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Grünes Rezept für rezeptfreie Arzneimittel immer beliebter

Donnerstag, 18. April 2019

/Michael Nivelet, stockadobecom

Frankfurt am Main – Ärzte haben im vergangenen Jahr rund 50 Millionen grüne Rezepte mit OTC-Präparaten („over the counter“, also rezeptfreie Präparate) an Patienten weiterge­geben, etwa zwei Prozent mehr als im Jahr davor. Das berichtet der Statistik­dienstleister Iqvia. Typische Arzneimittel sind Erkältungsmittel, Produkte gegen Schmerzen, Durchfall­er­krankungen und Allergien.

Laut der Auswertung haben im vierten Quartal 2018 77 Prozent der Ärzte aus zwölf nie­dergelassenen Facharztgruppen mindestens ein grünes Rezept ausgestellt. Unter ihnen nutzen Pneumologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte diese Rezeptart am meisten (87 be­ziehungsweise 86 Prozent). Auch Kinder- und Jugendärzte, Gastroenterologen, Gynäko­logen und Hausärzte bedienen sich des grünen Rezepts häufig (jeweils mehr als 80 Prozent).

Der Gesetzgeber hat in der Gesundheitsreform von 2003 geregelt, dass Krankenkassen OTC-Arzneimittel grundsätzlich nicht mehr bezahlen, mit Ausnahme von Produkten für Kinder bis zu zwölf Jahren und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre.

Die Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist darüberhinaus dann zulässig, wenn die Arzneimittel bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dazu in einer Anlage der Arzneimittelrichtlinie, der „OTC-Übersicht“, festgelegt, welche OTC-Arzneimittel bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten und mit Begründung vom Vertragsarzt ausnahmsweise verordnet werden können.

Laut Iqvia haben Ärzte 2018 155 Millionen Verordnungen rezeptfreier Arzneimittel getä­tigt, das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres, mit leicht rückläufiger Tendenz. Davon entfielen 44 Prozent auf GKV-Rezepte, 25 Prozent auf Privatrezepte und 32 Prozent auf grüne Rezepte.

Erhalten Patienten von ihrem Arzt allerdings eine OTC-Verordnung auf einem grünen Rezept, haben sie trotz der gesetzlichen Regelung in vielen Fällen die Möglichkeit, die Kosten von ihrer Krankenkasse in bestimmtem Umfang zurückzufordern.

Gegen Vorlage des grünen Rezeptes und der Apothekenquittung übernehmen aktuell mehr als 70 Krankenkassen im Rahmen freiwilliger Satzungsleistungen Kosten für OTC-Arzneimittel. Des Weiteren dient ein grünes Rezept Patienten als Merkhilfe hinsichtlich Präparatename, Wirkstoff und Darreichungsform. © hil/aerzteblatt.de

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