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Medizin

Pregabalin und Gabapentin häufiger bei chronischen Schmerzen im Einsatz

Donnerstag, 18. April 2019

/Geza Farkas, stockadobecom

Marburg – Die Epilepsiemedikamente Pregabalin und Gabapentin kommen offenbar immer häufiger bei allgemeinen chronischen Schmerzen zum Einsatz, obwohl ihre Wirk­samkeit bei dieser Anwendung zweifelhaft ist. Das berichten Wissenschaftler um Annika Viniol von der Philipps-Universität Marburg in der Fachzeitschrift BMJ Open (2019; doi: 10.1136/bmjopen-2018-021535).

Neben der Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin der Philipps-Universität und dem Institut für angewandte Gesundheitsforschung Berlin be­teiligte sich auch die Universität von Calgary in Kanada an der Studie.

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Die Arbeitsgruppe konnte für ihre Analyse auf anonymisierte Kran­ken­ver­siche­rungsdaten von 4 Millionen Versicherten zurückgreifen, die dem Institut für angewandte Gesund­heits­for­schung Berlin zur Verfügung stehen. „Diese Daten enthalten Informationen über Medikamente, die Ärzte verordnet haben und die von Apotheken abgegeben werden“, erläuterte Annette Becker, eine weitere Leitautorin der Studie.

Ursprünglich entwickelt für die Behandlung von Epilepsie, kommen die Arzneistoffe Pregabalin und Gabapentin mittlerweile auch gegen neuropathische Schmerzen zum Einsatz – also zum Beispiel bei Nervenschmerzen durch eine Diabeteserkrankung oder eine Herpesinfektion. „Den offensichtlich eher schwachen therapeutischen Wirkungen und dem vergleichsweise kleinen Anwendungsgebiet stehen jedoch stetig steigende Verschreibungs­zahlen in den vergangenen Jahren gegenüber“, erklärte Viniol.

Laut der Analyse stieg im Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2015 die Zahl der Ver­schreibungen Jahr für Jahr an. Aber die Daten wiesen laut den Forschern nur bei etwa 25 % der Betroffenen, die erstmals Pregabalin oder Gabapentin erhielten, auf eine typische neuropathische Schmerzstörung hin. 3 Viertel der Patienten litten hingegen an chroni­schen Schmerzen ohne eine neuropa­thische Schmerzkomponente. In 61 % aller Fälle kam es zum Abbruch der Behandlung.

„Offenbar werden die Medikamente häufig bei allgemeinen chronischen Schmerzen ver­schrieben, unabhängig davon, ob eine neuropathische Diagnose vorliegt“, fasst Viniol zu­sammen. Die hohe Abbruchrate lasse vermuten, dass dies keinen therapeutischen Nutzen erbracht habe oder dass unerwünschte Nebenwirkungen aufgetreten seien. 

„Wenn bereits mehrere Therapien wirkungslos waren, so greift man zu Pregabalin oder Gabapentin – in der Hoffnung, dass Nervenschmerz bei den Beschwerden eine Rolle spielt“, vermutet die Medizinerin. Sie rät von diesem Vorgehen ab und empfiehlt, auf konservative Maßnahmen zurückgreifen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #759888
höre_auf_deinen_körper
am Mittwoch, 15. Mai 2019, 20:50

Pregabalin und Gabapentin häufiger bei chronischen Schmerzen...

Mir hat Pregabalin nach Herpes Zoster im Gesichtsbereich geholfen. Keine HZ-Neuralgie.
Nur geringe Mißempfindungen li. Gesichtshälfte. Tendenz abnehmend.
LNS

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