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Ribociclib bei fortgeschrittenem Brustkrebs: Überlebensvorteile, aber schwere Nebenwirkungen

Dienstag, 16. April 2019

/Axel Kock, stock.adobe.com

Köln – Frauen nach der Menopause mit bestimmten lokal fortgeschrittenem oder metas­tasiertem Brustkrebs haben von einer Therapie mit Ribociclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant einen geringen Überlebensvorteil gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Allerdings sind die Nebenwirkungen der Therapie so stark, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in der ribociclibhaltigen Therapie insgesamt keinen Zusatznutzen sieht.

Bereits 2017 hatte das IQWiG die Vor- und Nachteile untersucht, die Ribociclib in Kombi­na­tion mit einem Aromatasehemmer für Patientinnen mit HR-positivem, HER2-negati­vem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs gegenüber der zweckmäßi­gen Vergleichstherapie hat. Damals ging es um den Einsatz als initiale endokrinbasierte Therapie bei Frauen nach der Menopause. Die Studiendaten wiesen keinen statistisch signifikanten Vorteil, wohl aber starke Nebenwirkungen der neuen Kombination aus, so­dass das Fazit lautete: Ribociclib hat zusammen mit einem Aromatasehemmer einen geringeren Nutzen als die zweckmäßige Vergleichstherapie.

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Inzwischen wurde das Anwendungsgebiet von Ribociclib auch auf Frauen vor oder in den Wechseljahren ausgedehnt. Der Wirkstoff kann nicht nur mit einem Aromatasehemmer, sondern auch mit Fulvestrant kombiniert werden. Und er darf nicht nur initial, sondern auch als Folgetherapie eingesetzt werden. Daher hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) das IQWiG mit einer erneuten Dossierbewertung beauftragt.

Für postmenopausale Frauen zeigte sich bei der Analyse ein Vorteil beim Gesamtüberle­ben, was in der Endpunktkategorie Mortalität zu einem Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen führt. Dem stehen aber deutliche Nachteile gegenüber: Mit Ribociclib be­handelte Frauen entwickelten wesentlich häufiger schwere Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems – Neutropenien – als die Studienteilnehmerinnen im Vergleichsarm.

„Diese Nachteile wiegen so schwer, dass sie den Anhaltspunkt für einen Überlebensvor­teil letztlich aufwiegen“, schreiben die IQWiG-Autoren. In der Gesamtschau kommt das Institut daher zu dem Schluss: „Ein Zusatznutzen ist für keine der Fragestellungen bei Frauen nach der Menopause belegt.“

Für Frauen vor und während der Menopause hat der Hersteller dem IQWiG zufolge hinge­gen nur für eine Teilgruppe von vorbehandelten Frauen relevante Daten vorgelegt. „Für diese ist sogar weiterhin von einem gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie geringeren Nutzen auszugehen“, so das Institut. Das IQWiG weist darauf hin, dass der G-BA letztlich über das Ausmaß des Zusatznutzens entscheidet. © hil/aerzteblatt.de

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Eva Schumacher-Wulf
am Mittwoch, 17. April 2019, 12:30

Patientenpräferenz

Was IQWiG natürlich wieder nicht erwähnt, ist die zusätzliche progressionsfreie Zeit von rund einem Jahr, ohne dabei die Lebensqualität zu verschlechtern. Außerdem reduzieren sich die Schmerzen unter der Therapie. Ich fasse zusammen: Signifikanter Überlebensvorteil, nahezu Verdopplung der progressionsfreien Zeit, Schmerzreduktion. Dafür nehmen wir Patienten eine Neutropenie gerne in Kauf, vor allem, wenn die Gefahr einer febrilen Neutropenie so gering ist. Aber wer fragt uns schon?
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