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Politik

Umweltbundesamt dringt auf strengere Grenzwerte für Feinstaub

Montag, 15. April 2019

/dpa

Berlin – Das Umweltbundesamt (UBA) dringt auf strengere Grenzwerte für Feinstaub. Be­hördenchefin Maria Krautzberger verwies in der Süddeutschen Zeitung auf entsprechende Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). „Auch wir im Umweltbundesamt sehen die Risiken durch zu hohe Feinstaubkonzentrationen“, sagte die UBA-Präsidentin mit Blick auf die Gesundheitsgefahren. Daher halte ihre Behörde eine „Diskussion über schärfere Grenzwerte“ für „erforderlich“.

Die Gefahren durch Feinstaub sind in Verbindung mit der Debatte um Dieselfahrverbote und den Stickoxidausstoß von Dieselfahrzeugen wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte am vergangenen Dienstag in einem Gutachten zwar die Gefahren durch Stickoxide bestätigt, Feinstaub jedoch als das weitaus schwerwiegendere Problem eingestuft. Daher müsse es zusätzliche Anstren­gungen geben, um die Feinstaubkonzentrationen in der Luft zu verringern, forderten die Wissenschaftler.

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Auch die WHO prüft derzeit dem Bericht zufolge eine Verschärfung ihrer Richtlinien für Feinstaub. Es gebe Hinweise auf Gesundheitseffekte bei noch geringeren Konzentratio­nen als bisher gedacht, hieß es. Feinstaub gilt als eine Ursache für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, für Lungenkrebs und Diabetes. Die EU-Grenzwerte für Feinstaub werden in Deutschland zwar in der Regel eingehalten. Allerdings liegen sie etwa doppelt so hoch wie von der WHO empfohlen.

Die SZ zitierte den Forscher Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, mit den Worten: „Wir schätzen die Verringerung der Lebenszeit durch Luftschadstoffe in Deutschland auf 2,4 Lebensjahre.“ Davon gingen 20 Prozent auf das Konto des Verkehrs. Nach Erkenntnissen der Leopoldina steigt die Sterblichkeit in Europa durch viel Feinstaub demnach um sieben Prozent.

Ein schärferes Vorgehen gegen Luftverschmutzung forderte auch die Grünen-Umwelt­ex­pertin Bettina Hoffmann. „Saubere Luft ist elementar für ein gesundes Leben. Davon sind wir an vielen Orten in Deutschland weit entfernt“, erklärte sie in Berlin zu der Feinstaub-Debatte. Hoffmann rief die Bundesregierung zu einer „Kultur der Schadstoffvermeidung“ auf. Weiter forderte die Grünen-Politikerin eine „Verkehrswende in unseren Städten“ und eine Verringerung von Ammoniak aus der industriellen Landwirtschaft. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #715180
DrSchnitzler
am Dienstag, 23. April 2019, 00:14

Evidenz, bitte!

Man möge bitte diejenigen Studie(n) nennen, mit denen die Aussage belegt werden kann, dass eine weitere Reduktion von Luftschadstoffen tatsächlich zu deutlich verbesserten Überlebensraten führt.

Man gehe bitte auch auf den Aspekt von zunehmenden Lungenkrankheiten bei sinkenden Luftschadstoffen ein.

Man gehe bitte auch auf den Aspekt der relativ hohen Lebenserwartung von Landwirten bei relativ hoher Ammoniak-Exposition ein.

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Samstag, 20. April 2019, 13:23

... ich hab da mal eine Frage ...

Heute erschien in der Landeszeitung der Artikel "Strittige Studien" von Julius Heinrichs (1), in dem u.a. auf das Phänomen des "p-Hackings" hingewiesen wird, dem man durch "Open Science" (Felix Schönbrodt) entgegenwirken will, also transparente, wiederholbare und schlussendlich glaubwürdige (!) Wissenschaft u.a. durch Veröffentlichung der Forschungsergebnisse (was gute, in der Tat aber nicht alle, Studien mW aber bereits heute oft schon leisten).

Habe ich das jetzt richtig verstanden:
- "Ammoniak in der Landwirtschaft" bezieht sich doch wohl überwiegend (praktisch ausschließlich?) auf "Gülle".
- mir leuchtet auch von daher die Aussage von Lelieveld & Co. nicht ein, "Air pollution (...) is generally produced at higher combustion temperatures" (2), was ja nicht einmal für Zigaretten (ca. 1000 °C) vs. Dieselmotoren (ca. 500°C) zutrifft.

Müsste es dann aber nicht vielmehr so sein, dass Menschen, die BERUFLICH viel mit Gülle arbeiten, eine SUBSTANZIELL erhöhte "Sterblichkeit" oder wenigstens "Krankheitsrate" aufweisen? Gibt es dafür Belege? Berufsunfähigkeit (vgl. Staublunge)? Hinterbliebenenrente?

