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Medizin

Chronisch-trauma­tische Enzephalopathie: PET zeigt Tau-Ablagerungen bei symptomatischen ehemaligen Footballprofis

Freitag, 12. April 2019

/dpa

Boston – Die häufigen Kopfkollisionen beim American Football können trotz Helm zu Hirnschäden führen, die sich mit einem Tracer in der Positronen-Emissionstomografie (PET) darstellen lassen. Dies zeigen Untersuchungen von ehemaligen Profispielern, die erste Symptome einer chronisch-traumatischen Enzephalopathie aufwiesen. Die Fallserie wurde im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1900757) publiziert. 

American Football ist in den USA ein Nationalsport und die Risiken der Kontaktsportart, bei der Spieler sich absichtlich zu Fall bringen, wurden lange ignoriert. Inzwischen gilt es als erwiesen, dass die wiederholten Kopfkollisionen zu einer neurodegenerativen Erkrankung führen können, die sich meist erst nach dem Ende der Karriere bemerkbar macht und wie der Morbus Alzheimer fortschreiten kann.

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Es gibt heute histologische Kriterien für die Diagnose einer chronisch-traumatischen Enzephalopathie (CTE), die auch bei Akteuren anderen Kontakt- und Kampfsportarten beobachtet wurde. Zentrales Kennzeichen sind Ablagerungen von Taufilamenten. Sie werden vor allem in der Umgebung von Blutgefäßen in den Tiefen der Hirnwindungen unterhalb der Hirnhäute und im Bereich der Hirnventrikel gefunden. Im Gegensatz zum Morbus Alzheimer treten Betaamyloid-Ablagerungen erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

Bisher konnte die Erkrankung erst postmortal durch eine Untersuchung des Gehirns sicher diagnostiziert werden, wenn auch frühzeitige mentale und kognitive Störungen im Zusammenhang mit der Sportanamnese eine Verdachtsdiagnose ermöglichen. 

Seit einigen Jahren ist es möglich, Tauproteine und Betaamyloide separat voneinander mit unterschiedlichen Tracern in der Positronen-Emissionstomographie bei lebenden Patienten sichtbar zu machen. Tauproteine werden mit Flortaucipir dargestellt, Betaamyloide werden mit Florbetapir markiert. 

Ein Team um Robert Stern von der Boston University School of Medicine hat jetzt 26 ehemalige Footballprofis im Alter von 40 bis 69 Jahren untersucht. Sie hatten den Sport im Durchschnitt 18 Jahre betrieben, davon 9 in der National Football League, der obersten Spielklasse. Die Footballprofis wurden ausgewählt, weil sie über kognitive und mentale Symptome geklagt hatten, die mit verschiedenen Tests objektiviert werden konnten.

Zum Vergleich wurden 31 Personen gleichen Alters untersucht, die keine Footballspieler waren, keine Hirnerschütterungen in der Vorgeschichte hatten und bei denen keine Hirnleistungsstörungen vorlagen.

Zwischen beiden Gruppen gab es klare Unterschiede bei der Darstellung von Tauproteinen. Die Exprofis hatten in der Flortaucipir-PET vermehrte Signale beidseits im oberen Frontallappen, im medialen Temporallappen und im linken Parietallappen. Im Florbetapir-PTE der Betaamyloide wurden dagegen keine Unterschiede gefunden. Nur ein Exprofi wies eine Amyloid-Beta-Ablagerung auf, die denen bei Alzheimerpatienten ähnlich war.

Diese selektive Ablagerung von Taufibrillen ist laut Stern ein klarer Hinweis auf eine CTE. Hinzu kommt, dass das Ausmaß der Ablagerungen mit der Anzahl der Spieljahre zunahm. Einen Zusammenhang zwischen den Tau-Ablagerung und den kognitiven und neuropsychiatrischen Testergebnissen gab es indes nicht. Ob sich der Flortaucipir-PET für die Frühdiagnose eignet, ist nach Einschätzung von Stern noch offen. Die Frage ließe sich nur durch die Untersuchung einer größeren Gruppe und eine Langzeitbeobachtung klären. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #80918
E-M.W
am Samstag, 13. April 2019, 18:23

siehe oben

Was soll der Quatsch mit dem ständigen neu-Einloggen, selbst am heimischen PC?
LNS

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