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Medizin

Spezielle kognitive Therapie hilft Jugendlichen, Misshandlungen in der Kindheit zu verarbeiten

Donnerstag, 11. April 2019

/fizkes, stockadobecom

Eichstätt – Posttraumatische Belastungsstörungen, die durch das Erleben physischer oder sexualisierter Gewalt ausgelöst wurden, können durch eine kognitive Verhaltenstherapie, die an den Entwicklungsstand von Jugendlichen angepasst ist, effektiv behandelt werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.4349).

Die Folgen von physischer oder sexualisierter Gewalt von Kindern sind tiefgreifend. Viele Patienten leiden unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die unbehandelt weitere mentale Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände nach sich ziehen. Psychologen raten zu einer frühzeitigen Therapie, doch bisher war unklar, ob die für Erwachsene mit PTBS entwickelte kognitive Verhaltenstherapie bei Jugendlichen erfolgreich angewendet werden kann.

Ein Team von deutschen Psychotherapeuten hat ein (ursprünglich auf erwachsene Vergewaltigungsopfer zugeschnittenes) Behandlungsmodul für Jugendliche und junge Erwachsene modifiziert. Die Behandlung beginnt mit einer Commitmentphase mit Aushandlung eines Therapievertrags, die die Jugendlichen für die Psychotherapie motivieren soll. Auf ein Emotionsregulationstraining folgt eine intensive Therapiephase zur Traumabearbeitung, in der sich die Therapeuten mehrmals die Woche mit den Patienten treffen, um die „Stuck points“ anzugehen. Das sind die durch das Trauma ausgelösten Gedanken, die einer Erholung im Wege stehen. Anschließend werden Entwicklungsaufgaben definiert. Sie sollen unter anderem verhindern, dass die Jugendlichen Schule und Ausbildung schmeißen oder an fragwürdige Partner geraten, die sie erneut bedrängen.

Nach einer erfolgreich verlaufenden Pilotstudie wurde die entwicklungsangepasste kognitive Verhaltenstherapie, kurz E-KVT, in einer multizentrischen Studie mit einer konventionellen Therapie verglichen.

An der Studie nahmen 88 Patienten im mittleren Alter von 18,1 Jahren teil, von denen 44 sofort eine E-KVT angeboten wurden, während die anderen 44 Patienten zunächst gebeten wurde, sich an andere Therapieeinrichtungen zu wenden (die E-KVT nicht anbieten). Primärer Endpunkt war das CAPS-CA-Scale („Clinician-Administered PTSD Scale für Children and Adolescents“), der den Schweregrad mit 0 bis 136 bewertet.

Wie Rita Rosner von der Katholischen Universität Ingolstadt und Mitarbeiter jetzt berichten, gelang es mit der E-KVT den CAPS-CA-Score von im Mittel 65,6 auf 24,7 zu verbessern, während in der Vergleichsgruppe nur ein Rückgang von 65,5 auf 47,5 erreicht wurde. Dieser Unterschied blieb auch 3 Monate nach dem Ende der Therapie noch erhalten (CAPS-CA-Score 25,9 versus 47,3), sodass die Aussicht auf eine langfristige Wirkung besteht, was sich jedoch, wie Rosner eingesteht, nach 3 Monaten noch nicht abschließend beurteilen lässt.

Den größten Anteil am Erfolg der Therapie hatte laut Rosner die intensive Therapiephase zur Traumabearbeitung, nach der sich die Symptome der Patienten deutlich verbesserten. Auch in allen sekundären Endpunkten wie PTBS-Schweregrad, Depression, Borderline-Symptome, Verhaltensprobleme und Dissoziation, erzielte die E-KVT bessere Ergebnisse als die Standardversorgung.

© rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #720508
e.ne
am Freitag, 12. April 2019, 12:30

Ohne Aufmerksamkeit Aller, Juristen Gerichte / Amt und Behörden hat das wenig Sinn

Theoretisch können 10-jährige ins Gericht gehen. Praktisch auf keinen Fall.
Kann ich mir nicht denken - ohne dass sich alles gegen das Kind wenden würde. - Dasselbe betrifft die Frau. - So lange alle nur auf viel Geld -
massive Gewalteinwirkung, Körperverletzung, fliessendes Blut, gebrochene Knochen reagieren - bleibt praktisch alles was zu einem geordneten, richtigen, sicheren Leben dazu gehört auf der Strecke.
Und nicht nur online reagieren alle am Liebsten auf Destruktion, Hass,
Beleidigung, Verleumdungen, Mobbing usw. - auf Dreck "Sch..." wie kleine Kinder und beseitigen keineswegs wie Erwachsene den Dreck der Welt.
Selber "auf der richtigen Seite zu stehen" reichen auch Med. Jur Amt Behörden. Lieber nicht auffallen. Lieber gar nicht erst mit der Arbeit anfangen. Und das ist armselig! Feige! Faul! Frech und kriminell.
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