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Kopfhörer können zu Hörschäden beitragen

Dienstag, 23. April 2019

/finwal89, stockadobecom

Berlin – In lauten Städten kann das dauerhafte Musikhören mit Kopfhörern gesundheits­schäd­lich sein. „Zu Hause startet man meist noch mit einer gesunden Lautstärke, dreht dann auf der Straße aber auf, um den Umgebungslärm zu übertönen“, sagte Michael Deeg, Sprecher des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Langfristig könnten Hörschäden die Folge sein, die sich nicht mehr behandeln ließen, erläuterte Deeg im Vorfeld des morgigen Tages gegen Lärm. Der internationale Akti­ons­tag am 24. April soll auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkungen aufmerksam machen, um die Lebensqualität zu verbessern.

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Laut Deeg spiele die Art des Kopfhörers keine Rolle. Es sei egal, ob man sogenannte In-Ear-Kopfhörer zum Einstecken in die Ohrmuschel oder klassische Modelle mit einem Bügel nutze. „Wichtig ist, wie viel Schallenergie am Ohr ankommt und wie lange die Belastung dauert“, erklärte der Freiburger Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

Eine gesündere Alternative könnten Kopfhörer darstellen, die den Umgebungslärm aus­schalten, sagte Thomas Zahnert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohren­heilkunde am Universitätsklinikum Dresden. „Mit ihnen kann man die Musik leiser genießen“, sagt er. Deeg hingegen würde sich eigenen Worten zufolge nicht auf die neue Technik verlassen.

Achtung auch bei Smartphones

Grundsätzlich seien Kinder und Erwachsene gefährdet. Der Schutz des Ge­hörs sei aber bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Thema, da diese häufig Smart­phones, Tablets und Computer mit Kopfhörern nutzten.

Wichtig sei es, dauerhaft Lärm über 85 Dezibel zu vermeiden, sagte Deeg. Das ist etwa so laut wie der Geräuschpegel an einer Hauptverkehrsstraße. Auch eine kurzzeitige, aber starke Lärmbelastung – wie etwa bei einem Klub- oder einem Konzertbesuch – könne Schaden anrichten. Dabei könne der Lärmpegel auch schon mal auf 100 Dezibel und mehr ansteigen.

Durch starke Schallwellen werden laut Deeg vor allem die feinen Haarzellen im Innenohr, die Sinneszellen geschädigt. „Bei hoher Schallenergie werden sie plattgedrückt wie das Getreide auf einem Feld bei einem starken Sturm“, umschreibt der Experte. Oftmals rich­teten sich die Härchen wieder auf, allerdings nicht immer.

Dass die Zahl der Hörschä­den durch die verstärkte Nutzung von Kopfhörern zunehme, lasse sich derzeit allerdings nicht mit Zahlen be­legen, so Deeg. „Gesichert können wir nur sagen, dass die Hörschäden durch Lärm am Arbeitsplatz in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sind“, sagte er. Dort werde viel Präventionsarbeit geleistet und auf den Arbeitsschutz geachtet. Der Dresdner HNO-Professor Zahnert plädiert für ein stärkeres Bewusstsein für das Gehör. „Uns fehlt eine Hörhygiene“, sagt er.

Viele Menschen kümmerten sich zwar intensiv um ihre Ernährung und ihren Körper. Doch das Gehör werde vernachlässigt. Die Tatsache, dass man bereits mit einer kurzzeitigen starken Lärmbelastung viel Schaden anrichten könne, sei vielen nicht bewusst. „Gerade unter Jugendlichen wird das ignoriert“, so Zahnert.

Belastung in Deutschland ist groß

Nach der Luftverschmutzung gilt Lärm als die wichtigste umweltbedingte Ursache von Erkrankungen. Aktuelle Studien bringen eine zu starke Lärmbelastung durch Straßen-, Flug- und Schienenverkehr oder den Geräuschpegel von zum Beispiel Industriebetrieben und Windenergieanlagen mit koronaren Herzerkrankungen, Herzinfarkten, Schlaganfällen sowie Bluthochdruck in Verbindung.

„Die Belastung durch Lärm ist zu groß in Deutschland“, warnte auch Martina Wenker, Präsi­den­tin der Ärztekammer Niedersachsen und Umweltmedizinerin. Tatsächlich erzeugt Lärm Stress, der jüngst zum Beispiel explizit für Herzrhythmusstörungen verantwortlich gemacht wurde. „Gegen diese Beeinträchtigung kann der Einzelne wenig ausrichten“, räumte Wenker ein.

Deshalb verwies die Ärztin auf die Leitlinien der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) für Umgebungslärm. Die UN-Gesundheitsbehörde empfiehlt darin Schwellenwerte, die unter den hierzulande gültigen Marken liegen.

Für den Straßenverkehrslärm rät die WHO zum Beispiel zu einem Lärmpegel von weniger als 53 Dezibel – nachts sogar zu einem Wert von unter 45 Dezibel. Daten des Bundesum­welt­amts zufolge sind hierzulande jedoch 2,5 Millionen Menschen ganztags Pegeln von mehr als 65 Dezibel ausgesetzt und nachts ertragen 2,9 Millionen Menschen Werte von mehr als 55 Dezibel.

„Wir müssen die Aufmerksamkeit viel stärker auf dieses unterschätzte Gesundheitsrisiko lenken“, forderte Wenker. Experten zufolge würde bereits eine um fünf Dezibel niedrigere Schwelle das Risiko zum Beispiel für verkehrsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 15 Prozent senken. © dpa/may/aerzteblatt.de

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