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Politik

Experten mahnen E-Health-Strategie an

Donnerstag, 11. April 2019

/maxsim, stockadobecom

Berlin – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist zu einem wichtigen Thema auf der politischen Agenda der großen Koalition geworden. Daran lässt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) keine Zweifel aufkommen, so zuletzt beim Besuch der Medizinmesse DMEA am Dienstag in dieser Woche. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen im Hinblick auf die zahlreichen E-Health-Aktivitäten seines Ministeriums.

 „Im vergangenen Jahr ist mehr passiert als in den 14 Jahren zuvor“, meinte etwa Peter Haas, Professor für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund bei einer Panel-Diskussion der Medizinmesse, auf der Vertreter von Ärzteschaft, Industrie, Wissenschaft und Politik ein Zwischenfazit zogen. „Was fehlt, ist jedoch eine Gesamtstrategie.“ Schnelle Entscheidungen bedeuteten eben keine schnelle Umsetzung. Es sei zwar viel passiert, doch einige Dinge hätten seiner Ansicht nach anders justiert werden müssen.

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Haas plädierte unter anderem für Fokusgruppen mit Patienten und mit Ärzten, damit Nutzen und Nutzbarkeit etwa einer elektronischen Patientenakte (ePA) für die Betroffenen  herausgearbeitet werden könnten.

Unterstützung erhielt er von Erik Bodendieck, dem  Präsidenten der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Die ePA sei konzipiert aus der Sicht von jungen Gesunden, nicht aus der Perspektive von kranken Menschen, die sie gerade besonders benötigten. Bodendieck gab zu bedenken, dass alle Beteiligten ins Boot geholt werden müssten. „Fristen und Regelungen werden nicht ausreichen“, mahnte er an.

Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical AG, setzte sich dafür ein, dass die Patienten ihre ePA frei wählen können sollten. Zudem sei es wichtig, dass weitere medizinische Anwendungen, wie der Not­fall­daten­satz, der elektronische Medikationsplan oder das elektronische Rezept, schnell in die Fläche gelangten. Derzeit sei hier viel Überzeugungs­arbeit bei den Ärzten zu leisten. „Neben der Technik muss vor allem auch in die Kommunikation investiert werden, zum Beispiel um Ärzte vom Nutzen dieser Neuerungen zu überzeugen“, sagte er. Darüber hinaus kritisierte er die derzeitige  „Gesetzgebung aus fragmentierten Einzelteilen“. Ein Zielbild, das aus Sicht der Industrie für die Planung sehr wichtig wäre, fehle.

Auch die Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Gesundheitspolitik und Mitglied des Gesundheitsausschusses von Bündnis 90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, äußerte sich ähnlich: „Die Aktion ist da, aber es ist unklar, wohin sie zielt. Was hilft die ePA, wenn die Aufklärung der Patienten zu ihrem Nutzen fehlt?“, gab sie zu bedenken.  Bisher seien die Maßnahmen fragmentarisch und sehr arztlastig. Der Wille, auch die Bevölkerung mitzunehmen, sei nicht erkennbar. Andere Leistungserbringer, wie etwa Physiotherapeuten oder Pflegekräfte, würden nicht berücksichtigt. „Gerade für längere, komplexere Behandlungen wäre das aber wichtig. Erst dann macht das Sinn“, meinte sie. „Es besteht eine große Lücke zwischen dem, was ist, und dem was wir noch brauchen“, so ihr Fazit.

Der Abgeordnete Tino Sorge aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verteidigte die bisherigen politischen Maßnahmen und die gesetzgeberische Dynamik. Die Gesetzgebung sei ein iterativer Prozess. „Wir können nicht abwarten, bis ein großes Gesetz fertig ist“, betonte er wie schon Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn am Vortag. Aufgabe der Politik sei es vor allem, im Prozess Standards zu entwickeln, Schnittstellen zu definieren und Evidenz zu generieren. „Wir müssen das System so offen halten, dass Innovationen wie künstliche Intelligenz möglich sind“, sagte er. Zugleich regt er eine gesellschaftliche Debatte dazu an, ob beispielsweise eine elektronische Krankschreibung ohne Arztbesuch gewollt ist. Auch das Thema Datensicherheit sei wichtig, „damit wir die Digitalisierung in der Medizin letztlich nicht erleiden, sondern gestalten“. © KBr/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 12. April 2019, 11:00

"Ein Zielbild, das aus Sicht der Industrie für die Planung sehr wichtig wäre, fehle."

Na super, gesetzliche Regelungen für etwas ganz diffuses, nebliges ... und das natürlich juristisch wetterfest ... Zauberkunst oder fauler Zauber?
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 11. April 2019, 21:02

Immerhin, einer mit Sachverstand durfte zu Wort kommen. Kommt nicht wieder vor, versprochen ;-)

Der Experte spricht sich dafür aus, Nutzen und Nutzbarkeit der ePA herauszuarbeitenn.

Punkt. Das war es auch schon.

Ach so, das haben Sie nicht verstanden. OK, dann erkläre ich es.

Wenn JETZT, also nach der Verabschiedung des Gesetzes mit der Pflicht für die Kassen bis 2021 eine ePa einzuführen, ein Experte fordert, dass man Nutzen und Nutzbarkeit herausarbeiten müsse, dann lautet die Schlussfolgerung: Wenn man JETZT diese Aufgaben abarbeiten sollte, dann hat man sie offenkundig vorher nicht abgearbeitet. Damit stellt sich die Frage, auf welcher Basis man ein Gesetz verabschiedet hat, mit dem die Kassen zur Einführung der ePA verpflichtet werden, obwohl keinerlei Indizien vorliegen, dass das eine sinnvolle Vorgabe ist.

Unverblümt formuliert: Wie blöd / arrogant / überheblich / …. muss man sein, ein Multimilliardenprojekt gesetzlich zu verankern, ohne dass man zuvor auch nur ansatzweise geprüft hat, ob das sinnvoll ist?

Entweder sind die Beteiligten bzw. Verantwortlichen korrumpierbar, unterbelichtet, selbstherrlich oder übergeschnappt. Das wären für mich Gründe, warum ein Gesetz auf die Schiene gesetzt worden ist, ohne dass sich daraus Nutzen für die Allgemeinheit ergibt. Nebenfrage: Wenn sich für die Allgemeinheit keine Nutzensteigerung ergibt, vielleicht gibt es ja eine spezielle Gruppe, für die sich eine Nutzensteigerung ergibt? Wenn dem so wäre, dann hätte jemand eine äußerst erfolgreiche Lobbyarbeit abgeliefert.

Sich selbst bereichern und alle anderen dafür zahlen lassen. Gute Strategie.
;-)
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