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Politik

SPD in Sachsen für Polikliniken gegen Ärztemangel

Montag, 15. April 2019

/dpa

Dresden – Die SPD in Sachsen denkt über die Einrichtung und staatliche Förderung von Polikliniken als attraktives Angebot für junge Hausärzte nach. „Wir wollen deren Ent­stehung nicht der Frage überlassen, ob zufällig ein privater Investor bereitsteht“, sagte Landeschef Martin Dulig in einer Mitteilung in Dresden.

„Wir müssen die Arbeit als Hausarzt attraktiver für junge Ärzte machen.“ Sie könnten in Polikliniken im Team arbeiten, und dort könnten zudem weitere Gesundheitsberufe wie Apotheker und Pflegekräfte angesiedelt werden. „Durch eine geteilte Verwaltung und die Zusammenarbeit haben die Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten.“

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Dulig, zugleich Wirtschaftsminister des Freistaates, forderte Kabinettskollegin und Ge­sund­heitsministerin Barbara Klepsch (CDU) eindringlich zum Handeln auf. Sie sei „hier in der Bringschuld“ und müsse noch vor der Sommerpause einen konkreten Maßnahmeplan zur Verbesserung der medizinischen Versorgung vorlegen.

Das sei eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre, mahnte Dulig unter Verweis darauf, dass im Freistaat aktuell 245 Hausarztstellen nicht besetzt und 28 Pro­zent der praktizierenden Mediziner älter als 60 Jahre sind. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Samstag, 18. Mai 2019, 12:45

Polikliniken

Nun ja, auf die Idee, sich aus ökonomischen Gründen zusammenzuschließen, sind Ärzte schon gekommen : die sog. Ärztehäuser. Aber wer das aufmerksam verfolgt hat, kann nicht übersehen haben, daß die Ärzte auf diese Idee erst gekommen sind, naachdem sich am Horizont immer öfter das Wort "Polikliniken" abzeichnete, jenes Wort, welches sehr lange als kommunistischer Rückfall diffamiert worden war.
Avatar #737153
rodneyprice
am Donnerstag, 18. April 2019, 13:41

Polikliniken

Sind die nicht nach der "Wende" als "Kommunistisch" abgeschafft worden, dabei denke ich an Kind und Badewasser. Jetzt wo der Kapitalismus die Profitgier und der Geiz auch im Osten haushalten, werden auf einmal die alten sozialistischen Methoden der Bevölkerungsversorgung gutgehießen? Wer hat uns verraten......?
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 16. April 2019, 07:51

Gesundheitspolitik in Sachsen: Dumm – Dümmer – SPD?

Was die SPD in einem Positionspapier zur Gesundheitspolitik niedergeschrieben hat, ist so schräg, dass man sich fragt, ob Hirn für Politiker in Sachsen gerade Mangelware ist.

Zitat aus dem Positionspapier:
„Der Arzt als „Einzelkämpfer“ in der Niederlassung, das kann abschrecken. Denn dies bringt einiges an Verwaltungsaufgaben mit sich.“
Sehr interessant. Während Ärzte bis 2010 keine Probleme damit hatten, auch alleine als Landarzt zu praktizieren, ist heute schon die Vorstellung als Einzelkämpfer eine Praxis führen zu müssen, für die Ärzte abschreckend. Daraus folgt: Ärzte von heute sind alles Weicheier. Oder? Und Verwaltungsaufgaben sind abschreckend. Denn man ist ja nicht Arzt geworden, um Papier umzubringen. Vor allem sind Verwaltungsaufgaben abschreckend, insbesondere wenn sie nicht bezahlt werden.

Wie wäre es zur Abwechslung mal damit, Ärzte einfach angemessen zu bezahlen. Sowohl für die Arbeit als Arzt wie auch für die Verwaltungsaufgaben und schlussendlich auch noch ein Einsamkeitszuschlag für die dröge Arbeit auf dem Land. Das wäre doch mal ein Ansatz, um Ärzte dahin zu bekommen, wohin sie auf Grund des derzeitigen, völlig unzureichenden, Angebots nicht freiwillig hingehen.


Zitat aus dem Positionspapier:
„In den Polikliniken können neben Ärzt*innen weitere Gesundheitsberufe, Pflegekräfte, Arztassistent*innen und Apotheker*innen arbeiten. Die Verwaltung teilt man sich und durch die Zusammenarbeit haben die Ärzt*innen mehr Zeit für ihre Patient*innen.“
Was für eine geniale Idee! Dass die deppen Ärzte nicht von sich aus darauf gekommen sind, sich zu großen Einheiten zusammenzuschließen? Aber sie können halt nix anderes außer Arzt. ;-)
Wer bezahlt denn die Pflegekräfte, die Arztassistenten und die Apotheker? Werden die dann auch noch aus der Gesamtvergütung der Ärzte finanziert? Und hat die SPD etwa nicht berücksichtigt, dass Verwaltungen Geld kosten? Und dass Overhead-Kosten größerer Einheiten zu steigenden Stückkosten führen?