Müsste es dann nicht so sein, dass bspw. Insekten oder Mäuse (mal als Modell für "besonders empfindliche Lebewesen" genommen) in Ställen massenweise "tot umfallen", oder die Fauna rund um frisch gedüngte Felder scharenweise zugrundegeht? Gibt es dafür Belege?

Was alles nicht gegen einen behutsamen, verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt spricht (aber erzähl das mal jemand einem Landwirt!). Ist schon bemerkenswert, dass sich ausgerechnet (ggf. ehemalige) "Umweltschützer" – im Ergebnis! (4) – derart mit der Bauernschaft anlegen (jenseits unstrittiger Missstände im Einzelfall).


Die rund 700.000 Beschäftigten in der Landwirtschaft (5) scheinen jedenfalls nicht zu den Top 50 der "gefährlichsten Berufe" zu zählen (6), auch nicht seitens der Lebenserwartung, wohl eher ganz im Gegenteil (7).

Einzig "Melker" finden sich da (auf Platz 26); ich nehme mir aber die Freiheit, zu beweifeln, dass hier wirklich "toxische Exsufflationen" den vorherrschenden Grund für vorzeitige Berufsunfähigkeit darstellen.

Bemerkenswert auch folgende Aussage (6): »„Wenn ich weiß, was gesund ist, kann ich auch danach leben“, sagt Demografieforscher Scholz«.

Dagegen finden sich "Diätassistenten" auf Rang 29, vor Schlossern, Beton- und Strassenbauern, denen man zumindest auf den ersten Blick wohl nicht das größere "Gesundheitswissen" unterstellen wird.

Geht es also etwa zu weit, wenn man (ggf. auch) hier so etwas wie "freie Konfabulation" in Erwägung zieht?

"Weinbauern" (Rang 46) dürften hingegen weitaus eher der Exposition von mit HydroxyEthan angereichertem DiHydrogenMonOxid (8) erliegen...


___________
Quellen
(1) Julius Heinrichs: Strittige Studien. Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 20.04.2019. Leider nicht im Internet verfügbar.
(2) https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehz135/5372326#usercomments
(3) Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften: Ad hoc-Stellungnahme Saubere Luft - Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen. https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2019_Stellungnahme_Saubere_Luft_Vorabdruck_final.pdf (10.04.2019)
(4) Agra Europe (AgE) (22.05.2018) Ammoniakreduktion beschlossen: Für viele Höfe rückt die Betriebsaufgabe näher. https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/ammoniakreduktion-beschlossen-fuer-viele-hoefe-rueckt-die-betriebsaufgabe-naeher-9570763.html?utm_content=related (20.04.2019)
(5) https://www.die-deutschen-bauern.de/wissen (20.04.2019)
(6) http://www.lebenserwartung.info/index-Dateien/soziodiff.htm (20.04.2019)
(7) https://www.welt.de/gesundheit/article13340680/Die-Rangliste-der-50-gefaehrlichsten-Berufe.html (20.04.2019)
(8) http://www.abc.net.au/science/articles/2006/05/17/1631494.htm?site=science/greatmomentsinscience
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Mittwoch, 17. April 2019, 11:05

... ABSURDITÄTENKABINETT ...

*** UPDATE ***
An dieser Stelle wollte ich gerade Lelieveld das BMG entgegenhalten, das (mW mindestens) seit 2005 folgende feststehende Angabe machte:
»Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit. Jährlich sterben in Deutschland ca. 110.000 bis 120.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens.«

Diese Seite ist jetzt SO plötzlich NICHT MEHR ABRUFBAR (gefunden über "Google Cache": das Internet vergisst nichts ;-) ).

Stattdessen lautet es nun (und an weniger prominenter Stelle):

»Die Gesundheitsschäden durch Rauchen sind erheblich. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich 121.000 Menschen an den Folgen des Tabakrauchens.«

Also:
- Die Angabe "das GRÖSSTE..." wird zurückgezogen.
- Die Anzahl wird sogar NOCH NÄHER PRÄZISIERT (suggeriert: "muss" also stimmen)

Das Absurditätenkabinett geht also in eine neue Runde.

Anscheinend hat das UBA den Wettlauf "wer bietet die meisten fiktiven Toten" gewonnen.

