NewsPolitikLauterbach fordert neues Gremium für künftige Testverfahren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Lauterbach fordert neues Gremium für künftige Testverfahren

Mittwoch, 10. April 2019

Karl Lauterbach (SPD) /dpa

Berlin – Vor der morgigen Debatte um die nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach klar Stellung bezogen. „Aus ärztlicher Sicht bin ich für eine Erstattung des NIPT-Tests. Es ist mir wichtig, dass klar ist, dass wir keinen neuen Test einführen, sondern nur ein neues Verfahren eingeführt wird“, betonte Lauter­bach in einem Gespräch vor Journalisten in Berlin.

Er sprach sich auch deutlich dafür aus, dass die geplanten Tests nur für medizinisch de­fi­nierte Risikoschwangerschaften erstattet werden sollen. Die in der Diskussion oft geäu­ßerte Befürchtung, dass nun alle Schwangeren mit dem Bluttest einer Art Screening unterzogen würden, widersprach er vehement. „Der Bluttest ist einfacher und billiger und risikoärmer als die bisherigen Verfahren zum Test bei Verdacht auf Trisomie 21.“

Anzeige

Generell sieht Lauterbach noch viel Aufklärungsbedarf bei der NIPT-Debatte, auch in seiner eigenen Fraktion, die am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung mit mehreren Experten eingeladen hatte. In der morgigen Debatte werden aus der SPD-Fraktion jeweils vier Redner für und vier Redner gegen den Test sprechen. „Die Stimmungslage im Parlament aber auch in der Fraktion ist mir unklar, es sind auch viele noch nicht entschieden“, so Lauterbach. Er erwartet, dass es mit der Debatte „einen erheblichen Fortschritt und ein gemeinsames Lernerlebnis“ zur Thematik gebe.

Er warb dafür, dass das Informationsrecht für die werdenden Eltern und die Mütter auf­recht erhalten wird. Laut Daten aus der Schweiz, wo ein NIPT-Test als Kassenleistung an­ge­boten wird, nehmen die Abtreibungen nach positiven Trisomie-21-Tests nicht zu. „Es muss eine gezielte Entscheidung für die Eltern geben. Sie müssen sich darauf vorbereiten können, dann kann es beispielsweise auch bei der Geburt in einem Zentrum eine besse­ren Versorgung geben“, so Lauterbach. Er forderte auch bessere Beratungen von Eltern. „Die Aufklärung über die Tests fällt nicht jedem Pädiater oder Gynäkologen leicht“, so Lauterbach. Auch hier müsse es bessere Strukturen geben.

Durch den rasanten Fortschritt in der Medizin komme es in den nächsten Jahren zu weite­ren Tests auf Autismus, Veranlagung zu Erbkrankheiten oder anderen DNA-Tests mit Ge­nom­spezifizierungen, erklärte Lauterbauch. Daher fordert er nun im Zuge der NIPT-De­batte ein neues Gremium, dass sich mit den gesellschafts- und sozialpolitischen sowie den ethischen Dimensionen der künftigen Tests auseinandersetzt.

„Das künftige Gremium soll uns Politiker dabei beraten und mehrdimensional diskutie­ren“, erklärte Lauterbach seinen Vorschlag. Da der Gemeinsame Bundes­aus­schuss neue Testverfahren nach medizinischen und ökonomischen Gesichtspunkten bewerte, könne das Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung keine ethischen und gesellschaftspoli­tischen Entscheidungen treffen. „Daher brauchen wir dieses Gremium mit Experten, die Bewertungen der neuen Tests erstellen.“ © bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2020
Genf – Mehrere US-Bundesstaaten nutzen die Pandemie nach Angaben von UN-Experten als Vorwand, um Frauen den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu verwehren. Dabei handele es sich um Alabama,
US-Bundesstaaten verhindern Schwangerschaftsabbrüche
19. Mai 2020
Berlin – Gravierende wissenschaftlich-fachliche und inhaltliche Mängel bescheinigt der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Pränataldiagnostiker kritisieren Versicherteninformation zum NIPT-Bluttest
14. Mai 2020
Berlin – Die Impfung von Frauen in der Schwangerschaft gegen Pertussis ist künftig Regelleistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) entschieden.
Pertussis-Impfung wird Regelleistung in der Schwangerschaft
13. Mai 2020
Berlin – Die Beratungspflicht nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz und dem Paragrafen 218a Strafgesetzbuch bleibt auch während der Coronapandemie in Kraft. Der Familienausschuss des Bundestags
Beratungspflicht bei Schwangerschaftsabbruch bleibt
29. April 2020
Berlin – Vor dem Hintergrund des Coronavirus SARS-CoV-2 stellen sich Schwangeren und Stillenden aber auch Fachkräften vermehrt Fragen zum Mutterschutz, Arbeitsschutz und zur Gesundheit junger und
SARS-CoV-2: Arbeitskreis beantwortet Fragen zum Mutterschutz
28. April 2020
Nordwalde − Die Christdemokraten für das Leben (CDL) kritisieren scharf einen Vorstoß der Linken zu mehr Flexibilität bei der Schwangerenkonfliktberatung. „Der Antrag der Fraktion Die Linke, die
Kritik an Linken-Antrag zur Schwangerenkonfliktberatung
27. April 2020
München/Berlin – Deutscher Hebammenverband und Deutscher Ärztinnenbund haben erneut örtliche Kreißsaalverbote für werdende Väter zur Bekämpfung der Coronaepidemie vehement kritisiert. „Eine Geburt ist
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER