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AbbVie sorgt für Irritationen bei Austauschmöglichkeit von Humira

Dienstag, 16. April 2019

Den biopharmazeutisch hergestellten TNF-alpha-Blocker Adalimumab (Humira) injizieren sich Patienten selbst mithilfe eines Fertigpens. /dpa

Berlin – AbbVie Deutschland, Hersteller des Biologikums Adalimumab (Humira), versucht Ärzte offenbar davon abzuhalten, auf Humira eingestellte Patienten auf Biosimi­lars um­zu­stellen. Das lässt sich den Informationen aus zwei Newslettern entnehmen, die dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) vorliegen. Bereits in der Betreffzeile der E-Mails heißt es, ein Austausch von Humira durch Adalimumab-Biosimilars sei nicht erlaubt.

Die Informationen wurden am 18. Februar 2019 und am 18. März 2019 als Newsletter des „Rp. Instituts zur Sicherung der Arzneimittelverordnung“ auch an Ärzte versendet. Um für eine rechtliche Absicherung zu sorgen, taucht im Newslettertext zwar das Wort „Anzeige“ auf. Un­ten auf der zweiten Seite des Informationsblattes findet sich zudem die Informat­ion, dass die Angaben „mit freundlicher Un­terstützung der AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG“ zustande gekommen sind.

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Dass es sich um eine „Anzeige“ handelt, ist allerdings nicht zu erkennen, wenn nur die Be­treffzeile der E-Mail zu lesen ist. Und auch in dem zweiseitigen Informationsblatt, das auf der ersten Seite wie eine neutrale Arzneimittelinforma­tion wirkt, steht der Hinweis auf AbbVie erst im Kleingedruckten auf der zweiten Seite. Dafür titelt das Informations­blatt vorne in Großbuchstaben: „Humira: Kein Austausch durch Adalimu­mab-Biosimi­lars er­laubt“. Darü­ber hinaus folgt nach einer Erklärung über Biosi­mi­lars wie­derholt der Hin­weis, dass Humira nicht gegen Adalimumab-Biosimilars ausge­tauscht werden dürfe.

Weiter heißt es in dem Newsletter: „Humira eindeutig verordnen“. Dort empfiehlt AbbVie den Ärzten, Präparatenamen, Wirkstärke, Darreichungsform und Packungsgröße so­wie die Pharmazentralnummer (PZN) auf dem Rezept zu vermerken. Wirkstoffverordnungen, die einen Austausch in der Apotheke ermöglichen, sollten vermieden werden.

Die Vorgehensweise von AbbVie hat die AG Pro Biosimilars auf den Plan geru­fen. Sie  hatte sich bereits am 20. März in einem Schreiben an das Unternehmen gerich­tet. Darin warf Pro Biosimilars AbbVie eine gezielte Verunsicherung der Ärzteschaft bis hin zu bewuss­ter Irre­führung vor.

„Die Absicht ist offenkundig: Hier soll suggeriert werden, es sei Ärzten verboten, Humira durch eines der Adalimumab-Biosimilars zu ersetzen“, schreiben Ste­phan Eder, Vorsitzender ­von Pro Biosimilars, und Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Biosi­milars, in dem Brief, der dem vorliegt. AbbVie verweist in dem Antwortschreiben vom 25. März darauf, dass in dem Newsletter inhaltlich die konkrete Umsetzung der Verordnungsent­scheidung des Arztes in der Apo­theke beschrie­ben werde.

Auf -Nachfrage erklärte AbbVie ebenfalls, es sei das Ziel des News­letters gewesen, Informationen zu den geltenden deutschen Regelungen zur Substitution von Biologika in der Apotheke zur Verfügung zu stellen. „Diese legen ausdrücklich fest, dass nicht identi­sche Biologika in der Apotheke nicht automatisch substituiert werden dürfen“, sagte ein AbbVie-Sprecher dem . Darüber sollte der Newsletter Ärzten eine „faktenbasierte An­leitung geben“.

Wettlauf um Rheumapatienten nach Patentablauf von Adalimumab

Berlin – Am 16. Oktober verliert das weltweit umsatzstärkste Medikament Adalimumab (Humira) des Pharamkonzerns AbbVie in Europa seinen Patentschutz. Allein in Deutschland wurde mit Adalimumab, das vor allem bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt, pro Jahr fast eine Milliarde Umsatz erzielt. Mehrere Firmen stehen bereits in den Startlöchern, um ihre Biosimilars gleichzeitig auf den Markt [...]

Ein Arzt, der die Newsletter erhalten hat, erklärte dem , er sei verunsichert gewesen, obwohl er eigentlich gewusst habe, dass es keine Einschränkungen bezüglich eines Bio­similaraustausches für Humira auf Arztseite gebe. „Teure Medikamente, mögliche Re­gresse und alles, was dazugehört, ist für Ärzte ja durch­aus ein Angstthema“, sagte der Mediziner, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Der Arzt betonte darüber hinaus, ihm sei der Hinweis auf die „Anzeige“ in den News­lett­ern zunächst nicht aufgefallen. Grundsätzlich halte er die Vorgehensweise für „unfair“, weil schon durch den Betreff potenzielle Ausweichmöglichkeiten als „no go“ klassifiziert worden seien. Darüber hinaus könne er sich nicht erinnern, den Newsletter aktiv abon­niert zu haben.

Am 16. Oktober hatte Adalimumab (Humira) von AbbVie in Europa seinen Patentschutz verloren. Allein in Deutschland erzielte das Unternehmen mit dem Biologikum, das vor allem bei rheu­matischen Erkrankungen zum Einsatz kommt, pro Jahr fast eine Milliarde Euro Umsatz.

Mit dem Auslaufen des Patentschutzes war ein Preiswettkampf in Gang gesetzt worden. Innerhalb kurzer Zeit pendelten sich die Preise bei bis etwa 40 Prozent geringeren Kosten ein. Bereits fünf Wochen nach Markteintritt – das war im November des vergangenen Jahres – lag der Versorgungsanteil der Biosimilars von Adalimumab bereits bei 19,5 Prozent.

© may/aerzteblatt.de

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