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Die soziale Beschleunigung in der Gesellschaft findet wirklich statt

Mittwoch, 24. April 2019

/metamorworks, stockadobecom

Berlin/Cork – Die Zeitspanne, in der die Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit einem Thema widmet, wird immer kürzer – die „soziale Beschleunigung“ findet wirklich statt. Das be­richten Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des University College Cork und der Technical University of Denmark in der Fachzeitschrift Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-019-09311-w).

Die Auswirkungen der sozialen Medien, der Nachrichtenflut und der ständigen Erreich­bar­keit auf den Lebensrhythmus und die Gesundheit von Menschen in den Industrienatio­nen ist immer wieder in der Diskussion. Laut den Forschern fehlten aber bislang empiri­sche Daten, um die Auswirkungen der neuen Technologien und Kommunikationswege fundiert zu beurteilen.

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Die Wissenschaftler haben daher verschiedene Medien analysiert und untersucht, wie lange ein Thema, ein Hashtag oder ein bestimmter Film besonders beliebt waren. Die Daten dazu stammen aus Büchern der vergangenen 100 Jahre, aus Kinokartenverkäufen der vergangenen 40 Jahre, aus wissenschaftlichen Publikationen der vergangenen 25 Jahre sowie von Twitter, Google Trends, Reddit und Wikipedia aus verschiedenen Zeit­spannen der 2010er-Jahre.

Die Ergebnisse untermauern den Forschern zufolge die These einer „sozialen Beschleuni­gung“.  „Unsere Daten zeigen, dass die Dauer, in der die Öffentlichkeit Interesse an einzel­nen Themen und Inhalten zeigt, immer kürzer wird. Gleichzeitig springt das Interesse immer schneller von einem Thema zum nächsten“, erläuterte Philipp Lorenz-Spreen, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Besonders gut lasse sich Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne anhand der sozialen Medienplattform Twitter erklären. Während 2013 ein Hashtag durchschnittlich 17,5 Stun­den in der Top-50-Liste war, blieb er dort 2016 nur noch durchschnittlich 11,9 Stunden. Dieser Effekt lasse sich auch in der Offlinewelt beobachten.

Der Grund für die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne lässt sich anhand eines mathema­tischen Modells erklären, das die Wissenschaftler auf Hashtags genauso wie auf Kinokar­ten­verkäufe anwandten.

„Für unsere Modellierung haben wir uns vorgestellt, dass sich jedes Thema von der be­grenzten kollektiven Aufmerksamkeit ernährt. Wenn immer mehr Themen ein Stück von der Aufmerksamkeit haben wollen, bleibt für ein einzelnes Thema weniger übrig", sagte Philipp Hövel, Co-Autor und Dozent für angewandte Mathematik am University College Cork. © hil/aerzteblatt.de

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