NewsÄrzteschaftÄrzte kritisieren geplantes Hebammengesetz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte kritisieren geplantes Hebammengesetz

Montag, 15. April 2019

/dpa

Berlin – „Eine Reihe problematischer Aspekte“ sieht die Kassenärztliche Bundesvereini­gung (KBV) im Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung“. Die geplante Neuregelungen schaffe „für die Versorgung Unklarheiten“, heißt es in einer Stellungnahme der KBV zum Gesetzentwurf. 

Die KBV verweist auf die Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA). Diese gingen von einer guten und kooperativen Versorgung der schwangeren Frauen durch Ärzte und Hebammen aus, die von einer klaren Aufgabenteilung ausgehe. Für eine den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft entsprechende ärztliche Be­treuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung sollten Ärzte, Kranken­kassen und Hebammen zusammenwirken, so der Tenor der Mutterschafts-Richtlinien.

Anzeige

„Durch den Gesetzentwurf werden eine Vielzahl von Tätigkeiten künftig für Hebammen geöffnet, ohne dass diese Tätigkeiten auf ärztlicher Anordnung beruhen. Vielmehr wer­den diese Tätigkeiten der selbständigen und eigenverantwortlichen Tätigkeit dem He­bammen­beruf zugeordnet, ungeachtet des unterschiedlichen Aus- und Weiterbil­dungs­niveaus von Ärzten und Hebammen“, kritisiert die KBV in ihrer Stellungnahme. 

Gleichwohl betont die KBV, Hebammen und Entbindungspfleger leisteten „einen essen­zi­ellen Beitrag in allen Fragen rund um die Geburt“ und begrüßt es ausdrücklich, dass der Hebammenberuf zukunftsgerecht und wissenschaftlich weiterentwickelt sowie attraktiver gestaltet werden soll. Die KBV erkennt außerdem grundsätzlich die Notwendigkeit an, das Hebammengesetz an die Vorgaben der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments anzupassen.

Kritik am Reformgesetz zur Hebammenausbildung äußert auch die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in ihrer Stellungnahme: „Für die insgesamt niedrige Kinder- und Müttermorbidität und -mortalität in Deutschland trägt entscheidend die hervorragende Zusammenarbeit von Ärzten und Hebammen in der Geburtshilfe bei.“ Vor diesem Hintergrund seien unklare Formulierungen im Gesetzentwurf problematisch.

„Die BÄK setzt sich für eine klare und rechtlich eindeutige Abgrenzung der Verantwor­tungs- und Tätigkeitsbereiche von Ärzten einerseits und Hebammen andererseits in der Geburtshilfe ein“, heißt es in der Stellungnahme. Im Gesetzentwurf gebe es allerdings Auslegungsspielräume, vor deren Hintergrund sich die Frage nach der Letztverantwor­tung für Mutter und Kind je nach Betreuungssetting stelle.

Der Spitzenverband der Fach­ärzte Deutschlands (Spifa) übte ebenfalls Kritik. Man bemän­gele insbesondere, dass der Gesetzgeber mit dem neuerlichen Reformvorhaben bei der Hebammenausbildung die Substitution ärztli­cher Leistungen weiter forciere. „Das haben wir unlängst bei der begonnenen Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung gesehen, jetzt setzt sich das bei den Hebammen fort“, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Lars Lindemann.

„Für uns es völlig unverständlich, dass Frauenärzte bei der Entstehung des Arbeits- und Referentenentwurfs nicht involviert waren, obwohl sie die Experten bei den Themen Schwangerschaft und Geburt sind“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und Mitglied im Spifa-Vorstand Christian Albring.

Er kritisierte, der Gesetzentwurf verfehle sein Ziel, die Versorgungssituation in der Ge­burtshilfe zu verbessern. „Ganz im Gegenteil: Die Zwangsakademisierung wird die perso­nellen Engpässe in den Kreißsälen und bei der Betreuung von Frauen im Wochenbett verschärfen. Das kann keiner ernsthaft wollen“, erklärte Albring.

Der SpiFa weist darauf hin, dass angehende Hebammen bislang zwischen Ausbildung und Studium wählen konnten. Trotz Einführung von Modellstudiengängen an inzwischen 16 Hochschulen entschieden sich die meisten Schülerinnen für eine Ausbildung zur He­bamme an einer Hebammenschule – „nicht zuletzt wegen ihrer hervorragenden theo­retischen wie praktischen Ausbildung“, so Albring. © hil/fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. April 2019
Osnabrück – Der Hebammenverband Niedersachsen hat die zügige Einführung von Studiengängen für Geburtshelferinnen in Niedersachsen angemahnt. Hintergrund ist die Reform der Hebammenausbildung in
Hebammenverband drängt auf schnelle Einführung von Studiengängen in Niedersachsen
18. April 2019
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat im März einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Vollakademisierung des Hebammenberufes vorsieht. Grundlage ist die EU-Richtlinie 2005/36/EG, die die
„Eine Vollakademisierung führt zu einer weiteren Schließung von Kreißsälen“
17. April 2019
Dresden – In Sachsen gibt es stellenweise Engpässe bei der Versorgung mit Hebammen. Betroffen seien wegen der hohen Geburtenraten vor allem Dresden, Leipzig und Chemnitz, hieß es in einer heute in
Studie zur Hebammenversorgung sieht Engpässe in Sachsen
10. April 2019
Berlin – Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) hat die geplante Akademisierung der Hebammen begrüßt. Im März hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) einen Gesetzentwurf
Evangelische Krankenhäuser befürworten Akademisierung der Hebammen
8. April 2019
Lübeck – Was Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ab Ende 2020 plant, ist an der Lübecker Universität schon seit fast zwei Jahren Wirklichkeit. Seit 2017 gibt es ein duales Studium der
Hebammenstudium an Universität Lübeck gefragt
1. April 2019
München – Seit heute gilt in Bayern eine neue Hebammengebührenverordnung für freiberufliche Hebammen und Entbindungspfleger. Damit erhalten diese für die Behandlung von nicht gesetzlich versicherten
Freiberufliche Hebammen in Bayern erhalten mehr Honorar für Privatpatientinnen
1. April 2019
Berlin – Hebammen in Deutschland protestieren gegen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). „Wir haben desaströse Zustände im Gesundheitswesen. Die Hebammen in den Kliniken machen jede Woche
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER