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Ausland

Pakistan geht gegen Gegner von Impfkampagne vor

Dienstag, 23. April 2019

/dpa

Islamabad – Nach einem Angriff auf eine Klinik wollen pakistanische Behörden die Ur­heber von Falschmeldungen zur landesweiten Impfkampagne gegen Polio verfolgen. Das erklärte der Sprecher für Impfangelegenheiten, Babar Bin Atta, heute.

In sozialen Medien verbreitete Meldungen, nach denen Kinder in der nordwestlichen Stadt Peshawar nach der Impfung erkrankt seien, führten zu einer Panik bei Eltern, die sogar eine Klinik in Brand setzten und Impfhelfer festhielten. Dutzende besorgte Eltern brachten gestern ihre Kinder in Krankenhäuser, es gab wütende Proteste.

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In Pakistan wurden schon früher Impfteams angegriffen und auch Helfer getötet – unter anderem wegen Gerüchten, der Impfstoff würde eingesetzt, um muslimische Kinder unfruchtbar zu machen.

In Peshawar waren nun Kinder in ein Krankenhaus gebracht worden, die vorgeblich nach der Verabreichung der Polioimpfung erkrankt waren. Später stellte sich laut Atta heraus, dass dahinter ein Lehrer steckte, der die Kinder aufgefordert hatte, Symptome von Übel­keit und Durchfall anzugeben. Die Kinder seien Schüler der Darul Qalam Schule gewesen, die erstmals seit Jahren Impfteams zugelassen hatte.

Laut Atta wurde eine Anzeige wegen Verschwörung gegen zwölf Personen erstattet. Noch heute sollten die Verdächtigen verhaftet werden.

Die landesweite Impfkampagne gegen Kinderlähmung war gestern gestartet. In drei Tagen sollen rund 39 Millionen Kinder unter fünf Jahren geimpft werden. Die Kampagne werde wie geplant weitergeführt, sagte Atta.

Pakistan ist der Global Polio Eradication Initiative zufolge neben Afghanistan das einzige Land, in dem im Vorjahr Erkrankungen mit wilden Polioviren gemeldet wurden. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 26. April 2019, 01:53

Hmmm...

Dass eine Impfung mit attenuierten Lebendviren sowohl eine Impfpolio auslösen kann als auch eine Ansteckung ungeimpfter Personen, ist völlig richtig. ABER: In einer Population mit hoher Prävalenz und Inzidenz von Polioerkrankungen ist der "gesamtgesellschaftliche Nutzen" der OPV dennoch unbestreitbar.
Der OPV-Impfstoff kann ohne Penetration der Haut in großen Kampagnen sehr schnell große Teile der Bevölkerung effektiv vor einer Polioinfektion schützen, das Risiko eine "Impfpolio" ist wesentlich geringer als das Risiko einer Ansteckung in Polio-Endemiegebieten. Nur nach erfolgreicher Durchimpfung einer Population wird das Risiko einer Infektion mit "Wildviren" so gering, dass dem Totimpfstoff der Vorzug gegeben werden muss.
Auch in D wurde der Totimpfstoff erst empfohlen, als das Risiko einer Impfpolio durch die OPV größer wurde als das Risiko einer Wildvirusinfektion.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 24. April 2019, 22:01

Lesen bildet

Der Grund für eine mögliche Verabreichung der OPV in Pakistan ist nicht der Kostenfaktor sondern die bessere Wirksamkeit bei der Unterbrechung der Wildviruszirkulation. Der entscheidende Unterschied beider Impfstoffe ist die zusätzliche Schleimhautimmunität bei der OPV, was in einem Land mit anhaltender Wildviruszirkulation den Ausschlag geben könnte. Diese Information ist auf den RKI-Seiten mit wenigen Mausklicks auffindbar:

„Die IPV-Impfung, die inzwischen überall in Europa Standard ist, schützt die Geimpften zuverlässig vor Erkrankung, d.h. einer Lähmung. Mit IPV geimpfte Personen können sich aber dennoch mit Polio-Viren infizieren und diese unbemerkt ausscheiden und dadurch weiterverbreiten. Bei Auftreten von Poliomyelitis-Fällen empfiehlt die STIKO die Impfung von Kontaktpersonen mit IPV unabhängig vom Impfstatus sowie bei Auftreten von Sekundärfällen Riegelungs­impfungen mit IPV. Zur Unterbrechung einer großflächigen Wildvirus-Zirkulation kann aber unter Abwägen der Vorteile und Risiken auch die Verwendung von OPV in Erwägung gezogen werden.“
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Poliomyelitis/FAQ-Liste_Poliomyelitis_Impfen.html

Im Übrigen wird in der obigen Abbildung zwar die OPV dargestellt, aber im Text des Artikels fehlt jede konkrete Angabe zur Art des verwendeten Impfstoffs. Die Verwendung von OPV wäre plausibel, ist damit aber nicht bewiesen. Unabhängig davon, welcher Impfstoff verwendet wird, eine Benachteiligung von Entwicklungsländern kann man daraus nicht ableiten.
LNS

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