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Medizin

Unangemessene Schmerzbehand­lung nach OP eine der Hauptursachen für Opioidkrise

Dienstag, 16. April 2019

/Björn Wylezich, stockadobecom

Boston/Melbourne/Toronto – Eine unangemessene Schmerzbehandlung nach Operatio­nen hat wesentlich zur Opioidkrise in den USA und in weiteren Ländern beigetragen. Das meinen Wissenschaftler um Paul Myles von der Monash University, Australien, in einer Serie der Fachzeitschrift Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30428-3).

„Chronische postoperative Schmerzen sind ein wachsendes Problem, da die Bevölkerung altert und mehr Operationen durchgeführt werden. Sie können nach jeder Art von Opera­tion auftreten“, schreiben die Autoren. Jedes Jahr würden 320 Millionen Menschen ope­riert, in rund 10 % der Fälle träten chronische Schmerzen auf.

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„Es beginnt typischerweise mit akuten postoperativen Schmerzen, die schwer zu kon­trollie­ren sind, und entwickelt sich zu einem anhaltenden Schmerzzustand mit Merkma­len, die nicht mehr auf Opioide ansprechen. Als Reaktion auf diese Schmerzen verschrei­ben Ärzte oft höhere Mengen an Opioiden, aber dies kann zu Toleranz und opioidindu­zier­ter Hyperalgesie führen“, so die Autoren. Sie berichten, der Einsatz von verschrei­bungs­pflichtigen Opioiden habe sich zwischen 2001 und 2013 weltweit mehr als ver­doppelt – von 3 Milliarden auf 7,3 Milliarden tägliche Dosen pro Jahr.

„Die Bereitstellung von Opioiden für chirurgische Patienten stellt ein besonders heraus­forderndes Problem dar“, meint Myles, Leiter der Serie. Für die Ärzte gelte es, akute Schmer­zen auszugleichen und gleichzeitig das Risiko eines anhaltenden Opioidkonsums nach der Operation zu minimieren. 

Die Opioidkrise begann den Autoren zufolge in den USA Mitte der 1990er-Jahre, als eine unzureichende Schmerzlinderung als Zeichen für eine schlechte Gesundheitsversorgung angesehen wurde. Opioide seien heute eines der am häufigsten verschriebenen Medika­mente in den USA. In anderen Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen der Bevölke­rung wie Canada gäbe es einen ähnlichen Trend, wenn auch weniger ausgeprägt als in den USA.

Die Autoren fordern ein deutliches Eingreifen. Nötig seien spezialisierte Schmerzkliniken, Drogenüberwachungsrichtlinien, eine verbesserte medizinische Ausbildung in der Opio­idverschreibung und neue Schmerzmanagementmethoden. Letztere sollten auch die Ver­wendung alternativer Schmerzmanagementmethoden und alternativer Schmerzmittel einbeziehen, fordern sie. © hil/aerzteblatt.de

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