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Politik

Weiter Streit um Zukunft der Allgemeinen Ortskrankenkassen

Dienstag, 23. April 2019

/dpa

München – Einen „knallharten Preiswettbewerb“ erwartet die Vorstandschefin der AOK Bayern, Irmgard Stippler, angesichts der Pläne von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zur Öffnung regionaler Krankenkassen für Versicherte in ganz Deutschland.

Spahn will, dass AOK-Versicherte nicht nur zu bundesweiten Kassen wie der Techniker oder der Barmer wechseln können. Sie sollen auch andere AOKen wählen können, die vor allem in Ostdeutschland vergleichsweise niedrige Beitragssätze haben. Wer beispiels­wei­se 4.000 Euro brutto im Monat verdient, bezahlt etwa bei der AOK Sachsen-Anhalt ge­meinsam mit dem Arbeitgeber 384 Euro im Jahr weniger als bei der AOK Bayern.

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„Ein Wettbewerb nur über den Preis schadet aber der Versorgung“, warnte die Chefin der AOK Bayern. Unterstützung bekommt sie von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Deren Vorstandschef Wolfgang Krombholz sieht bei der Landes-AOK ein „regionales Know-how“, über das andere Kassen nicht verfügen. Außerdem sei die AOK Bayern bis­lang Vorreiterin gewesen, wenn es darum gehe, die Versorgung auf dem Land sicherzu­stellen, etwa durch eine bessere Bezahlung von Hausbesuchen.

Auch aus der Wissenschaft gibt es Warnungen vor einer Ausweitung des Kassenwett­be­werbs. Jürgen Wasem, der an der Uni Duisburg-Essen einen Lehrstuhl für Medizinmanage­ment hat, findet: „Mit ihrem hohen Marktanteil hat eine AOK viel mehr Gestaltungsmög­lich­keiten in einer bestimmten Region als eine bundesweit tätige Krankenkasse.“ Die AOK Bayern etwa hat mit rund 4,5 Millionen Versicherten einen Marktanteil von 40 Prozent.

Spahn hatte Ende März bei der Vorstellung seiner Pläne unter der Überschrift „Faire Kassenwahl“ allerdings klargemacht, dass er genau diese starke Stellung skeptisch sieht. Seiner Ansicht nach nutzen AOKen ihre Position, um „Bedingungen in der Versorgung diktieren zu können“.

Der CDU-Politiker bekommt jedoch immer stärkeren Gegenwind auch aus der Großen Koalition. Die SPD werde bei den Plänen „so nicht mitmachen“, sagte kürzlich der Vize­chef der SPD-Bundestagsfraktion und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Ebenso aus der CSU gibt es Widerstand. Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml will verhin­dern, dass die Landes-AOKs geschwächt werden. „Wir brauchen sie für die Versorgung der Menschen vor Ort“, erklärt sie.

Vor wenigen Tagen war zudem ein Brief von Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Sö­der an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekanntgeworden, in dem er betont, eine bundesweite Ausdehnung der Kassenöffnung und die Beschneidung von Länderkompe­tenzen könnten „nicht mitgetragen werden“. Weder Bürger noch die Kassen würden von der angestrebten Zentralisierung profitieren.

Unterstützung bekommt Spahn hingegen von vielen bundesweit geöffneten Kassen. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben Ersatzkassen, BKKs und IKKs, es sei „unseriös und eine geschäftsschädigende Unterstellung“ zu behaupten, dass nur die regionalen Krankenkassen eine gute Versorgung in der Fläche gewährleisten können. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #73846
Titania Vertrieb
am Dienstag, 4. Juni 2019, 14:18

Unterstützung für Jens Spahn durch Ersatzkassen, BKK`s, IKK`s für bundesweite Öffnung der AOKen

harsche Reaktionen der AOK Vorstände, gerade auch der AOK Vorständin AOK Bayern, Frau Irmgard Stippler, zeigen die Pläne von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn treffen direkt in`s Mark der lukrativen Pfründe der AOK Vorstände. Selbst der AOK Vorstand Nordost Frank Michalak sieht seine Pfründe gefährdet.
Eine " blinde Zentralisierung " gefährde angeblich die Versorgung der Menschen vor Ort...Selbst der Föderalismus wird als gefährdet angeführt.. Ausschließlich Ihre Pfründe sehen diese AOK Vorstände in Gefahr...Marktgerechte Kassenbeiträge sind jedoch im Sinne aller
gesetzlich Versicherten....Bravo Herr Jens Spahn...
Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn muss jetzt klare Kante zeigen.
Die Zwangsversicherten erwarten endlich einen tatsächlichen bundesweiten Wettbewerb der Kassen.
Avatar #73846
Titania Vertrieb
am Dienstag, 14. Mai 2019, 10:54

AOK Bayern Vorstandschefin Irmgard Stippler verteidigt ihre Pfründe

Frau Stippler verteidigt in erster Linie ihre Pfründe, mehrere 100 000 EURO Jahressalär. Dabei steht ihr selbstverständlich der KV Vorstandschef Bayern Wolfgang Krombholz, mit ebenfalls mehreren 100 000 EURO Jahressalär intensiv bei. Wenn dann auch noch die normalerweise honorige bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml den o.g. Personen beisteht ist der Skandal komplett. Ach ja der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bläst ja auch in dasselbe Almhorn...
4,5 Millionen AOK Mitglieder in Bayern hätten ein Recht auf eigenständige Vertretung der Versicherteninteressen, z.B. auf Patientenquittungen, lt. Gesetz aus dem Jahre 2004, lt. § 305 SGB V
Wenn gesetzliche Krankenkassen, in Sonderaktionen Ärzte zu schärferen Diagnosestellungen "nötigen" wollen um aus dem Gesundheitsfond gesetzwidrig Millionen zu saugen ist Schluss mit der Duldsamkeit, auch von Ärzten.....
LNS

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