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Medizin

Zu niedriges Cholesterin könnte Risiko auf Hirnblutung erhöhen

Freitag, 12. April 2019

/Sherry Young, stockadobecom

Boston – Teilnehmerinnen der US-amerikanischen Women’s Health Study mit sehr niedrigen LDL-Cholesterinwerten oder niedrigen Triglyzeridwerten erlitten häufiger einen hämorrhagischen Schlaganfall. Dies zeigt eine Auswertung der prospektiven Kohortenstudie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000007454).

Zu viel Cholesterin im Blut führt zu Fettablagerungen in den Wänden der Blutgefäße, die als Arteriosklerose der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Zu wenig Cholesterin könnte jedoch ebenfalls schaden, da Cholesterin ein wichtiger Bestandteil von Zellmembranen ist und ein Mangel deren Stabilität auf Dauer gefährden könnte.

So lassen sich die Ergebnisse einer Analyse der Women's Health Study deuten, die seit Mitte der 1990er-Jahre 27.937 Frauen beobachtet. In den 19,3 Jahren seit Beginn der Studie haben 137 Frauen einen hämorrhagischen Schlaganfall erlitten.

Darunter waren 9 von insgesamt 1.069 Frauen mit einem LDL- Cholesterin von 70 mg/dl oder weniger. Dies entspricht einem Anteil von 0,8 %, der damit doppelt so hoch war wie bei den 10.067 Frauen, bei denen ein LDL-Cholesterin von 100 bis 130 mg/dl gemessen wurde. Hier erlitten 40 Frauen oder 0,4 % eine Hirnblutung, die zum Schlaganfall führte.

Pamela Rist vom Brigham and Women's Hospital in Boston ermittelte ein relatives Risiko von 2,17, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,05 bis 4,48 statistisch signifikant war. Für Frauen mit einem LDL-Cholesterin von 130 bis 159,9 mg/d war das relative Risiko von 1,14 (0,72-1,80) nicht signifikant erhöht. Auch Frauen mit einem LDL-Cholesterin von 70 bis 99,9 mg/dl erkrankten bei einem relativen Risiko von 1,25 (0,76-2,04) nicht häufiger an einem hämorrhagischen Schlaganfall.

Niedrige Triglyzeride könnten nach der Analyse von Rist ebenfalls schaden: Von den 5.714 Frauen im untersten Viertel der Triglyzerid-Werte erlitten 34 (0,6 %) einen hämorrhagischen Schlaganfall, verglichen mit 29 von 7.989 Frauen (0,4 %) im Viertel mit den höchsten Triglyceridwerten. Nach Berücksichtigung anderer möglicher Risiken ermittelt Rist ein relatives Risiko von 2,00, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,18 bis 3,39 signifikant war. Keine signifikanten Zusammenhänge bestanden mit dem Gesamtcholesterin und dem HDL-Cholesterin.

Interessant wäre, ob niedrige Cholesterinwerte das Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall beeinflussen. Dieser ist häufig Folge einer Atherosklerose und niedrige Cholesterinwerte könnten deshalb vor diesem Ereignis schützen. Da ischämische Schlaganfälle etwa 6-mal häufiger sind als hämorrhagische Schlaganfälle, könnte die Bilanz am Ende günstig für niedrige LDL-Cholesterinwerte ausfallen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #77095
sparta
am Freitag, 12. April 2019, 20:58

Korrelationen sind keine Kausalitäten

Dass selbst Akademiker, in diesem Falle Mediziner, immer wieder, gleich den "blutigen Laien", den Fehlschluss des post hoc-propter hoc begehen, ist nicht wenig skandalös. Der Kommentar von F. Wolfbeißer stellt klar: Erst bei Berücksichtigung der sog. Drittvariablen, in diesem Falle die mangelnde Festigkeit von Gewebe, gibt den Ergebnissen der Studie ihren wahren Sinn.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 12. April 2019, 19:21

Ob Gehirnblutung …

… oder arteriosklerotische Beläge: Beides ist die Folge mangelnder Festigkeit der Gefäßgewebe. Die richtige Abhilfe liegt daher nicht in einem optimalen Blutcholesterinwert, sondern in der Bewahrung der Festigkeit der Blutgefäßgewebe.
http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
LNS

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