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Politik

Klöckner will Modell zur Nährwert­kennzeichnung entwickeln lassen

Freitag, 12. April 2019

/Stocked House Studio, stock.adobe.com

Berlin – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will ein eigenes Modell zur vereinfachten Darstellung des Nährwertgehalts in Nahrungsmitteln entwickeln. Wie das Ministerium gestern mitteilte, beauftragte Klöckner das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (Max-Rubner-Institut) damit.

Die Ernährungsforscher sollen das neue System zusammen mit bestehenden Modellen in einer Verbraucher­befragung testen. Klöckner begründete den Vorstoß damit, dass die EU-Kommission bei der Erarbeitung einer europäischen Lösung nicht vorankomme. Sie bringe den Prozess deshalb nun auf nationaler Ebene voran.

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Die aktuelle Situation sei nicht befriedigend. Umfangreiche Nährwerttabellen könnten zwar detailliert Informationen für den Kenner liefern, aber im Verbraucheralltag sei das für viele zu kompliziert, verwirrend und nicht praktikabel, erklärte sie. „Kaum ein Konsu­ment studiert beim Einkauf ausführlich die Verpackungsrückseite. Dabei kann eine opti­sch klare und einfache Kennzeichnung auf der Vorderseite helfen.“

Die Lebensmittelindustrie und Verbraucherverbände streiten schon seit Jahren über die Einführung von Lebensmittelampeln. Erst gestern hatte der Industrieverband Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) ein eigenes Modell vorgestellt: Einfar­bi­ge Kreisdiagramme sollen die Mengen an Kalorien, Fett, Zucker und Salz eines Produkts im Verhältnis zur empfohlenen Tagesmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen darstellen.

Den Unternehmen ist wichtig, dass ihr Modell Lebensmittel nicht in gut und schlecht un­terteilt. „Eine subjektive Bewertung, beispielsweise durch die Verwendung von Ampel­far­ben, die den Verbrauchern eine Empfehlung suggerieren, lehnt der BLL angesichts unter­schiedlicher Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben ab“.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, dass die Industrielobby damit Ver­wirrung stiften wolle. Eine einfarbige Kennzeichnung habe laut einer Studie der franzö­sischen Regierung „praktisch keinen Einfluss auf das Einkaufsverhalten.“ Die Lösung für eine verbraucherfreundliche Nähwertkennzeichnung liege mit der Nutriscore-Ampel längst auf dem Tisch.

Der Nutriscore ist ein fünfstufiger Farbcode von Grün nach Rot, den etwa Frankreich, Bel­gien und Spanien unterstützen. Dabei werden verschiedene Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker und Fruchtgehalt mit Punkten bewertet und zu einem Score verrechnet. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo angekündigt, künftig den Nutriscore auf ihren Verpackungen abzubilden.

Laut Klöckner ist keines der Modelle gut. Das BLL-System sehe „wichtige Informationen optisch vereinfacht vor, aber die schnelle Orientierung und Bewertung ist dadurch noch nicht gegeben“. Umgekehrt liefere aber auch der Nutriscore verwirrende Ergebnisse: „Hier irritiert, dass ein Menü aus Pommes Frites, Schnitzel und einem Light-Softgetränk durch den dahinterstehenden Nutriscore-Algorithmus eine positive, grüne Bewertung (B) be­käme.“

Sie habe sich mit dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und dem BLL nun darauf geeinigt, die Verbraucher durch eine Befragung „mitentscheiden zu lassen, was ihnen im Alltag am meisten Orientierung geben könnte“. Klöckner ist bei jeder Form einer Lebensmittelampel auf die Mitwirkung der Industrie angewiesen, weil sie die Unter­neh­men nach derzeitigem EU-Recht nicht dazu verpflichten kann, diese auch auf ihre Pa­ckungen zu drucken. © afp/aerzteblatt.de

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