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Medizin

Cannabiskonsumenten benötigen bei Endoskopien höhere Dosis von Sedativa

Dienstag, 16. April 2019

/Kzenon, stockadobecom

Grand Junction/Colorado – Seit die Cannabisdroge im US-Staat Colorado legal ist, fällt es Gastroenterologen häufig schwerer, ihre Patienten vor einer Endoskopie ausreichend zu sedieren. Laut einer retrospektiven Studie im Journal of the American Osteopathic Association (2019; doi: 10.7556/jaoa.2019.052) werden bei regelmäßigen Cannabis­konsumenten deutlich höhere Konzentrationen von Sedativa oder Anästhetika benötigt.

In den USA lassen viele Patienten eine Endoskopie unter Sedativa oder einer Kurznarkose durchführen. Bei den Western Medical Associates, einem privaten Anbieter in Grand Junction/Colorado, bevorzugen die Ärzte eine Kombination aus Fentanyl, Midazolam und Propofol, um die Untersuchung für ihre Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten.

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In letzter Zeit benötigen immer mehr Patienten eine höhere Dosis für die Analgosedierung. Eine retrospektive Auswertung der Krankenakten ergab, dass die steigende Zahl von regelmäßigen Cannabiskonsumenten dafür verantwortlich ist. Diese Patienten benötigten im Durchschnitt 125,93 µg Fentanyl, 9,15 mg Midazolam, und 44,81 mg Propofol, um in den „Dämmerschlaf“ versetzt zu werden. Bei den Nicht-Cannabiskonsumenten reichten im Durchschnitt 109,91 µg Fentanyl, 7,61 mg Midazolam und 13,83 mg Propofol.

Auffällig ist vor allem der höhere Bedarf an Propofol (plus 220 %). Der Grund für die verminderte Reaktion von Cannabiskonsumenten auf Propofol ist nicht bekannt. Da die Droge lange illegal war, wurden nur wenige pharmakologische Studien durchgeführt.

Dass Cannabiskonsumenten nicht so einfach zu narkotisieren sind, haben auch Anästhesisten in anderen Ländern bemerkt. Georg Richtig von der Universität Graz berichtete vor einiger Zeit über einen 37-jährigen Patienten, der einen Tag vor einer Schulteroperation an der Berliner Charité seinen letzten „Joint“ geraucht hatte, wie er seinem Anästhesisten erklärte.

Der Zweimetermann wog 95 kg. Die Anästhesisten gaben ihm zunächst 0,2 mg Fentanyl, was allerdings nach 4 Minuten nur ein leichtes Schwindelgefühl verursachte. Die folgenden 200 mg Propofol erzielten ebenfalls keine betäubende Wirkung. Der Patient unterhielt sich weiter mit dem Anästhesiepersonal. Weitere 2 Propofoldosen von jeweils 100 mg erzielten ebenfalls keine Bewusstlosigkeit. Die Anästhesisten kontrollierten den intravenösen Zugang, konnte aber keine Extravasation feststellen.

Erst 500 mg Thiopental erreichten den „Knock-out“. Damit waren die Probleme nicht beseitigt. Wegen einer verlangsamten Atmung entschieden sich die Anästhesisten für eine Maskenbeatmung. Doch der schlafende Patient wehrte sich. Erst eine Inhalationsnarkose mit 4 Volumenprozent Isofluran sorgte für die notwendige Ruhe bei der Operation. Für die Aufrechterhaltung der Anästhesie mussten die Anästhesisten dann noch Lachgas einsetzen. Die Rückkehr des Bewusstseins und der postoperative Verlauf blieben nach dem Bericht in Edorium Journals (2015; 6: 436-439) ohne Zwischenfälle. © rme/aerzteblatt.de

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