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Medizin

Straßenverkehr weltweit für Millionen von Asthmaerkrankungen bei Kindern verantwortlich

Donnerstag, 11. April 2019

/Dmitry Vereshchagin, stockadobecom

Washington – Die Emissionen von Stickstoffdioxid (NO2), die bis zu 80 Prozent im Straßenverkehr entstehen, sind jährlich für etwa vier Millionen Neuerkrankungen am Asthma bronchiale bei Kindern verantwortlich, was einem Anteil von 13 % an allen Asthmaerkrankungen bei Kindern entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in Lancet Planetary Health (2019; doi: 10.1016/S2542-5196(19)30046-4). 2 Drittel der durch NO2 verursachten pädiatrischen Asthmaerkrankungen entfallen auf Großstädte.

Asthmaerkrankungen bei Kindern sind seit den 1950er-Jahren immer häufiger geworden und der zunehmende Straßenverkehr gilt als eine der möglichen Ursachen. Welche Emissionen genau die Entzündungsreaktionen in den Atemwegen fördern, ist nicht bekannt. In den meisten epidemiologischen Studien wurde jedoch eine Assoziation zu den NO2-Emissionen gefunden. Die lag sicherlich auch daran, dass Daten zu NO2-Emissionen am ehesten verfügbar waren, weil NO2 zu den am häufigsten gemessenen Luftschadstoffen zählt.

Ein Team um Susan Anenberg von der Milken Institute School of Public Health in Washington hat die länderspezifischen und altersgruppenspezifischen Asthma-Inzidenzraten, die das Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle für das Jahr 2015 ermittelt hat, mit den NO2-Konzentrationen in 194 Ländern und 125 Großstädten in Beziehung gesetzt und dabei den Einfluss auf die Erkrankungen im Kindesalter berechnet. Die NO2-Daten standen mit einer Auflösung von 100 mal 100 Metern und die Bevöl­kerungs­daten mit einer Auflösung von 250 mal 250 Metern zur Verfügung, was recht genaue Kalkulationen ermöglichte.

Dennoch bleiben die Schätzungen recht ungenau. Das 95-%-Unsicherheitsintervall für die weltweit durch NO2-induzierten pädiatrischen Asthmaerkrankungen reicht von 1,8 bis 5,2 Millionen, sodass die genannten 4,0 Millionen nur ein grober Näherungswert sind. Zu berücksichtigen ist, dass aus Südasien und dem Afrika südlich der Sahara kaum verlässliche Daten zu NO2-Exposition vorliegen. Anenberg musste in ihren Berechnungen zahlreiche Extrapolationen vornehmen, die die Zuverlässigkeit der Ergebnisse vermindern. So ist es fraglich, ob Orlu im Süden Nigerias mit 420.000 Einwohnern tatsächlich die „sauberste“ der 125 untersuchten Städte ist. Der Anteil der verkehrsbedingten Asthmaerkrankungen liegt dort nur bei 6 %, während es in Shanghai 48 % sind. Von den 10 Städten mit dem höchsten Anteil an NO2-bedingten pädiatrischen Asthmaerkrankungen befinden sich 8 in China. Die anderen beiden sind Moskau und Seoul.

Die meisten durch den Straßenverkehr induzierten pädiatrischen Asthmaerkrankungen gibt es mit geschätzt 760.000 Fällen pro Jahr in China. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass China die zweitgrößte Population von Kindern und die dritthöchsten NO2-Konzen­trationen aufweist. Noch mehr Kinder gibt es in Indien. Dort kommt es jährlich NO2-bedingt zu 350.000 pädiatrischen Asthmaerkrankungen. Es folgen die USA (240.000), Indonesien (160.000) und Brasilien (140.000). Für Deutschland kommen die Autoren auf 23.000 verkehrsbedingte Asthmaerkrankungen bei Kindern (95-%-Unsicherheitsintervall: 10.000 bis 30.000).

Den höchsten Anteil an allen pädiatrischen Asthmaerkrankungen hat laut den Schätzungen von Anenberg Südkorea mit 31 %, gefolgt von Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (jeweils 30 %). In Deutschland sind es wie auch in den USA oder Großbritannien 19 %.

Weiteren Berechnungen zufolge treten 92 % aller verkehrsbedingten Asthmaerkrankungen in Regionen auf, in denen die NO2-Emission die Grenzwerte der Weltgesundheits­organisation von 21 ppb nicht überschreiten. Der Grenzwert sollte deshalb nach Ansicht von Anenberg überdacht werden. Am stärksten belastet sind die Städte. Auf sie entfallen laut Anenberg 64 % der durch NO2-induzierten Asthmaerkrankungen im Kindesalter.

© rme/aerzteblatt.de

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