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Ärzteschaft

Arztbriefe häufig unverständlich

Dienstag, 23. April 2019

/thodonal, stock.adobe.com

Düsseldorf – Unverständliche Arztbriefe aus dem Krankenhaus über Zustand und Thera­pie von Patienten bereiten vielen Hausärzten Kopfzerbrechen. Die Entlassungsbriefe sind häufig unstrukturiert, fehlerhaft, vage oder missverständlich formuliert und enthalten unbekannte oder doppeldeutige Abkürzungen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von bundesweit 197 Ärzten durch Sprachwissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Hausärzteverbänden.

Demnach gaben fast alle befragten Hausärzte (98,5 Prozent) an, Arztbriefe manchmal nicht auf Anhieb zu verstehen. Und fast alle Befragten hatten auch schon mal Papiere mit falschen Informationen erhalten. 88 Prozent waren der Meinung, dass unverständliche oder fehlerhafte Arztbriefe zu Behandlungsfehlern führen können. Häufig müssten die Ärzte beim Verfasser dann noch einmal nachhaken.

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„Hausärzte haben nicht die Zeit, stundenlang Arztbriefe zu lesen. Sie brauchen präzise und klare Informationen“, sagte der Linguist und Projektleiter Sascha Bechmann. „Dass solche Dokumente keinen Spielraum für Interpretationen geben dürfen, liegt auf der Hand.“ Bechmann vermutet, dass oft mit Textbausteinen gearbeitet wird, die von einem Brief in den anderen kopiert würden.

Ein Satz wie „Bei ausgeprägter Hyperhidrosis im Rahmen einer nicht senkbaren Hyper­ther­mie wurde der Patient engmaschig bilanziert“ ist nur ein Beispiel für unverständliche Satzkonstruktionen. Dass die „obere linke Extremität“ ganz einfach den linken Arm be­schreibt, ist ein weiteres Exempel. Und der Satz „Bei Zustand nach Schwindel mit nach­folgendem Sturz wurde eine Schwindeldiagnostik durchgeführt“ entbehrt jeder Logik.

Rechtschreib- und Grammatikfehler sind weitere Kritikpunkte. Die Hausärzte monierten aber auch inhaltliche und fachliche Fehler, Widersprüche, Floskeln und fehlende Informa­tionen. Etwa drei Viertel der Befragten nannten Therapieempfehlungen und Anweisun­gen zur Medikamenteneinnahme nach der Entlassung aus dem Krankenhaus als häufige Fehlerquellen.

„Dass man Arztbriefe nicht immer auf Anhieb versteht, zeigt die Komplexität der Materie“, sagte Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes, der unter anderem Klinikärzte vertritt. „Dass Fehler überhaupt vorkommen können, gehört zu jeder menschlichen Arbeit dazu. An beiden Schwächen muss man arbeiten.“

Ein großes Problem sei, wenn drei Viertel der befragten Hausärzte Therapieempfehlun­gen und Einnahmeanweisungen aus dem Krankenhaus häufig als fehlerhaft bewerten. Es müsse dringend mehr direkte Kommunikation zwischen Haus- und Krankenhausärzten organisiert werden, so Henke. „Aus Sicht des Marburger Bundes liegt es auch an den knappen Stellenplänen im Krankenhaus, wenn dafür heute nicht genug Zeit zur Verfü­gung steht.“

Arztbriefe sind zeitraubend – sowohl für die Verfasser als auch für die Hausärzte. Im Durchschnitt müsse ein Hausarzt täglich drei bis zehn Briefe lesen, berichtet Bechmann. Das könne bis zu einer Stunde dauern. Klinikärzte verbrächten pro Tag sogar bis zu drei Stunden mit dem Verfassen der Briefe. Die Empfehlung der Forscher: Das Schreiben von strukturierten und verständlichen Arztbriefen sollte fest im Medizinstudium etabliert werden.

Das Forschungsprojekt wird mit der Auswertung von 200 Arztbriefen aus verschiedenen Abteilungen der Uniklinik Düsseldorf fortgesetzt und soll auf weitere Kliniken in Deutsch­land ausgeweitet werden. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #93082
Narkoleptiker
am Mittwoch, 24. April 2019, 10:40

fehlerhafte, unvollständige Arztbriefe

Guten Tag,
vorausgeschickt: Ich habe Ordner voll davon. Auch schon welche berichtigen lassen. Von Krankheiten daraus erfahren, von denen ich nichts ahnte. Erfahren, dass eine Verwandte adipös ist, obwohl sie hart an der Grenze der Unterernährung ist und sehr schlank.

Nicht nur für die Hausärzte sind diese Dinger manchmal eine Zumutung, sondern auch für die Patienten. Wenn diese mit den Briefen dann zum Beispiel eine Erwerbsminderungsrente oder die Anerkennung als Schwerbehinderter beantragen, wird es u. U. existenziell. Falsche, unvollständige und nicht verständliche Arztbriefe führen auch zur Verweigung von Leistungen zur Teilhabe, der Rentenversicherung u.s.w.

Diese Briefe werden häufig von Ärzten verfasst, die den Patienten nie gesehen haben. Das Korrekturlesen durch weitere Ärzte ist zwar zwischengeschaltet, doch ist das so gründlich? Faktor Zeit, Vertrauen, vielleicht manchmal auch fehlendes Bewußtsein für die Konsequenzen, die aus diesen Arztbriefen resultieren?

Fakt ist: Machen Sie bitte bessere Arztbriefe / Befunde und dergleichen mehr.
LNS

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