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Ausland

Masern zeigen in Madagaskar verheerende Macht

Mittwoch, 17. April 2019

/dpa

Iarintsena – An der seit Monaten andauernden Masernepidemie in Madagaskar sind mittlerweile mehr als 1.200 Menschen gestorben. Mit rund 120.000 Erkrankungen seit September ist der Ausbruch in dem Inselstaat einer der derzeit größten Masernausbrüche weltweit.

Die Epidemie in dem Inselstaat vor der Südostküste Afrikas ist das jüngste und wohl dramatischste Beispiel für das, was die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) eine beun­ruhigende Rückkehr vermeidbarer Krankheiten nennt.

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Inzwischen werden aus Europa, den USA, Afrika und Asien Epidemien gemeldet. Zu den Gründen für die Zunahme der Krankheitsfälle in entwickelten Ländern gehört eine zu­nehmende Impfmüdigkeit, verbunden mit der Angst vor angeblichen Nebenwirkungen. Die WHO zählt mangelnde Impfbereitschaft bereits zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt.

Es handelt sich nicht um ein abstraktes Risiko: Vor Einführung der Masernimpfung star­ben 1980 nach WHO-Daten rund 2,6 Millionen Menschen an der Viruskrankheit, 2016 waren es noch rund 100.000, vor allem in ärmeren Ländern.

In Deutschland, wo fast 95 Prozent aller Schulanfänger beide empfohlenen Masern­im­pfungen erhalten haben, kann sich kaum noch jemand daran erinnern, dass Masern auch tödlich verlaufen können. Doch die Zahl der Erkrankungen nimmt wieder zu. Dem zu­stän­digen Robert-Koch-Institut in Berlin wurden 2018 Daten zu 543 Masernfällen übermittelt.

Wie die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gestern mitteilte, nahm die Zahl der Masern­fälle weltweit im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 300 Pro­zent zu. Es seien mehr als 112.000 Infektionen in 170 Ländern gemeldet worden. Ein Jahr zuvor seien es gut 28.000 Fälle in 163 Ländern gewesen. Es handele sich um vorläufige und unvollständige Daten, aber es sei „eine eindeutige Entwicklung erkennbar“, erklärte die WHO.

Die Rückkehr der Masern hat bereits zu Forderungen nach einer Impfpflicht geführt. Anfang Mai wird dazu ein Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) erwartet.

Die Behörden in Madagaskar, einem der 30 ärmsten Länder der Welt, sind mit dem jüngs­ten Masernausbruch überfordert. „Die Epidemie breitet sich leider immer weiter aus“, er­klärt der WHO-Epidemiologe Dossou Vincent Sodjinou. Fast alle Landesteile sind dem­nach betroffen. Die Epidemie fordere auch deshalb so viele Opfer, weil etwa die Hälfte aller Kinder mangelernährt sei und daher ein bereits geschwächtes Immunsystem habe.

Das Virus hatte in Madagaskar leichtes Spiel, weil jahrelang nur gut die Hälfte aller Kin­der geimpft wurden. Das lag nicht an Impfgegnern, sondern daran, dass dem Staat die Mittel für Auflärungs- und Impfkampagnen fehlen. Die WHO will in dem Land mit 26 Millionen Einwohnern nun rund 7,2 Millionen Kinder impfen lassen. © dpa/aerzteblatt.de

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