Nehmen wir Top 5 auf der Grundlage von Plass 2014 (Grafik 2; Werte m/w gemittelt) und der Basis 73.000 "Tote durch Luftverschmutzung" (Leopoldina 2019):

- Ernährung (14,05%): 347.678 "vermeidbare Todesfälle"
- Übergewicht (10,9%) 269.729
- Bluthochdruck (10,85%) 268.492
- Rauchen (10,45%) 258.593
- Bewegungsmangel (5,3%) 131.153

IST VÖLLIG KLAR. "Vermeidung von Ernährung" bietet die allerbeste Aussicht, alle anderen Todesarten NACHHALTIG zu umgehen. (Ironie OFF).

Thema Rauchen: lt. BMG ca. 24% der Bevölkerung über 18, müsste also grob dem Anteil an Verstorbenen entsprechen, also 900.000*0,24= 216.000.

Sind dann aber nicht – folgt man den Angaben des UBA – 42.000 Menschen MEHR am aktiven Rauchen verstorben, als überhaupt aktiv rauchen? Ist der Begriff "Fiktion" (um höflich zu bleiben) hier wirklich unangebracht?

Oder können wir jetzt vielleicht irgendwann einmal langsam zu einer "WAHRHAFT EVIDENZBASIERTEN" Betrachtung der Sachlage zurückkehren? So mit *** RICHTIGEN STUDIEN ***, was Menschen NÜTZEN könnte?

Und nicht nur irgendwelchen abstrusen (Entschuldigung), selbst programmierten "Computermodellen", die – vielleicht gar nicht so erstaunlich – immer genau das auswerfen, was man gerade haben will?

________
Sitzen zwei Neandertaler vor der Höhle. "Jeden Tag gesundes Essen, viel Bewegung, gute Luft – und trotzdem werden wir nur 30 Jahre alt. Was machen wir bloss falsch?"

_______
QUELLEN:
- ALTE Seite:
https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:VN3nqdrXjqYJ:https://www.drogenbeauftragte.de/themen/suchtstoffe-und-abhaengigkeiten/tabak/situation-in-deutschland.html%3FL%3D0+&cd=6&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-d

- NEUE Seite:
https://www.drogenbeauftragte.de/themen/suchtstoffe-und-suchtformen/tabak-und-nikotin/tabakkonsum.html?L=0
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Montag, 15. April 2019, 18:24

... das ist SO NICHT RICHTIG! ...

A.
Man möge doch bitte einmal ENDLICH diejenigen Studie(n) nennen, mit denen die Aussage belegt werden kann, dass eine weitere Reduktion von Luftschadstoffen zu deutlich verbesserten Überlebensraten führt. Man gehe bitte auch auf den Aspekt von zunehmenden Lungenkrankheiten bei sinkenden Luftschadstoffen ein!


(Siehe auch: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/gastbeitrag-von-peter-sawick-dieselfahrverbote-sind-sinnlos-16139641.html)

B.
"Die Leopoldina" bezieht sich in Kapitel 3.2 (Exkurs: Krankheitslastberechnung) ausdrücklich auf eine Studie des UBA (Plass 2014). Dort werden für 2010 insgesamt 23,9 Mio "verlorene gesunde Lebensjahre" angegeben, macht 3,6 Monate pro EInwohner. DAVON entfallen auf die "Luftverschmutzung" 2,95% (Abb. 1 der Leopoldina), macht rund 3 – wohlgemerkt: VIRTUELLE – TAGE.

Umgekehrt werden – sowohl nach ein und derselben Studie, als auch nach dem "mittleren Sterbealter" – jedes Jahr 3 MONATE Lebenszeit HINZUGEWONNEN. Wer kann das denn bitte noch SERIÖS auseinanderhalten?

Die Aussagen von Lelieveld sind hingegen bemerkenswert: in einer Replik (1) auf eine Leserzuschrift behauptet er allen Ernstes, "Zigarettenrauchen" sei nicht schädlicher als "frische Luft", und Studien/Lehrbücher zur Schädlichkeit von Zigarettenrauchen seien ihm nicht bekannt ("We are unaware of such textbooks").

Macht es eigentlich niemanden nachdenklich, wenn INSGESAMT (100%*73.000/2,95%) 2,5 Millionen "vermeidbare" Todesfälle zu errechnen sind, das Statistische Bundesamt hingegen 910.000 Fälle vermeldet (von denen aber auch noch "natürliche" Todesfälle zu berücksichtigen sein müssten)?

Oder dass für die Todesart "Gewalt in der Partnerschaft" 1,2% angegeben werden, was (1,2%/ 2 [nur Frauen] * 73.000 / 2,5%) rund FÜNFZEHNTAUSEND Fälle ausmacht, das BKA (zeit.de, 2018) hingegen von 147 Fällen spricht?

Müssen wir eigentlich ständig vor diesen merkwürdigen Angaben KUSCHEN?

Literatur
(1)
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehz135/5372326#usercomments
LNS

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