Muss man Angehöriger einer politischen Partei sein, um nicht verstehen zu können oder zu wollen, dass größere Einheiten (z. B. Krankenhäuser oder Polikliniken oder MVZ) teurer als Ärzte in Arztpraxen sind? Wie kann man, so man sich dem Dienst an der Öffentlichkeit verschrieben hat, dafür plädieren, Polikliniken zu etablieren, die die Patienten teurer als Ärzte in eigenen Praxen kommen? Sehr geehrte Damen und Herren der SPD, ihr habt von ökonomischen Basics keinen blassen Schimmer.


Zitat aus dem Positionspapier:
„Die Patient*innen finden durch die Polikliniken vieles für ihre Gesundheit an einem Platz. Dazu müssen wir uns auch darum kümmern, dass sie bei längeren Wegen zur Poliklinik Unterstützung für die Fahrten bekommen. “
Geil, die SPD kümmert sich darum, dass den Patienten auf Grund der längeren Wege zu den Polikliniken keine zusätzlichen Belastungen entstehen. Gehen wir mal von 10€ pro Besuch aus, bedeutet das bei 4.000 Patienten p. a. (so viele Patienten sieht ein Hausarzt im Jahr vermutlich) 80.000€, da jeder Patient ca. zweimal pro Behandlungsfall kommt. Wenn man diese 80.000€ direkt an den Arzt zahlte, wie viele Ärzte würden wohl auf eine Anstellung in einer Poliklinik verzichten und sich niederlassen?

Zitat aus dem Positionspapier:
„Als junger Mensch kann man sich zudem dadurch anstellen lassen – es ist quasi ein „Schnupperangebot“ für den Berufseinstieg und auch die Chance, Beruf und Familie deutlich besser unter einen Hut zu bekommen.“
Entweder ist eine Anstellung in einer Poliklinik attraktiver als eine Niederlassung – dann wäre ein Arzt doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er jemals die Poliklinik verlassen würde. Oder die Niederlassung ist attraktiver als die Poliklinik, dann wird er auf das Schnupperangebot doch verzichten. Oder?


Zitat aus dem Positionspapier:
„Das Nachbesetzungsverfahren ist zu reformieren. Man sollte eine Praxis nicht weit über dem „Kaufwert“ erwerben müssen.“
1. Niemand „muss“ etwas erwerben.
2. Der „Kaufwert“ einer Praxis ist genau der Marktpreis. Solange man in seiner Entscheidung frei ist, ob man zu einem bestimmten Preis kauft oder nicht, zahlt man exakt den Marktpreis – und keinen Cent mehr.
3. Eine Praxis, die „nix kost“ ist auch nix wert. Und wenn eine Praxis nix wert ist, wer wird solch eine Praxis schon freiwillig übernehmen wollen?


Zitat aus dem Positionspapier:
„Der Freistaat muss weiter gemeinsam mit den Ärzt*innen und der Kassenärztlichen Vereinigung am Thema „Budgetierung“ arbeiten – sodass Ärztinnen und Ärzte tatsächlich mehr arbeiten können und es in diesen Fällen und besonders in Mangel-Regionen auch bezahlt bekommen. “
Die Hoffnung, dass Politiker nicht so unterbelichtet sein könnten, dass sie das nicht selbst für bare Münze nehmen, was sie so an Dämlichkeiten absondern, habe ich längst fahren lassen. Die sind so doof.
Was die SPD vorschlägt, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Sie fordert nichts weniger als eine Diskriminierung, also unterschiedliche Preise für identische Arbeit. In „Mangelregionen“, wie auch immer man definieren mag, und für Mehrarbeiten sollen Ärzte unbudgetiert bezahlt werden. Was folgt daraus im Umkehrschluss? Ärzte in Überschussregionen, also dem komplementären Anteil zu den Mangelregionen, sollen also auch in Zukunft budgetiert bezahlt werden.

Schon mal drüber nachgedacht, liebe Dilettanten von der SPD, was passiert, wenn man über einen längeren Zeitraum Ärzte in bestimmten Regionen nicht ausreichend bezahlt? Genau! Aus den Überschussregionen werden binnen kürzester Zeit Mangelregionen. Am Ende dieses Prozesses werden sämtliche Regionen zu Mangelregionen geworden sein. Und was soll in Mangelregionen, so es nach der SPD geht, passieren? Die Ärzte sollen unbudgetiert und das sogar noch in angemessener Höhe bezahlt werden.

Das hätte die SPD auch einfacher haben können. Statt erst aus Regionen Mangelregionen zu machen, was zu einer schlechten Versorgung der Patienten führt, die man anschließend mit viel Geld aufpäppeln muss, hätte man gleich den Ärzten angemessene Honorare zahlen können – wäre billiger geworden. Aber dafür hätte man von Gesundheitsökonomie wenigstens rudimentäre Kenntnisse haben müssen.

Avatar #760232
penangexpag
am Montag, 15. April 2019, 19:34

Polikliniken

Dieser Vorschlag ist absolut zu begrüßen, sollte möglichst schnell gesetzlich verankert, umgesetzt - und bundesweit fortgesetzt werden.
LNS

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