NewsPolitikBundesregierung sieht keine Anzeichen für Opioidkrise wie in den USA
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesregierung sieht keine Anzeichen für Opioidkrise wie in den USA

Dienstag, 16. April 2019

/stokkete, stockadobecom

Berlin – Das Risiko für eine Opioidkrise wie in den USA ist in Deutschland gering. Diese Auffassung vertritt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.

Die Verordnung und Abgabe stark wirksamer opioidhaltiger Arzneimittel sei in Deut­sch­land im Vergleich zu den USA durch deutlich restriktivere Regelungen im Betäubungs­mittelrecht bestimmt. Aufgrund des in Deutschland an medizinischen Indikationen aus­gerichteten Verschreibungsverhaltens sei derzeit nicht mit einer ähnlich dramatischen Entwicklung wie in Nordamerika zu rechnen, heißt es darin.

Anzeige

Allerdings seien Opioide bekanntlich nicht die einzigen Arzneimittel mit Suchtpotenzial. „Geht es um das Abhängigkeitspotenzial von Arzneimitteln, stehen die Langzeitanwen­dun­gen von Tranquillantien, Schlafmitteln wie Benzodiazepinen und Z-Substanzen sowie Schmerzmitteln im Vordergrund“, heißt es in der Antwort.

Der Entstehung von Missbrauch und Abhängigkeit von Arzneimitteln liegt laut der Bun­desregierung „ein komplexes, individuelle sowie soziale Faktoren umfassendes Ursachen­geflecht zugrunde“. Ausführliche Information über die richtige Anwendung und die Risi­ken von Arzneimitteln seien besonders wichtig, um Missbrauch und Abhängigkeit zu vermeiden.

„Da der größte Anteil der Arzneimittel mit Suchtpotenzial verschreibungspflichtig ist, kommt auch den Ärzten sowie den Apothekern eine große Verantwortung zu. So haben beispielsweise die Bundes­ärzte­kammer sowie die Bundesvereinigung deutscher Apothe­kerverbände Leitfäden zum Umgang mit Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial erar­beitet“, schreibt die Bundesregierung. 

Die Autoren der Antwort auf die Kleine Anfrage zitieren darin aus einer aktuellen noch nicht publizierten Befragung des epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) aus dem Jahr 2018. Danach haben laut Hochrechnungen dieser Befragungsergebnisse 1,6 Millionen Personen in Deutschland eine Abhängigkeitsstörung durch Analgetika entwickelt.

Für Hypnotika/Sedativa sei die Anzahl der Betroffenen mit 361.000 Personen mit einer Abhängigkeitsstörung wesentlich geringer. „Unterschiede nach Geschlecht zeigen sich vor allem durch höhere Prävalenzen bei Frauen im Vergleich zu Männern für eine Abhängig­keit sowohl bei Analgetika als auch Hypnotika/Sedativa in der jüngsten Altersgruppe von 18 bis 20 Jahren“, so die Bundesregierung. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Mai 2019
Berlin – Unter dem Motto „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“ beginnt übermorgen die bundesweite Aktionswoche Alkohol. Zehn Prozent der Beschäftigten konsumierten zu viel Alkohol – von der Aushilfskraft bis
Aktionswoche beleuchtet Alkoholproblematik am Arbeitsplatz
16. Mai 2019
Paris/Berlin – Auch in einigen Staaten Europas sterben immer mehr Menschen am Missbrauch von Opioiden. Das berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf
OECD warnt vor Opioidkrise auch in Europa
15. Mai 2019
Rochester – Tramadol soll weniger suchterregend sein als andere Opioide. US-Patienten, die nach einer geplanten Operation zur Schmerzlinderung mit Tramadol behandelt wurden, benötigten jedoch später
US-Studie sieht Abhängigkeitspotenzial bei Tramadol
9. Mai 2019
Leipzig – Vor allem Schmerzpatienten im Alter von 50 bis 59 Jahren erhalten seit Inkrafttreten des Gesetzes zur „Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ im Jahr 2017
Erste Zwischenauswertung zu medizinischem Cannabis vorgestellt
9. Mai 2019
Kiel – Ein neuer Forschungsverbund namens „noChro“ hat sich zum Ziel gesetzt, mittels Biomarkern eine Schmerzchronifizierung vorherzusagen und damit Patienten eine frühzeitige und maßgeschneiderte
Suche nach Biomarkern zur Früherkennung chronischer Schmerzen
24. April 2019
New York – Weil sie inmitten der Schmerzmittel-Suchtkrise in den USA verdächtige Opioidbestellungen nicht bei den Behörden meldeten, ist gegen zwei ehemalige Pharmamanager ein Ermittlungsverfahren
Früheren US-Pharma-Managern droht wegen verantwortungslosen Opioidhandels Haft
18. April 2019
Marburg – Die Epilepsiemedikamente Pregabalin und Gabapentin kommen offenbar immer häufiger bei allgemeinen chronischen Schmerzen zum Einsatz, obwohl ihre Wirksamkeit bei dieser Anwendung zweifelhaft
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER