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Ausland

Hitzige Debatte in den USA um Anti-Abtreibungsfilm

Mittwoch, 17. April 2019

Abtreibungsgegner demonstrieren in Washington /dpa

Los Angeles – „Unplanned“ – ein Film über ungeplante Schwangerschaften und die Ar­beit einer jungen Amerikanerin in einer Abtreibungsklinik hat in den USA eine hitzige Debatte ausge­löst. Der Film, der auf einer wahren Geschichte beruhen soll, ist mit einer strengen Altersfreigabe vom Hollywoods Filmverband Motion Picture Association of America (MPAA) versehen. Zugelassen sind Jugendliche unter 17 Jahren nur in Begleitung Erwachsener.

Die Begründung für den strikten Stempel sind „einige verstörende, blutige Bilder“. Tat­sächlich zeigt „Unplanned“, wie Frauen heftig bluten und Föten abgesaugt werden. Damit beziehen die Filmemacher als Abtreibungsgegner mit Schockeffekten Stellung. In den sozialen Medien geraten nun Verfechter und Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen aneinander, das Gerangel um den Film kam auch bei einer Senatsanhörung in Washing­ton zu Wort.

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Erzählt wird die Geschichte der Texanerin Abby Johnson, die acht Jahre lang in einer Kli­nik der Gesundheitsorganisation Planned Parenthood arbeitete, wo Schwangerschafts­abbrüche vorgenommen werden. Johnson hatte selbst zweimal abgetrieben und war eine Pro-Choice-Verfechterin, bis sie 2009 einen Eingriff auf Ultraschall verfolgte, der sie traumatisierte. Sie kündigte und schloss sich als Aktivistin der Lebensrechtsbewegung an. Nach den Memoiren der heute 38-Jährigen haben die Regisseure und christlichen Pro-Life-Verfechter Cary Solomon und Chuck Konzelman „Unplanned“ gedreht.

Seit dem US-Kinostart Ende März hat der mit unbekannten Schauspielern produzierte Film mehr als 15 Millionen Dollar eingespielt. Solche „Faith based“-Produktionen mit religiösen Botschaften haben in den USA vor allem unter strenggläubigen Evangelikalen großen Zuspruch.

US-Präsident Donald Trump und sein Vizepräsident Mike Pence, ein überzeugter Abtrei­bungsgegner, lobten den Film. Den meisten Republikanern ist die seit 1973 legalisierte Wahlfreiheit für Frauen, eine Schwangerschaft abzubrechen, ein Dorn im Auge.

Um den Film ist nun eine Debatte um angebliche Zensur und die Beschneidung konserva­tiver Inhalte durch das liberale Hollywood entbrannt. Das Team von „Unplanned“ lamen­tiert, dass die meisten Fernsehkanäle in den USA sich weigerten, Werbung für den Film zu schalten. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter geriet ins Kreuzfeuer. Am Kinostart-Wochenende von „Unplanned“ war das Twitterkonto des Films vorübergehend gesperrt worden.

Regisseur Konzelman legte bei einer Anhörung vor einem Senatsausschuss in Washington Zensur nahe. Twitter erklärte es mit einem automatisierten Sperrvorgang, der schnell wieder aufgehoben worden sei. Bei Google wurde der Pro-Life-Film kurzzeitig als „Drama/Propaganda“ gelistet, später entfernte die Suchmaschine die Beschreibung als Propagandafilm.

Doch genau das kreiden Kritiker dem Film an. „Un­planned“ sei eine Mischung aus Agita­tion und Propaganda, schrieb der Hollywood Re­porter. Äußerst wirksam für jene Ziel­gruppe, die legale Abtreibung als Verbrechen an­sieht, befand Variety. Den Regisseuren sei jedes Mittel Recht, Planned Parenthood als böse, mächtige Organisation mit kaltblü­tigen Mitarbeitern darzustellen, die schwangere Frauen zu Abtreibungen drängen.

Eine Kernszene, in der Abby Johnson (gespielt von der US-Schauspielerin Ashley Bratcher) einen Schwangerschaftsabbruch auf dem Ultraschallmonitor verfolgt, zeigt einen Fötus während des Eingriffs. Er habe sich dabei „gewunden und um sein Leben gekämpft“, be­schreibt Johnson den Vorgang. Der Film sei „voller Unwahrheiten“, sagte Planned Parent­hood in einer Mitteilung.

„Nicht leicht anzusehen, aber sehr überzeugend“, erklärte eine 54-jährige Kinogängerin im kalifornischen San Bruno bei San Francisco nach der knapp zweistündigen Vorstell­ung. Mit 17 Jahren haben sie selbst eine Abtreibung gehabt, aber nun sei sie eine vehe­mente Gegnerin. Sie wünsche sich, dass möglichst viele Menschen diesen Film sehen würden.

Es ist fraglich, ob „Unplanned“ auch in die deutschen Kinos kommt, einen Starttermin gibt es derzeit nicht. Die meisten US-Produktionen mit einer explizit religiösen Botschaft enden im DVD-Vertrieb. © dpa/aerzteblatt.de

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