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Politik

Demonstration gegen nichtinvasive molekulargenetische Tests

Mittwoch, 10. April 2019

/dpa

Berlin – Morgen wollen die Abgeordneten im Bundestag in einer Orientierungsdebatte über nichtinvasive molekulargenetische Tests (NIPT) zur Bestimmung des Risikos auto­somaler Trisomien 13, 18 und 21 beraten. Gegner des Bluttests demonstrierten heute vor dem Bundestag gegen eine mögliche Kostenübernahme durch die gesetzliche Kranken­versicherung (GKV).

„Menschen mit Behinderung dürfen nicht von vornherein ausgegrenzt und selektiert wer­den“, sagte die Vize-Vorsitzende der Berliner Lebenshilfe, Ivonne Kanter. Die Solidarge­meinschaft dürfe den Bluttest nicht bezahlen, da er medizinisch nicht sinnvoll sei.

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Das wird vielfach aber auch anders bewertet. Das Institut für Qualität im Gesundheits­wesen (IQWiG) kam in seinem Abschlussbericht für den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) zu dem Ergebnis, dass die Tests Trisomie 21 zuverlässig bestimmen können. Die Zuverlässigkeit der Tests auf Trisomie 13 und 18 ließen sich allerdings nicht robust schätzen, hieß es.

„Angesichts der Risiken invasiver Untersuchungen sowie der belegten hohen Testgüte der geprüften NIPT-Verfahren sieht der G-BA im Ergebnis der Studienauswertungen eine An­er­kennung der NIPT als im Einzelfall mögliche Leistung im Rahmen der Schwangeren­betreuung als medizinisch begründet an“, sagte G-BA-Chef Josef Hecken kürzlich zur Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens.

Es geht nicht um eine Reihenuntersuchung

Er betonte dabei, dass es ausdrücklich „um die Anwendung des Tests bei Schwanger­schaf­ten mit besonderen Risiken“ gehe. Damit sollen die aktuell verfügbaren Testver­fah­ren – das seien Eingriffe, die mit großen Risiken für das ungeborene Kind verbunden seien – so weit wie möglich ersetzt werden.

„Es geht nicht etwa um eine Reihenuntersuchung aller Schwangeren“, erklärte Hecken weiter. Das war in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder falsch dargestellt worden. „Daher nutze ich inzwischen auch den Begriff ,Massenscrening', das hier aber ausdrücklich nicht angewendet werden soll“, sagte er im Plenum.

Test bietet weniger Gefahren

Auch die Bundes­ärzte­kammer hatte sich gestern für die Tests als GKV-Leistung ausge­spro­chen. Sie forderte den Bundestag auf, die Voraussetzun­gen und Grenzen der nichtin­vasiven Pränataldiagnostik (NIPD) klar zu definieren. Aus Sicht der BÄK sollten alle Ver­sicherten gleichberechtigt den Zugang zu der risiko­ärmeren Methoden der Diagnostik erhalten. Zugleich forderte sie ein „klares Bekennt­nis zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung und deren Familien“.

Seit der Entwicklung der NIPD lässt sich das Risiko einer autosomalen Trisomie (derzeit Trisomie 13, 18 und 21) durch die Analyse zellfreien fetalen Erbguts im Blut der Schwan­geren bestimmen. Die NIPD könne – sofern sie zu einer Reduktion der durch die invasive Pränataldiagnostik bedingten Risiken, insbesondere Fehlgeburten, beitrage – eine sinn­volle Ergänzung der vorgeburtlichen Risikoabklärung darstellen, so die BÄK gestern.

Unter dem Motto „Inklusion statt Selektion“ startete die Demonstration vor dem Gesund­heitsministerium und endete mit einer Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Polizeiangaben zufolge beteiligten sich 120 Demonstranten an der Veranstaltung des Vereins „downsyndromberlin“.

Der ehemalige Abgeordnete der Linken, Ilja Seifert, bezeichnete den Test als „bloße Aus­sonderung von Leben“. „Es gibt keine Norm für Menschen“, betonte Seifert. Arthur Ha­cken­thal, der mit dem Down-Syndrom lebt, sprach sich gegen den Bluttest als Kassen­leistung aus. „Wenn der Bundestag dazu ja sagt, dann fühle ich mich diskriminiert!“ Der Test führe dazu, dass Ungeborene mit dem Down-Syndrom in der Folge abgetrieben würden.

Natalie Dedreux, ebenfalls eine Aktivistin mit Down-Syndrom, rief die Gesellschaft dazu auf, „keine Angst vor Menschen mit Behinderung“ zu haben und forderte mehr Inklusion in Deutschland. Sie wolle sich mit einer entsprechenden Petition an den Bundestag wen­den, die bereits über 10.000 Menschen unterzeichnet hätten. © kna/may/aerzteblatt.de

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