scootern führen oft zu Kopfverletzungen
13. Dezember 2019
Vancouver – Obdachlose haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein deutlich höheres Risiko für traumatische Kopf-Hirn-Verletzungen. Das berichten Wissenschaftler um Jacob Stubbs vom British
Schädel-Hirn-Trauma bei Obdachlosen häufig
15. Oktober 2019
London – Der frühe Einsatz des Antifibrinolytikums Tranexamsäure, das Hirnblutungen begrenzen soll, hat in einer weltweiten randomisierten Studie bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma die
Hirnverletzungen: Tranexamsäure senkt Sterberisiko
2. August 2019
Dresden – Die Kliniken für Kinderchirurgie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Abteilung für Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Dresden untersuchen
Nachsorgeprogramm für Kinder mit Schädel-Hirn-Trauma in Dresden
30. Juli 2019
Perth – Die routinemäßige Implantation eines Vena-Cava-Filters bei schwerstverletzten Erwachsenen, bei denen zunächst keine medikamentöse Thromboseprophylaxe möglich war, hat in einer randomisierten
Traumatologie: Kann ein Vena-Cava-Filter Lungenembolien verhindern?
28. Juni 2019
New York – Mithilfe des maschinellen Lernens lassen sich im EEG von einigen hirnverletzten Patienten, die nicht sichtbar auf eine Ansprache reagieren, Zeichen eines „verdeckten“ Bewusstseins
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER