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Medizin

Stresserlebnisse ziehen Herz-Kreislauf-Er­krankungen nach sich

Donnerstag, 11. April 2019

/psdesign1, stock.adobe.com

Stockholm – Ein einmaliges Stressereignis kann Herz und Kreislauf schädigen. Dies zeigen die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie aus Schweden im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1255). Dort kam heraus, dass Menschen, die wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder anderer Stresserkrankungen in medizinischer Behandlung waren, im folgenden Jahr, aber auch danach häufiger wegen kardiovaskulärer Erkrankungen behandelt werden mussten.

Dass der Verlust eines geliebten Menschen, die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit, Naturkatastrophen oder Gewalt die Gesundheit angreifen können, zeigt exemplarisch das Takotsubo-Syndrom. Die Stress-Kardiomyopathie, bei der sich Teile des Herzmuskels so stark verkrampfen, dass die Pumpfunktion akut gefährdet wird, ist aber nur eine mögliche Schädigung, zu der es vermutlich durch die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen kommt.

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Frühere epidemiologische Studie haben gezeigt, dass Soldaten, die aufgrund von Kriegserlebnissen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Soldaten sind jedoch nicht die einzigen Menschen, die an einem PTBS erkranken, und das PTBS ist nicht die einzige psychische Erkrankung, die auf Stressereignisse zurückzuführen ist.

Huan Song vom Karolinska Institut in Stockholm ist den Folgen von Stress jetzt auf einer breiteren Ebene nachgegangen. Der Forscher ermittelte im nationalen schwedischen Patientenregister 136.637 Patienten, die in den Jahren 1973 bis 2013 wegen stress­bedingten Störungen in ambulanter oder stationärer medizinischer Behandlung waren. Dazu gehören neben dem PTSD (ICD-10: F43.1) auch akute Belastungsreaktionen (F43.0), Anpassungsstörungen (F43.2) sowie sonstige Reaktionen auf schwere Belastungen (F43.8) und Reaktionen auf schwere Belastungen, die nicht näher bezeichnet wurden (F43.9).

Song recherchierte, ob es in den Jahren nach der Diagnose dieser stressbedingten Erkrankungen häufiger zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kam. Als Vergleichsgruppe dienten zum einen 171.314 Geschwister der Betroffenen und zum anderen 1.366.370 nicht stress­erkrankte Personen aus der Allgemeinbevölkerung.

Beide Analysen ergaben, dass die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den stressexponierten Personen häufiger auftraten. Für das erste Jahr ermittelt Song eine Hazard Ratio von 1,64 (95-%-Konfidenzintervall 1,45-1,84) gegenüber den Geschwistern und von 1,71 (1,59-1,83) gegenüber der Allgemeinbevölkerung. In den Folgejahren sanken die Hazard Ratios auf 1,29 (1,24-1,34) beziehungsweise 1,36 (1,33-1,39).

Am deutlichsten war der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr (wo sie normalerweise selten sind) und die Assoziationen ließen sich nicht durch andere gleichzeitig bestehende psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen erklären, für die ein erhöhtes kardiovaskuläres Folgerisiko bekannt ist.

Der Stress führte häufiger zu ischämischen Herzerkrankungen, also etwa einem Herzinfarkt (Hazard Ratio 1,53; 1,18-2,00 im Vergleich zu Geschwistern im ersten Jahr), zu zerebro­vaskulären Erkrankungen, also einem Schlaganfall (Hazard Ratio 1,75; 1,26-2,42), zu Embolien und Thrombosen (Hazard Ratio 1,75; 1,09-2,80), zu hypertensiven Erkrankungen (Hazard Ratio 2,15; 1,61-2,86) und Arrhythmien (Hazard Ratio 1,36, 1,08-1,72). Eine Assoziation zum seltenen Takotsubo-Syndrom war dagegen nicht nachweisbar (Hazard Ratio 0,78; 0,28-2,18).

Die Zusammenhänge sind, obwohl nicht beweisend, insgesamt so robust, dass Ärzten nach Ansicht von Song dazu geraten werden sollte, stresserkrankte Patienten auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin zu beobachten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 11. April 2019, 18:57

Was lehrt dieser Artikel?

Indem bei Stress große Mengen Vitamin C zur Beseitigung der bei Stress entstehenden freien Radikalen eingesetzt wird, entsteht bei Stress Vitamin-C-Mangel. Vitamin-C-Mangel wirkt sich hemmend auf die Kollagenerneuerung aus. Dies führt zu einem Verslust der Festigkeit bei den Geweben, insbesondere bei den Gefäßen, deren Gewebe den dauernden Wechsel zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck zu ertragen haben. Schäden an den Geweben werden dann mit Cholesterin geflickt. Kurz: Stress verursacht Vitamin-C-Mangel, Vitamin-C-Mangel verursacht Arteriosklerose, so einfach ist das.
LNS

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