NewsAuslandWeg frei für mehr Krebsforschung bei Kindern und schnelle Generikaeinführung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Weg frei für mehr Krebsforschung bei Kindern und schnelle Generikaeinführung

Mittwoch, 17. April 2019

/RGtimeline, stockadobcom

Brüssel – Das Europäische Parlament hat heute das neue EU-Forschungsprogramm Ho­rizon Europe und neue Regeln für generische Arzneimittel beschlossen. Darauf haben EVP-Christdemokraten und Sozialdemokraten hingewiesen.

Ein Forschungsschwerpunkt von Horizon Europe ist zukünftig die Krebsforschung, unter anderem bei Kindern, wie der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Christ­demo­kraten, Peter Liese, erklärte. Vor wenigen Monaten hatte die EVP-Fraktion beschlossen, den Kampf gegen Krebs in Europa zu einer ihrer Prioritäten für die neue Legislaturperiode zu machen. Durch die heutige Abstimmung wurde nun ein erster Schritt gemacht und die erste Forderung der EVP-Fraktion, nämlich einen Schwerpunkt auf die Behandlung von Krebs bei Kindern zu legen, aufgegriffen.

Anzeige

„Europäische Kooperation ist bei der Erforschung und Bekämpfung von Krebs aus vielen Gründen wichtig, bei Kindern ist sie unverzichtbar“, so Liese. Aufgrund der niedrigen Fall­zahlen könne sinnvolle Forschung und spezialisierte Therapie nur mithilfe europäischer Kooperation gelingen.

Darüber hinaus hat das EU-Parlament nach langen und intensiven Auseinandersetzungen zwischen Europaparlament, Euro­päi­scher Kommission und den Mitgliedsstaaten heute eine Weiter­entwicklung des Systems „Geistiges Eigentum“ beschlossen. Damit müssen ab dem 1. Juli 2022 Unternehmen, die in Deutschland Generika oder Biosimilars herstellen, diese nicht länger im Ausland produzieren, um sie anschließend nach Deutschland einzu­führen.

Verkauf ab Ablauf des Schutzzertifikates

Generika- und Biosimilarunternehmen ist es in der EU bisher verboten, Arzneimittel herzu­stellen, sofern das entsprechende Präparat des Erstanbieters noch durch Patente oder andere Schutzrechte geschützt ist. Das führte dazu, dass Entwicklungs- und Produ­ktions­kapazitäten systematisch aus Deutschland herausverlagert werden müssen.

„Die sozialdemokratische Fraktion konnte durchsetzen, dass die Generika- und Biosimilar-Unternehmen neben der Produktion für den Export in Drittländer auch in den letzten sechs Monaten vor Ablauf des ergänzenden Schutzzertifikates einen Vorrat anlegen dür­fen“, sagte Tiemo Wölken, gesund­heitspolitischer Sprecher der Europa-SPD. Dadurch könnten die Unternehmen das neue generische Medikament ab dem ersten Tag nach Ablauf des Schutzzertifikates auf dem europäischen Binnenmarkt verkaufen.

Wölken betonte, die aktuellen rechtlichen Anforderungen würden dem Markt nicht mehr gerecht. Arzneimittel entwickelten sich ständig weiter und der Handel mit Generika und Biosimilars habe sich innerhalb kürzester Zeit durchgesetzt. „Dieser Entwicklung muss die EU-Gesetzgebung entgegenkommen“, sagte Wölken. Generika und Biosimilars könnten zu einem Bruchteil der Kosten von Markenmedikamenten hergestellt und verkauft werden.

Das bedeute für Patienten einen besser Zugang und weniger Kosten. „Die Kostensenkung für die nationalen Gesundheitsbudgets und die Verbesserung der Versorgungssicherheit werden dazu beitragen, die Gesundheitssysteme in der EU nachhaltiger zu geestalten“, meint Wölken. Es werde dadurch weniger Fälschungen und weniger Unsicherheit auf­grund von Importabhängigkeit geben.

Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, begrüßte heute die Neuregelung. „Wir sind sehr froh, dass sich am Ende auch die Bundesregierung in Brüssel dafür engagiert hat, den Weg für eine Stärkung der Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa frei zu machen“, sagte er. Künftig könne die Markteinführungsproduktion von Generika und Biosimilars dann endlich auch in Deutschland erfolgen.

© may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2020
Mannheim – Die Herstellung von Wirkstoffen für Medikamente an wenigen Orten außerhalb Europas macht dem Gesundheitsdienstleister Phoenix zu schaffen. „Die Medikamentenverfügbarkeit beschäftigt uns
Phoenix sorgt sich um Verfügbarkeit von Arzneimitteln
18. Mai 2020
Hamburg – Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bereitet sich wegen drohender Engpässe bei der Medikamentenversorgung in der Coronakrise auf die Eigenproduktion wichtiger Wirkstoffe vor.
UKE-Apotheke bereitet Herstellung von wichtigen Medikamenten vor
18. Mai 2020
Berlin − China hat angekündigt, im Falle einer erfolgreichen Impfstoffentwicklung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 das Mittel weltweit zur Verfügung zu stellen. Sollte China einen
China will möglichen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 weltweit zur Verfügung stellen
12. Mai 2020
Brüssel − Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn setzt auf finanzielle Anreize, um die Produktion wichtiger Arzneimittel zurück nach Europa zu holen. „Europa muss bei Arzneimitteln wieder
Spahn will finanzielle Anreize für Arzneimittelproduktion in Europa
29. April 2020
Stuttgart – Damit Menschen in Baden-Württemberg in der Coronapandemie möglichst schnell an wichtige Medikamente gelangen, hat die Landesapothekerkammer mit dem Sozialministerium ein Internetportal zum
Neues Internetportal zum Austausch von Medikamenten in Baden-Württemberg
22. April 2020
Berlin – Gestern ist die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums in Kraft getreten, mit der der Austausch von Arzneimitteln während der Coronapandemie in der
Apotheker erhalten bei Abgabe von Arzneimitteln mehr Möglichkeiten
16. April 2020
Berlin – Zentral durch die Bundesregierung beschaffte Arzneimittel sollen künftig über ein spezielles Verteilkonzept zuerst an diejenigen Krankenhäuser ausgeliefert werden, die viele schwer erkrankte
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER