NewsMedizinSchwangerschafts­abbrüche zur Geschlechtsselektion werden weltweit seltener
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schwangerschafts­abbrüche zur Geschlechtsselektion werden weltweit seltener

Donnerstag, 18. April 2019

/DragonImages, stockadobecom

Amherst/Massachusetts – Seitdem es möglich ist, das Geschlecht eines Kindes vor der Geburt zu bestimmen, sind in 12 Ländern weltweit vermutlich 23 Millionen Mädchen abgetrieben worden, weil sie das „falsche“ Geschlecht hatten. Dies ergeben neue Berechnungen in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2019; doi: 10.1073/pnas.1812593116). In 11 der 12 Länder ist der Trend jedoch mittlerweile eindeutig rückläufig.

Die Chance, dass eine befruchtete Eizelle ein Junge oder Mädchen wird, ist gleich groß. Lebend geboren werden etwas mehr Jungen. Dies war schon vor der Einführung der Ultraschalldiagnostik so, als es noch keine Möglichkeit gab, das Geschlecht vor der Geburt zu bestimmen. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen (Sex Ratio at Birth, SRB) beträgt in den meisten Regionen der Erde 1,05.

Eine Geschlechtsselektion wurde zuerst in Indien beobachtet. Ab dem Jahr 1975 kam es zu einer „Inflation“ von männlichen Geburten. Während des Maximums im Jahr 1995 stieg die SRB auf 1,113 an. Nach den Berechnungen von Leontine Alkema von der University of Massachusetts in Amherst wurden in Indien in den letzten Jahrzehnten 10,6 Millionen Mädchen (95-%-Konfidenzintervall 8,0 bis 13,6) aus Gründen der Geschlechtsselektion abgetrieben. In China könnten es sogar 11,9 Millionen (8,5 bis 15,8) gewesen sein. Die „Inflation“ setzte in China zwar erst 1981 ein, die SRB stieg jedoch im Jahr 2005 auf 1,179 an. Das ist das höchste Missverhältnis, das Alkema in ihrer Analyse ermitteln konnte. In beiden Ländern ist die Tendenz inzwischen rückläufig, auch wenn China noch immer den weltweit höchsten Überschuss an Knaben hat.

Die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde sind jedoch nicht die einzigen, in der Familien Jungen bevorzugen und dies auf brutalste Weise durchsetzen. In der von Alkema aufgestellten Rangliste folgten Armenien (SRB 1,176; Höhepunkt im Jahr 2000), Aserbaidschan (SRB 1,171; 2003), Hongkong (SRB 1,157; 2011), Südkorea (SRB 1,151; 1990), Albanien (SRB 1,127; 2006), Vietnam (SRB 1,126; 2012), Georgien (SRB 1,115; 2003), Montenegro (SRB 1,099; 1997), Tunesien (SRB 1,085; 2000) und Taiwan (SRB 1,100; 2004).

Die Geschlechtsselektion ist demnach kein asiatisches Phänomen, sondern auch in einigen ehemaligen Ostblockstaaten weit verbreitet. Die Gründe dürften vor allem kultureller Natur sein. In vielen Ländern ist die Geburt eines Mädchens noch immer mit einem wirtschaft­lichen Nachteil für die Familie verbunden, in China wird die Ein-Kind-Politik für die gezielte Abtreibung weiblicher Feten verantwortlich gemacht. Die gute Nachricht ist, das die „Inflation“ von Jungen in allen Ländern ihren Gipfel erreicht hat und bis auf Vietnam in allen Ländern ein eindeutiger Trend zur Normalisierung nachweisbar ist. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2020
Genf – Mehrere US-Bundesstaaten nutzen die Pandemie nach Angaben von UN-Experten als Vorwand, um Frauen den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu verwehren. Dabei handele es sich um Alabama,
US-Bundesstaaten verhindern Schwangerschaftsabbrüche
19. Mai 2020
Berlin – Gravierende wissenschaftlich-fachliche und inhaltliche Mängel bescheinigt der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Pränataldiagnostiker kritisieren Versicherteninformation zum NIPT-Bluttest
14. Mai 2020
Berlin – Die Impfung von Frauen in der Schwangerschaft gegen Pertussis ist künftig Regelleistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) entschieden.
Pertussis-Impfung wird Regelleistung in der Schwangerschaft
13. Mai 2020
Berlin – Die Beratungspflicht nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz und dem Paragrafen 218a Strafgesetzbuch bleibt auch während der Coronapandemie in Kraft. Der Familienausschuss des Bundestags
Beratungspflicht bei Schwangerschaftsabbruch bleibt
29. April 2020
Berlin – Vor dem Hintergrund des Coronavirus SARS-CoV-2 stellen sich Schwangeren und Stillenden aber auch Fachkräften vermehrt Fragen zum Mutterschutz, Arbeitsschutz und zur Gesundheit junger und
SARS-CoV-2: Arbeitskreis beantwortet Fragen zum Mutterschutz
28. April 2020
Nordwalde − Die Christdemokraten für das Leben (CDL) kritisieren scharf einen Vorstoß der Linken zu mehr Flexibilität bei der Schwangerenkonfliktberatung. „Der Antrag der Fraktion Die Linke, die
Kritik an Linken-Antrag zur Schwangerenkonfliktberatung
27. April 2020
München/Berlin – Deutscher Hebammenverband und Deutscher Ärztinnenbund haben erneut örtliche Kreißsaalverbote für werdende Väter zur Bekämpfung der Coronaepidemie vehement kritisiert. „Eine Geburt ist
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER